Pfarre

Villach-St. Nikolai

Rosenkranzmonat Oktober

Rosenkranzgebet in der Pfarrkirche St. Nikolai

Die Verwendung einer Perlenschnur zum Zählen von wiederholenden Gebeten ist in der Geschichte der Religionen vielfach belegt. Die im hinduistischen Shivaismus gebräuchliche Form besteht aus 84 Perlen, mit deren Hilfe Mantras rezitierend gezählt werden. Im Buddhismus beträgt die Zahl der Perlen meist 108, analog zu den 108 Leidenschaften. Eine in Tibet gängige Formel spricht das „Om mani padme hum“ (Verehrung dem Juwel im Lotus) in Verbindung mit den traditionellen Gebetsmühlen. Im Islam ist die Gebetsschnur seit dem Ende des 8. Jahrhunderts literarisch belegt.

In der Geschichte des Christentums wurden im Mittelalter markante Psalmverse entsprechend der biblischen Zahl der Psalmen 150mal als mönchische Meditationstechnik wiederholt (Ruminatio =Wiederkäuen). Als Wiederholungsgebet für den leseunkundigen Laien wurde im Mittelalter auch das „Vater Unser“ gepflegt, seit der Jahrtausendwende wird das „Ave Maria“ gebräuchlich. Im Advent 1409 wurde vom Kartäusernovizen Dominikus von Preußen (+1460) die heute gebräuchliche Form „erfunden“, indem er dem Namen „Jesus“ einen entsprechenden Relativsatz anfügte, der ausdrückte, was Jesus im Einzelnen gesagt und getan hatte. Diese auf 150 „Geheimnisse“ erweiterte Form wurde von den Dominikanern weiterverbreitet. Die Reduktion der „Geheimnisse“ auf eine leicht zu behaltende Zahl von 3 mal 5 = 15 war die entscheidende Voraussetzung, dass der Rosenkranz zum Volksgebet werden konnte.

Bis heute, ein halbes Jahrtausend nach seiner Entstehung, ist der Rosenkranz noch immer das verbreitetste katholische Volksgebet, obwohl er sich oft heftiger innerkirchlicher Kritik ausgesetzt sah. Die katholische Aufklärung tat ihn als Relikt veräußerlichter Volksreligiosität ab. Leo XIII. erklärte den Oktober zum Rosenkranzmonat, Paul VI. begründete mit seinem apostolischen Schreiben Marialis Cultus (1974) die bleibende Bedeutung des Rosenkranzes mit dem Hinweis auf den biblischen Charakter der Gebetsworte und Betrachtungsmotive.

Im neuen Gotteslob (GL 4,1-8) wurden die traditionellen freudenreichen, schmerzhaften und glorreichen Geheimnisse durch die lichtreichen (eingeführt von Johannes Paul II. im Jahr 2002), die das öffentliche Auftreten und Wirken Jesu betrachten, und die trostreichen Geheimnisse erweitert. Im Sinne der sehr vielfältigen Traditionen ist es im privaten Gebet auch sinnvoll, eigene Rosenkranzgeheimnisse zu formulieren.

Neben der gemeinschaftlichen Form kann der Rosenkranz im persönlichen Gebrauch in den unterschiedlichsten Situationen gebetet werden. Die leichte Merkbarkeit der Gebete und Geheimnisse und seine weite Verbreitung unter den Katholiken ermöglicht außerdem, dass man den Rosenkranz allein oder in der Gruppe an den unterschiedlichsten Orten und Gelegenheiten als Möglichkeit zur Sammlung und Meditation nützen kann: bei der Autofahrt, beim Warten auf den Bus, beim Bergsteigen und Wandern oder bei Schlaflosigkeit in der Nacht. Vereinfachte Rosenkränze, die mit zehn Zählabschnitten als Ring am Finger getragen werden können oder das Abzählen an den Fingern machen den Rosenkranz zum Allroundbegleiter im Alltag. Wesentlich zum Verständnis des Rosenkranzes ist es also, ihn nicht als sinnentleerte, nur mit den Lippen gesprochene oder „geleierte“ Erfüllung einer Gebetsleistung zu verstehen, sondern als Meditationsform der biblischen Botschaft. Ähnlich dem Jesusgebet aus den Ostkirchen, in der ein Jesuswort oder das Wort „Jesus, Sohn Davids, erbarme dich meiner“ fortwährend wiederholt wird, soll das Gebet selbst im Beter zu beten beginnen. Im Sinn der Heiligung des Alltags verwirklicht sich darin auch der Auftrag Jesu in den Worten des Apostels Paulus: „Betet ohne Unterlass.“ (1Thess 5,17).

„Bete und du wirst entdecken, dass Beten Sinn hat – und anders als durch Beten wirst du es nie entdecken.“ (Luise Rinser)