Werden und Vergehen. Lieben und Verlieren. Tun und Scheitern. Und zeitlich gesehen: der Tod stärker als die Liebe, die ihn nicht aufhalten kann. In diese bittere Wirklichkeit ist Gottes Herrlichkeit eingebrochen. Jesus von Nazareth, gestorben und begraben, ist durch Gottes Macht auferweckt und erhöht worden.
Auch wenn der Tod starr scheint, wissen wir Christen, dass er nicht das Ende ist und weiterführt (© Foto: foto: fotomax)
Eine neue, bisher ungekannte Hoffnung existiert seit damals in der Welt. Dass alle dem Tod verfallene Wirklichkeit auf eine Begegnung zugeht: die Begegnung mit dem lebendigen Gott selbst. Das bezeugt seit 2000 Jahren die Gemeinschaft der Kirche. Und damit fügt diese Gemeinschaft den zwei Hauptthemen ein neues, drittes Thema hinzu: Liebe, Tod – und Auferstehung.
Der Tod als Störfaktor
Eine österreichische Fremdenverkehrsgemeinde hat vor einigen Jahren den Beschluss gefasst, dass in den Sommermonaten der schwarze Bestattungswagen nicht verwendet werden darf. Es muss ein weißes Auto sein. Urlauber sollen nicht gestört werden. Zeichen einer Gesellschaft, die den Tod aus dem Bewusstsein verdrängt nach dem Motto: „Das Leben ist ein Hit!“
Trendwende?
In den letzten Jahrzehnten hat eine neue Beschäftigung mit dem Tod stattgefunden. Bekannt wurde die Todesforschung etwa von Elisabeth Kübler-Ross oder R. A. Moody. Aus dieser Forschung wurde zugleich ein Geschäft, das viele Nutznießer fand. Interesse wuchs auch dafür, wie verschiedene Kulturen dem Tod begegnen. So ist z.B. das „Tibetanische Totenbuch“ zum Bestseller geworden. Die verschiedenartigen Vorstellungen zum Thema „Wiedergeburt“ haben in Europa viele Interessenten und Befürworter gefunden.
Der Tod: eine Illusion?
Die neue Zuwendung zum Thema „Tod“ steht sehr oft unter spiritualistischem Vorzeichen. „Dass der Tod nicht existiert, dass er eine Illusion ist – weil das Geistige für den Tod unerreichbar ist“ – dies zu zeigen hat etwa Kübler-Ross in ihren letzten Jahren als ihre Lebensaufgabe gesehen. Das setzt aber voraus, dass eben alles, was „Erde“ heißt, was „Leib“ und „Geschichte“ heißt, ohne Bedeutung ist. Mensch und Sinn des Lebens werden einseitig unter der Rücksicht auf die „geistige Welt“ betrachtet. Der einzelne Mensch mit seinem Leib und seiner Lebensgeschichte kommt hier kaum vor, aber auch die Fragen nach Gerechtigkeit, politischem Einsatz, Friede und Bewahrung der Schöpfung spielen keine Rolle.
Ebenso wenig die Frage nach einer Vollendung der Geschichte und der Schöpfung.
Der Tod als Freund?
Die Griechen haben den Tod als Freund gesehen. Er war für sie der große Befreier aus dem Gefängnis des irdischen Lebens. Darin ähnelt die griechische Philosophie – und auch die Philosophie der Aufklärung – den heutigen spiritualistischen Deutungen des Todes. Griechische Philosophen haben mit christlichen Theologen gestritten über die Frage, welcher Tod eigentlich ein reifer Tod ist: der ruhige Tod des Sokrates – oder der schmerzliche Tod des schreienden Christus am Kreuz? Sicher ist: Ein Schrei sucht nach Antwort – und nach jemandem, der antwortet.
Der Tod als Feind und Wirklichkeit
Der Tod ist keine Illusion. Da genügt es eigentlich, ein Pflegeheim aufzusuchen. Oder trauernden Menschen ins Gesicht zu schauen, in ihre Erschütterung. Oder die Wirklichkeiten von Hunger und Kindersterblichkeit zu sehen, von Aids und Krebs, von Terror und Krieg, von Erdbeben und Überflutungen. Der Tod zerstört. Er ist der Feind des Lebens.
Der Tod als Bruder – Tod und Auferstehung
Es gibt auch die Erfahrung eines Franziskus. Er war mit der Schöpfung so sehr Freund geworden, dass er die Rückkehr zur Erde nicht nur als Armut erlitten hat. Er hat dieses Arm-Werden begrüßt. Er sah darin auch die Begegnung mit seinem Herrn Jesus Christus.
„Herr, sei gelobt, durch unseren Bruder Tod, dem kein Mensch lebend je entrinnen kann. Der zweite Tod (der ewige Tod) tut uns kein Leide an.“ (Sonnengesang des Franziskus)
Und weil Christus im Tod aufgefangen und auferweckt wurde, so haben Christen seit 2000 Jahren die Armut des Todes bei aller Not oft in Hoffnung und Frieden angenommen.
„Wir können nicht tiefer fallen als in Gottes Hände“ (Johannes XXIII.) Und damit verbunden die Hoffnung, dass die ganze Menschheitsgeschichte auf etwas Neues zugeht. Dass jene Macht, die den toten Christus auferweckt hat, in vielen Formen einbricht in die Geschichte, Neues hervorbringt und einmal die ganze alt gewordene Welt neu schafft: einen neuen Himmel und eine neue Erde.
„Herr, sei gelobt, durch unseren Bruder Tod, dem kein Mensch lebend je entrinnen kann. Der zweite Tod (der ewige Tod) tut uns kein Leide an.“ (Sonnengesang des Franziskus)
Wie viel wissen wir über den Tod und das Jenseits?
Angesichts des Todes greifen viele Menschen zu aller möglichen Literatur. Vieles davon ist dem Gesamtbereich der „Esoterik“ zuzuordnen. Menschen suchen und brauchen etwas, das „Halt“ und Hoffnung gibt. Und je mehr jemand zu „wissen“ vorgibt, umso rascher findet er Zuhörer.
Eine vertiefte Auseinandersetzung mit Fragen nach Reinkarnation, Spiritismus, Channeling, Jenseitsreisen usw... endet aber doch eher mit der Erkenntnis, dass wir weniger wissen, als wir gern wissen möchten und dass mehr Fragen offen bleiben, als uns lieb ist. Letztlich bleibt uns wieder nur so etwas wie „Glaube“. Und Glaube ist ein Vertrauen auf das, was wir nicht sehen. Ein Hoffen in Bildern. Ein Ausschau halten nach dem, der hinter allem steht... Christliches Sterben ist weniger eine Reise ins Bekannte hinein, sondern das bangende und hoffende Vertrauen: „Stehst du zu mir, Gott, wenn ich sterbe?“
Andere Religionen und Kulturen
Der Tod ist vielschichtig wie das Leben, das auf ihn zuläuft. So bringt die Beschäftigung mit verschiedensten Deutungen des Todes auch dem Westeuropäer moderner Prägung eine große Bereicherung. Die aus dem Christentum gewohnten Themen „Gericht und Barmherzigkeit –– Freiheit und Endgültigkeit – Fegefeuer und Vollendung – Himmel und Hölle – neue Schöpfung...“ bekommen in einem solchen Umfeld zugleich oft ein ganz neues Gesicht und Gewicht. (js)
Text: Mag. Johannes Staudacher, Verantwortlicher Seelsorger für Trauerpastoral, Provisor der Pfarre Klein St. Veit
Anfragen an den Autor: johannes.ssl@aon.at

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