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Unser Bischof zu Glaube und Leben

22.02.2011

Bischofsworte zu Glaube und Leben

Zusammenfassung des Vortrags von Diözesanbischof Dr. Alois Schwarz beim Begegnungstag “Glaube und Leben” im Diözesanhaus in Klagenfurt.

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Unser Bischof zu Glaube und Leben

 
 
 

Veröffentlicht von:

Internetredaktion/MF

Zusammenfassung des Vortrages von Bischof Dr. Alois Schwarz im Rahmen des Begegnungstages im Diözesanhaus am Mittwoch, 24. Februar 2010 zum Thema: „Glaube & Leben“

Nachdenken für Glaube & Leben beim Begegnungstag mit Bischof Alois Schwarz, © Foto: Internetredaktion - KH Kronawetter

Nachdenken für Glaube & Leben beim Begegnungstag mit Bischof Alois Schwarz (© Foto: Internetredaktion - KH Kronawetter)

Über den Glauben zu reden heißt zunächst einmal zu schauen, was für uns Glaube sein könnte. Ist „glauben“ so etwas wie „meinen“. Wenn jemand sagt: „Ich glaube, das Wetter wird heute schön“, dann ist das eher im Sinne von „meinen“. Umgangssprachlich wird „glauben“ häufig verwendet, um auszudrücken: Ich bin mir nicht ganz sicher – ich weiß es nicht genau. In diesem Fall sagen wir „glauben“. Dennoch gilt: Unser Wissen lebt vom Glauben. Die Vernunft kommt ohne den Glauben nicht aus. Wir wollen die Dinge nachprüfen, sind aber auch angewiesen auf das Zeugnis des anderen, auf sein Wort. Wenn eine Ärztin einen Therapievorschlag macht, oder wenn ein Kind Zahnschmerzen hat, oder wir jemanden nach einer Wegbeschreibung fragen, dann schenken wir Vertrauen. Wir schenken Vertrauen in das Wort, das wir hören. 

Die personale Dimension von Glauben

Beim Glauben geht es zunächst einmal weniger darum, was ich glaube, sondern wem ich etwas glaube. Beim Glauben ist die personale Dimension des Glaubens ganz wichtig. Ich sage: „Ich glaube dir“. Wenn wir aber etwas wissen wollen, dann müssen wir nachfragen. Wenn wir wissen wollen, was Sie beim Singen oder Meditieren erfahren haben, dann müssen wir diejenigen fragen, die gesungen und meditiert haben. Und dann merken wir: die einen sehen das so, die anderen sehen es anders. Wie sich ein Schmerz oder eine Freude für einen Menschen anfühlt können wir von außen nicht wahrnehmen. Was sich der andere dabei denkt, wenn er mir eine Rose schenkt oder was er dabei empfindet, muss ich ihm glauben, weil wir subjektive Erfahrungen eben nicht objektiv nachprüfen können. Ein solches Vertrauen kann ich einem anderen nur schenken. Es gibt keine letzte Sicherheit und keine Versicherung, die das Wagnis des Glaubens abdecken könnten.  Es kann sich in der Geschichte einer Beziehung immer mehr zeigen, dass die andere Person glaubwürdig ist - Freundschaft bewährt sich und Vertrauen kann wachsen. 

Glauben im religiösen Sinn bedeutet, auf die Existenz Gottes zu bauen

Wie ist das aber im Blick auf Gott? Glauben im religiösen Sinn bedeutet, auf die Existenz Gottes zu bauen, ihm Glauben zu schenken und zu sagen: „Ich glaube dir, Gott. Ich glaube Dir, Jesus. Ich glaube an die Kraft des Heiligen Geistes“. Religiöser Glaube meint also nicht – wie bisweilen unterstellt wird – die Unwahrscheinlichkeit für wahr zu halten oder je irrationaler etwas ist, umso mehr Glauben braucht man, sondern Glaube auf Gott hin heißt: Ich vertraue ihm. Ich lass mich auf das Abenteuer ein, mit Gott in eine Beziehung zu treten.

Als die Jünger mit Jesus auf dem See sind und der Sturm hereinbricht, sagt er zu ihnen, als sie so viel Angst haben: „Warum habt ihr keinen Glauben?“. Er hat nicht gefragt: „Warum habt ihr so viel Angst?“, sondern „Warum habt ihr keinen Glauben?“ (vgl. Mk 4,40). Der Glaube ist ein Abenteuer, wir müssen selbst springen, um das Vertrauen auszuloten. Der Akt des Glaubens ist bisweilen ein solcher Sprung, bei dem man den festen Boden der bekannten Sicherheit hinter sich lässt, um das Wunder des freien Falls oder das Aufgefangen-Werden am  eigenen Leib zu erleben. Glaube ist wie das Gehen über eine Brücke, die gerade erst Schritt für Schritt gebaut wird. Allein in dem Maß, in dem wir uns an Gott halten, können wir erfahren, dass Gott innerer Halt sein kann, dass ich mich an ihm anhalte. 

