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Freude und Feiern

 
 
 

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Zusammenfassung des Vortrages von Diözesanbischof Dr. Alois Schwarz im Rahmen des Begegnungstages "Freude & Feiern" am 26. Mai 2010 im Diözesanhaus Klagenfurt

© Foto: Foto: Kronawetter

(© Foto: Foto: Kronawetter)

Ich sage es einmal so: Normalerweise spielt sich das Leben auf einer bestimmten Ebene ab, so wie es da gezeichnet ist. Da gibt es dann Herausforderungen, Unterbrechungen. Das, was wir im Leben an Bewusstwerdung, an Deutung haben, das versuchen wir, in die Feier hineinzuheben.
Sie kennen das ja selbst. Das Leben geht dahin, plötzlich wird jemandem bewusst: Ach Gott, wir werden Vater oder Mutter. Ihnen wird ein Kind geboren. Darüber reden Sie, erzählen es, es werden SMS verschickt, wie groß das Kind ist und die Fotos werden gleich mitgeschickt. Das Gewicht des Kleinen und der Name werden mitgeliefert. Wir reden darüber. Und weil Ihnen da etwas bewusst wird, wollen Sie das auch feiern, d. h. Sie kommen zu uns, zur Kirche und sagen: „Uns ist das jetzt bewusst geworden. Feiert mit uns“.
Das heißt, die Zeichnung hier möchte ich einfach durch diese ergänzen. Das Selbst, in das Sie hinuntersteigen, mein Selbst, ist das, was sich hier abspielt im Leben. Also hier haben Sie die Tiefen, dann heben Sie es herauf in das Bewusstwerden, in das Deuten und heben es in das Feiern hinein.

Das ist bei Lebenswenden so. Wir feiern die Firmung an der Schwelle zum Erwachsenwerden. Oder wenn Leute draufkommen in ihrer Paarbeziehung: Unsere Verbindung soll Zukunft haben. Wir suchen uns Leute, mit denen wir darüber  reden, dass wir zusammengehören wollen, und dann kommen Leute mit und sprechen uns Hoffnung zu. Das feiern wir. Wir feiern miteinander, dass es hier Hoffnung gibt für unsere Paarbeziehungen. Also Ehen ohne Hochzeit sind Ehen mit weniger Hoffnung, weil niemand die Hoffnung zugesprochen hat, dass es gut gehen kann. Die sind eigentlich ärmer. Wer nur so zusammenzieht und kein Ritual setzt, der ist eigentlich ärmer, weil es keine Feier gegeben hat. Weil es hier keine Zusage gegeben hat: Wir trauen euch zu, dass das gut geht.

Freude und Feiern. Hier sind wir als Kirche herausgefordert. Wenn ich z. B. eine Taufe halte und ich halte vorher kein Taufgespräch und sage: Was wird den Leuten da bewusst? Wenn ich sie abprüfe – das ist kein Abprüfen, wenn ich frage, warum sie ihr Kind taufen lassen wollen – das wissen sie ja nicht. Oder sie sagen das, was ihnen andere Eltern gesagt haben, dass der Pfarrer gern hört. Aber wenn ich frage: „Was wünschen Sie für Ihr Kind?“, dann formulieren sie eine Menge Wünsche. Ich sage, dass wir diese Wünsche hereinheben und bei der Feier wiederholen werden.
Oder bei der Hochzeit. Ich staune, was die Ehepaare, die jetzt heiraten – es sind ja meistens schon Ehepaare – sich antun, um ihre Trauung vorzubereiten. Was für Texte die alles suchen, was sie da vom Internet herunterladen, was richtig ist und was falsch, oder was ihnen gefällt und was sie alles singen wollen. Unvorstellbar, wie viel Mühe sie dafür aufwenden, ihr Leben zu deuten, damit es ihre ganz persönliche Feier wird und sie wieder anders in das Leben zurückgehen.
Leben deuten – feiern. Oder wie es hier geheißen hat: Herausforderungen.

Nun haben wir für unsere Feiern in der Kirche ein weltweites Feierbuch. Ich weiß nicht, ob Sie es schon einmal gesehen haben. Es ist das Messbuch. Das ist ein weltweites Feierbuch, in dem steht, wie Christen auf der ganzen Welt feiern. Ein Regelbuch für Feiern mit einer ungeheuren Dramaturgie.
Mir ist nämlich vorhin gesagt worden, es geht hier um Pfingsten. Pfingsten sollen wir hier miteinander feiern. Mein erster Weg ist: Schauen wir ins Regelbuch, in unser Feierbuch, was da drinnen steht. Warum freuen wir uns zu Pfingsten? Das Motto heißt ja „Freude und Feiern“. Wir sollen Freude haben und wir sollen etwas feiern. Und was sagt dazu unser Regelbuch, unser großes Regiebuch? Es sagt: Wir sollen diesen Tag in festlicher Freude feiern. Warum? Die Liturgie sagt: Denn heute ist das österliche Heilswerk vollendet. Heute hast du den Heiligen Geist gesandt über alle, die du mit Christus auferweckt und zu deinen Kindern berufen hast.
Das ist eine genaue Angabe, warum wir Pfingsten feiern. Ostern ist vollendet – steht da. Also das, was wir 50 Tage lang gefeiert haben, erreicht gleichsam jetzt die Vollendung. „Und du hast den Heiligen Geist gesandt über alle, die du mit Christus auferweckt und zu deinen Kindern berufen hast“.
Wir müssten nur schauen, wo der Heilige Geist ist. Ausgesandt hat er ihn. An uns liegt es, ihn zu entdecken. Also müssen wir zu Pfingsten nur herumschauen, was Gott schon alles getan hat. Dann heißt es: „Am Pfingsttag erfüllst du deine Kirche mit Leben“. Also schauen wir, wo es Leben in der Kirche gibt. Im Grunde ist es das Lebensfest der Kirche laut dem Regiebuch der Kirche. „Dein Geist schenkt allen Völkern die Erkenntnis des lebendigen Gottes und vereint die vielen Sprachen im Bekenntnis des einen Glaubens“. Gerade in der Sprachenvielfalt von Kärnten das Fest. Er vereint die vielen Sprachen im Bekenntnis des einen Glaubens.
 
