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Vom besonderen Klang der Marienorgel, © Foto: kronawetter

28.09.2017

Keine Angst vor moderner Musik!

Peter Planyavsky, international anerkannter Organist und Komponist, dirigiert am 1. Oktober die Uraufführung seines jüngsten Werkes im Klagenfurter Dom. Mit dem SONNTAG spricht er über den besonderen Klang der Marienorgel, zeitgenössische Musik und seine enge Beziehung zu Kärnten.

EINLEITUNG

28.09.2017

Uraufführung am 1. Oktober 2017

Probe im Dom zu Klagenfurt. Konzert für (Marien)Orgel und Orchester. Es spielt das Orchester der Dommusik Klagenfurt, an der Orgel Klaus Kuchling, am Pult Peter Planyavsky.

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Donnerstag

28.09.2017

Vom besonderen Klang der Marienorgel

 
 
 

Veröffentlicht von:

Kärntner Kirchenzeitung - "Der Sonntag" / GerHe

Der bekannte Organist und Komponist Peter Planyavsky im SONNTAG-Intervew

Peter Planyavsky über seine Uraufführung im Klagenfurter Dom, moderne Orgelmusik, die Klagenfurter Marienorgel, Lieblingskomponisten und das Kärntner Lied.

Komponist und Organist Peter Planyavsky, © Foto musicaustria

Komponist und Organist Peter Planyavsky (© Foto: musicaustria)

Am 1. Oktober um 16 Uhr kommt im Rahmen des großen Konzertes der Dommusik im Klagenfurter Dom Ihr Konzert für Orgel und Orchester zur Uraufführung – was erwartet uns?
Planyavsky: Einerseits ist es ein Stück zeitgenössischer Musik, es ist aber nicht Avantgarde. Es ist ein Instrumentalkonzert in drei Sätzen, und ich habe alle Möglichkeiten der wunderbaren Marienorgel ausgenützt. Orgel und Orchester spielen partnerschaftlich auf gleicher Augenhöhe. Da hoffe ich, dass das 23 Minuten gute Unterhaltung sein werden. Man muss sich nicht fürchten!

Was ist das Besondere an der Marienorgel in Klagenfurt?
Planyavsky: Das Stück ist ein Kompositionsauftrag aus Anlass der neuen Orgel. Es ist für mich besonders schön, im Klagenfurter Dom mit Klaus Kuchling und Thomas Wasserfaller solche Projekte umzusetzen. Es geht nur mit der großen neuen Marienorgel im Chor, dass man solche Stücke mit großem Orchester umsetzt. Das ist in anderen Kirchen wesentlich schwieriger. Man kann mit der Marienorgel Dinge machen, die mit der Orgel auf der Empore nicht so gut gehen würden. Daher ist es ein Glück, dass es diese Orgel gibt.

Beim Konzert kommt auch das „Te Deum“ von Anton Bruckner zur Aufführung. Bruckner ist ein bedeutender Komponist für die Kirchenmusik. Wie ist Ihre Beziehung zum Werk Bruckners?
Planyavsky: Ich war lange Zeit als Domkapellmeister in Wien tätig und habe die großen Messen Bruckners dirigiert. Als junger Mensch hatte ich sozusagen eine lange Bruckner-Phase mit seinen Symphonien. Er steht mir also schon sehr nahe. Ich würde ihn aber nicht als meinen Lieblingskomponisten bezeichnen. Besonders fasziniert mich seine Persönlichkeit. Dieser bäuerliche, im besten Sinne simple Mensch, der diese großen Symphonien geschrieben hat. Im Grunde war er eine merkwürdige, verschrobene Person.