Abraham - eine Geschichte des Glaubens

Eine der bewegendsten Glaubensgeschichten ist die Geschichte Abrahams. Sie fängt damit an, dass die Welt sich nicht mehr versteht. Wie der Turm zu Babel gebaut wird und das große Chaos hereinbricht in einer Kommunikationslosigkeit – da fängt Gott mit einem wieder an. Er sagt zu einem Menschen, er soll vor sich hingehen. „Geh vor dich hin“ sagt er. „Zieh weg aus deinem Land, von deiner Verwandtschaft, aus deinem Vaterhaus in das Land, das ich dir geben werde. Ich werde dich zu einem großen Volk machen, dich segnen und deinen Namen groß machen. Ein Segen sollst du sein“ (Gen 12,1). Über Abraham gehen also die Sterne auf. Er entdeckt sozusagen den Sternenhimmel neu auf dieses Wort hin. Dann heißt es ganz lapidar: „Da zog Abraham weg, wie der Herr ihm gesagt hatte und mit ihm ging auch Lot“. Und überall, wo er hinkommt, baut er einen Altar. „Dann zog er immer weiter dem Negeb zu“. Abraham – ein Gott trauender Mensch. 

Abraham wird im Benedictus erwähnt, er wird im Magnificat genannt. Er ist der Freund Gottes. Der große, starke Glaubensträger ist aber auch Misstrauensträger. So nahe liegt das beieinander, Glaube und Misstrauen, Hoffnungsträger und Misstrauensträger zu sein. Er muss es lernen, mit seiner Frau wieder zu leben, die Wege Gottes zu gehen, sich auf Gott zu verlassen. Im Hebräischen würde man sagen: „Amen“. Das ist im Hebräischen das Wort für „sich fest machen, sich fest verankern“. Sich also in Gott verankern und sich da fest machen. In Gott einen Bezugspunkt haben, Gott allein als letzten Rückhalt haben. 

Glaube ist niemals folgenlos

An Gott zu glauben bedeutet immer, sich in ein neues Leben führen zu lassen. Der Glaube ist so etwas wie der Notenschlüssel und die Tonart vor der Melodie unseres Lebens. Je nachdem, welche Tonart wir angeben, so singen wir dann. Wenn am Beginn das Vorzeichen „Leben“ steht, „Freiheit“ steht, wenn vorne steht „Der Glaube führt dich in die Weite“, dann hat das Leben eine andere Perspektive. Für die Liebe, die Freiheit, die Schuld, die Sexualität, den Tod finden wir eine Deutung, wenn wir im Glauben an sie herangehen. Wenn die Welt viele Phänomene als Illusion abtut, wird sie selbst unglaubwürdig. Je mehr die unterschiedlichen Erfahrungsbereiche integriert werden, umso vernünftiger ist der Glaube. Also je mehr das Leben hineingenommen wird in unser Feststehen in Gott, umso freier werden wir, umso weiter werden unsere Horizonte, umso angstfreier gehen wir durch das Leben. 

Meine Einladung ist, dass wir uns fest halten an Gott, wie das vor uns schon viele gemacht haben. Vielleicht lesen Sie einmal das 11. Kapitel des Hebräerbriefes, dort heißt es: „Glaube aber ist: Feststehen in dem, was man erhofft, überzeugt sein von Dingen, die man nicht sieht. Aufgrund dieses Glaubens haben die Alten ein ruhmvolles Zeugnis erhalten. Aufgrund des Glaubens erkennen wir, dass die Welt durch Gottes Wort erschaffen worden und dass so aus dem Unsichtbaren das Sichtbare entstanden ist. Aufgrund des Glaubens brachte Abel Gott ein besseres Opfer dar als Kain…Aufgrund des Glaubens wurde Henoch entrückt und musste nicht sterben. Aufgrund des Glaubens gehorchte Abraham. Aufgrund des Glaubens wohnten Isaak und Jakob als Miterben der Verheißung in den Zelten. Aufgrund des Glaubens empfing selbst Sarah die Kraft, trotz ihres Alters noch Mutter zu werden. Aufgrund des Glaubens brachte Abraham den Issak dar…(Heb 11,1-12).  Es ist eine einzige Glaubensmelodie. Man würde gar nicht glauben, dass das der Paulus-Stil ist. Es ist eher der Stil der Philosophen der damaligen Zeit, wie hier der Glaube geschildert wird in den großen Gestalten.

Glaube entzündet sich immer am Glauben

Aufgrund des Glaubens der anderen glaube ich. Glaube entzündet sich immer am Glauben und Glaube ist letztlich nie machbar oder organisierbar. Wir können vieles machen. Aber dann kommt so der Einfall oder das Urvertrauen und plötzlich kann man sagen: „Ich darf glauben“. Es ist eine Gnade, glauben zu können. Es ist ein Geschenk, glauben zu können. Wenn wir einander von unserem Leben erzählen und von unserem Glauben, dann kann es passieren, dass sich daran der Glaube entzündet. Deshalb ist es so wichtig, vom Glauben im Leben zu reden.