Der Seelsorgeamtsleiter hat auch die ganzen Leiderfahrungen angesprochen, die wir haben. Manche sagen ja: „Mit der Kirche wollen wir nicht reden. Die Kirche hat da ja einiges auf sich geladen“. Das gehört auch dazu, dass wir mit Schuld umgehen. Wir sind eine Religionsgemeinschaft, die mit Konflikten und Schuld umzugehen weiß und ein Konfliktlösungsmodell hat, das nicht von den Leuten erfunden wurde, sondern von unserem Gott geschenkt ist. Das heißt Erlösung durch den gekreuzigten Auferstandenen.
Ich kenne keine andere Religion, die so mit Schuld umgeht, wie unsere. Nämlich, dass sie erlöst wird und nicht durch Reden alles freigesprochen werden kann. Das Reden hilft dazu, Therapie ist wichtig. Aber die Zusage von Vergebung ist dann das Heilsame. Das andere ist ein heilsamer Vorgang, doch Erlösung ist die Zusage unseres Gottes, dass er uns annimmt trotz unserer Schuld. Vor jeder Leistung und trotz unserer Schuld – so steht es in der Bibel. Gott hat uns geliebt, als wir noch Sünder waren und hat nicht gesagt: „Du musst dich zuerst bekehren und wenn du dann schon ein bisschen heilig bist, dann werde ich dich vielleicht lieben“, sondern er hat gesagt: „Ich liebe dich, und du wirst gut werden“. Das ist unser Zugang.

Auch das gehört dazu, wir reden auch über Schuld. Wir reden auch über Konflikte. Wir reden auch über das, was nicht in Ordnung ist und haben dann die Möglichkeit, wenn uns so etwas bewusst geworden ist, es zu deuten und in eine Feier hineinzuheben, nämlich in die Feier der Versöhnung, wo Gott sagt: „Ich vergebe dir“. Wo ich höre, dass ich geliebt bin. Manche Dinge muss man sich sagen lassen, die kann man sich nicht selbst sagen.
Diejenigen, die verheiratet sind, wären nicht verheiratet, hätten sie nicht irgendwann zum Partner gesagt: „Ich liebe dich“. Solange sie es sich nur denken, wird daraus nichts. Manche Dinge muss man sagen und muss man sich sagen lassen. Man muss sich sagen lassen: „Ich taufe dich“ und man muss sich sagen lassen: „Ich vergebe dir“. Es gilt einerseits, das zu hören und andererseits, es zu glauben.

Wir feiern also das Leben in allen seinen Dimensionen, mit den Schattenseiten und mit dem Glück. Wir feiern sogar das Leben über den Tod hinaus. Und das ist auch etwas, das unsere Religionsgemeinschaft aufzeichnet und heraushebt von anderen. Unser Leben wird in Gott hineinvollendet und muss nicht irgendwie wiedergeboren werden, um sich wieder zu plagen, wieder von vorne anzufangen. Manche trauen sich da einiges zu mit dieser Wiedergeburtslehre. Bei uns geht alles in ein letztes Glück hinein und wird noch vervielfacht an Lebensfreude und Lebenssinn. Unsere Feiern führen in ein letztes Glück, in ein letztes Licht hinein.
Das wird den Leuten immer gesagt, wenn wir unser „Regiebuch“ aufschlagen und sagen, warum wir zusammenkommen und warum wir feiern. Die Angabe des Feiergrundes ist in der Liturgie das Tagesgebet. Sollten Sie einmal nicht genau wissen, was wir feiern, dann ist die Kollekte – so hat das früher geheißen – das Tagesgebet das Gebet, das zusammenfasst, warum wir eigentlich da sind. In diesem Gebet sagt der Priester, was wir feiern. Z. B. zu Pfingsten: „Allmächtiger, ewiger Gott, durch das Geheimnis des heutigen Tages heiligst du deine Kirche in allen Völkern und Nationen“. Er vollbringt an seinem Volk Heiligung. Es heißt nicht: „Volk, du musst zuerst etwas leisten, du musst kreativ sein, du musst Ideen haben“, sondern er heiligt die Kirche in allen Völkern. Weiter heißt es: „Erfülle die ganze Welt mit den Gaben des Heiligen Geistes, und was deine Liebe am Anfang der  Kirche gewirkt hat, das wirke sie auch heute in den Herzen aller, die an dich glauben“. Das Geburtsfest der Kirche – Pfingsten – fängt also an, indem wir an die Liebeserklärung Gottes erinnert werden, die er uns am Anfang zugesprochen hat. „Was deine Liebe am Anfang gewirkt hat, das wirkt sie auch heute“. Wenn man mit diesem Programm in den Pfingsttag hineingeht, dann fängt die innere Gelassenheit schon an und die Freude an der Kreativität Gottes hört nicht auf.