Ich denke, es geht vielen so, dass sie von der Musik Bruckners beeindruckt sind, ihn aber nicht gerade als Lieblingskomponisten bezeichnen würden.
Planyavsky: Seine Musik ist schon eine eigene Welt. Er lebte ja auch eine ganz eigene Frömmigkeit. So hat er jeden Tag genau aufgezeichnet, wie viele „Gegrüßet seist du Maria“ er gebetet hat. Er machte wirklich Strichlisten für seine Gebete …

Wenn es also nicht Bruckner ist: Wer ist Ihr Lieblingskomponist – oder gibt es mehrere Lieblingskomponisten?
Planyavsky: Das ist sehr schwierig zu beantworten, denn es gibt so viele verschiedene Stile. Auf der Orgel mag ich César Franck sehr gerne. Eigentlich gehört Franz Schmidt zu meinen Favoriten. Aus der Barockzeit ist es Georg Böhm, der weniger bekannt ist.

Bach gehört nicht dazu?
Planyavsky: Bach ist sozusagen ein Urgrund der Musik. Natürlich spielt man Bach und er fasziniert mich. Aber emotioneller sind Franck und Schmidt.

Als Komponist sind Sie Bach aber sehr nahe gewesen. Sie haben ihn ja unter dem Pseudonym „P.P. Bach“ mehrfach parodiert.
Planyavsky: Das ist eine Parodie, mit der ich an die Kantaten anschließe. Insofern ist mir Bach natürlich vertraut und steht mir schon nahe. Das Phänomen der Parodie ist in Österreich nicht so verbreitet, aber international durchaus. Mein großes Vorbild dafür ist der Amerikaner Peter Schickele, der als „P.D.Q. Bach“ schon vor Jahrzehnten große Bach- und Händel-Parodien schrieb. Für eine gute Parodie muss man die Musik schon gut verstehen, damit es stimmig wird.

Wenn wir wieder an Bruckner denken: Wie eng liegen Musik und Glaube beisammen?
Planyavsky: Das kann man nicht so einfach beantworten. Bei Bruckner ist es klar, aber schon Schubert sagte man nach, er sei nicht sehr fromm, und bei Mozart ist es genauso. Ich antworte am liebsten mit einem Beispiel aus einem anderen Bereich: Wenn ein Dirigent die Oper „Hänsel und Gretel“ richtig dirigieren will, dann muss er das Märchen kennen und wissen, was eine Hexe ist. Er muss aber nicht an Hexen glauben. Es geht also um einen professionellen Zugang, der nichts damit zu tun hat, ob man selbst gläubig ist.

Das ist einmal die aktive Seite, da geht es um Professionalität. Aber glauben Sie nicht auch, dass man Menschen durch Musik den Glauben näher bringen kann?
Planyavsky: Ja, sicher kann man das. Es gibt viele Beispiele dafür. Ich selbst habe einmal eine Passion komponiert, was mich innerlich sehr mitgenommen hat. Grundsätzlich würde ich aber sagen, ist es eine Frage der Emotion. Wer kann sich schon dem Faszinosum entziehen, wenn es heißt: In der dritten Stunde verfinsterte sich die Erde. Da ist man ergriffen. Man spürt das Transzendente.

Sie hatten schon öfter im Klagenfurter Dom Aufführungen Ihrer Werke. Wie ist Ihre Beziehung zu Kärnten?
Planyavsky: Die ist sehr innig. Ich bin seit 56 Jahren jedes Jahr in Kärnten auf Urlaub. Meine zweite Heimat ist sozusagen das Gailtal. Der Klagenfurter Domorganist Klaus Kuchling war in Wien mein Assistent auf der Musik-Universität und hat dort unterrichtet. Es ist also eine lange und enge Beziehung.

Da wurden Sie ja auch mit dem Kärntner Liedgut konfrontiert …
Planyavsky: Aber selbstverständlich! Derzeit passt wohl am besten: „Is schon still uman See“. Ich finde, es ist schön, dass es in Kärnten diese Tradition gibt. Man sagt ja: Egal, was passiert, singen werden die Kärntner immer. Das ist zwar ein Klischee, aber es steckt schon ein Körnchen Wahrheit dahinter. Ebenso hinter dem Spruch, dass ein paar Kärntner schon einen Chor ausmachen.