Organisation

Plattform „Verwaiste Eltern“

Warum Ich / Wir?

Diese Frage stellen sich Eltern immer wieder, und auf diese Frage kann keiner Antwort geben. Fragen über Fragen kommen nach so einem schweren Schicksalsschlag auf – und sie zu beantworten obliegt nur den Trauernden selbst. Doch das benötigt Zeit, Auseinandersetzung, und manchmal auch Unterstützung und Hilfe. Fragen sind jedoch sehr wichtig, sie unterstützen den Trauerprozess und machen es möglich, Stück für Stück einen anderen, neuen Zugang zu der so tragischen Wirklichkeit zu bekommen. Wir wollen für Sie da sein und sie in diesem Fragenprozess unterstützen, damit sie den für sie passenden Weg in ihrem Tempo finden.

Hilfreiche Fragen könnten sein:

 Wie haben sie es bis jetzt geschafft?
 Was hat ihnen geholfen?
 Was hat sich verändert, und woran erkennen sie es?

Gedanken eines trauernden Vaters

Mitmenschen nehmt uns trauernde Eltern an!

Gehe behutsam mit uns um, denn wir sind schutzlos.
Die Wunde in uns ist noch offen und weiteren Verletzungen preisgegeben.
Wir haben so wenig Kraft, um Widerstand zu leisten.

Gesttattet uns unseren Weg, der lang sein kann.
Drängt uns nicht, so zu sein, wie früher, wir können es nicht sein. Denkt daran, daß wir in Wandlung begriffen sind.
Habt Geduld!

Wir wissen, daß wir Bitteres in Eure Zufriedenheit streuen, dass Euer Lachen ersterben kann, wenn Ihr unser Erschrecken seht. Daß wir Euch mit Leid konfrontieren, daß Ihr vermeiden möchtet.

Wenn wir Eure Kinder sehen, leiden wir.
Das "Nie mehr" ist wie ein Schrei in uns, der uns lähmt. Wir müssen die Frage nach dem Sinn unseres Lebens stellen. Wir haben die Sicherheit verloren, in der Ihr noch lebt.

Ihr haltet uns entgegen; auch wir haben Kummer!
Doch wenn wir Euch fragen, ob Ihr unser Schicksal tragen möchtet erschreckt Ihr.

Aber verzeiht: unser Leid ist so übermächtig, daß wir oft vergessen, dass es viele Arten von Schmerz gibt.

Ihr wisst vielleicht nicht, wie schwer wir unsere Gedanken sammenl können. Unsere Kinder begleiten uns. Vieles, was wir hören, müssen wir auf sie beziehen. Ihr vergangenes Leben mit uns zwingt uns zum Vergleich. Wir hören Euch zu, aber die Gedanken schweifen ab.

Nehmt es an, wenn wir von unseren Kindern und unserer Trauer zu sprechen beginnnen, wir tun nur das, was uns drängt. Wenn wir Eure Abwehr sehen, fühlen wir uns unverstanden und einsam.

Lasst unsere Kinder bedeutend werden vor Euch.

Teilt mit uns den Glauben an sie. Noch mehr früher sind sie ein Teil von uns.

Wenn ihr unsere Kinder verletzt, verletzt ihr uns.
Mag sein, dass wir sie vollendeter machen als sie es waren, aber Fehler zuzugestehen fällt uns noch schwer.
Zerstört nicht unser Bild! Glaubt uns, wir brauchen es so.

Versucht, Euch in uns einzufühlen.

Glaubt daran, daß unsere Belastbarkeit wächst.

Glaubt daran, daß wir eines Tages mit neuem
Selbstverständnis leben werden.

Euer Zu-trauen stärkt uns auf diesem Weg.

Wenn wir es geschafft haben, unser Schicksal anzunehmen, werden wir Euch freier Begegnen.

Jetzt aber zwingt uns nicht mit Wort oder Blick,
unser Unglück zu leugnen.
Wir brauchen Eure Annahme.
Vergesst nicht: wir müssen so vieles von Neuem lernen, unsere Trauer hat unser Sehen und Fühlen verändert.

Bleibt an unserer Seite!
Lernt von uns für Euer eigenes Leben


Erik Bodner