Organisation

Referat für Spiritualität

Gott und ich in Zeiten von Corona

oder - der Umgang mit Hilflosigkeit

Wenn ich die Zeitung in der Früh aufschlage, wird mir bewusst in welch privilegierter Situation ich zurzeit lebe. Außer mich an die Corona Regeln zu halten, meine Arbeit (vermehrt im Homeoffice) zu tun, mich der einen oder anderen Hilfsaktion anzuschließen, darf ich meinen Alltag in Ruhe leben. Keiner der Menschen, die mir besonders nahe stehen, ist im Moment akut bedroht.

Das kurze Gespräch mit der Kassiererin im Supermarkt lässt trotz ihrer Freundlichkeit die Erschöpfung durchklingen und die Sorge um ihre Tochter, die seit dem Lockdown die meiste Zeit des Tages auf sich allein gestellt ist.

Wenn in einem Fernsehbericht Mütter - den Tränen nahe - von ihrem Alltag erzählen, der sie an ihre Grenzen bringt. Wenn Wirtschaftstreibenden die Sorge um ihre Betriebe und ihre MitarbeiterInnen ins Gesicht geschrieben steht. Spätestens dann merke ich – viele, viele Menschen tragen im Moment an ganz anderen Herausforderungen als ich.

Und dann sind da noch die Menschen, die in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen oder zu Hause auf Pflege angewiesen sind - und die, die sie pflegen.

Menschen, die an ihre absoluten Grenzen gehen (müssen), die keine Zeit haben sich Gedanken um ihre eigene Gesundheit zu machen – ganz abgesehen von der Sorge um ihre eigenen Angehörigen.

Neben all diesen Menschen, die Großteils keine Wahl haben, ob sie sich einer Gefahr aussetzen oder nicht, hagelt es Kritik von vielen Seiten. Vor allem an denen, die entscheiden müssen, wie unser Land gut durch diese Krise kommt.

Es ist konstruktive Kritik dabei, berechtigte Sorge – einiges davon ist vermutlich aber Ausdruck der eigenen Unsicherheit, der Angst und der Hilflosigkeit die große Teile der Gesellschaft erfasst hat.

Und es gibt natürlich aus meiner Sicht auch fahrlässige Kritik von Menschen, die rücksichtslos ihren Vorteil suchen und für die Solidarität nicht Teil des Lebens ist. Die nicht willens oder nicht fähig sind zur Selbstreflexion – deren Kurzsichtigkeit die Nöte verstärkt statt sie zu „bearbeiten“.

Der Blick auf dieses Spektrum der Eindrücke macht mich oft hilflos.

Und dann gibt es da noch die Kirche

Die Einrichtung, die das „Gottesgerücht“ wachhalten soll – wie es Paul Zulehner vor langer Zeit einmal formuliert hat. Eine Kirche, die aus Menschen besteht, die sichtbar machen, dass GOTT DA IST. Ja, diese Menschen gibt es. Innerhalb und außerhalb der Kirche. Menschen die Gott erfahrbar machen.

Der evangelische Theologe Ingolf U. Dalferth vertritt die These, dass wir zurzeit in einer „Gotteskrise“ sind, weil wir die Zuversicht verloren haben, „dass man von Gott etwas zu sagen hat, was der Rede wert ist“. Wir trauen Gott nicht zu, dass er für unser Leben relevant ist.

Was ist, wenn er Recht hat?

Ist Gott für mich relevant in dieser Krise? Unabhängig davon in welcher Situation ich mich befinde, ob ich schmerzhaft betroffen bin oder nur am Rande beteiligt.

Exerzitien im Alltag

Vom 1. Advent bis zum Fest „Epiphanie“ lade ich Sie ein zu „Exerzitien im Alltag“. Das könnte eine Zeit sein, dieser Frage nachzugehen: Wie relevant ist Gott in meinem Leben?

Diese Form der „Lebensreflexion im Blick auf Gott“ geht zurück auf Ignatius von Loyola und ist eine Möglichkeit, meinen Sehnsüchten auf die Spur zu kommen und mein Leben zu ordnen.

Die regelmäßigen Gebetszeiten, die Texte aus der Heiligen Schrift, sowie die Spaziergänge in der Natur sind Hilfsmittel, um meine Gottesbeziehung neu wahrzunehmen und zu gestalten.

Näheres dazu finden Sie hier