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Unser tägliches Brot gib uns heute, © Foto: Haab

12.05.2011

Unser tägliches Brot

„Die vierte Vater-Unser-Bitte ist eine Ermutigung und Herausforderung für ein nachhaltiges   Leben und Wirtschaften“, sagt Bischof Alois Schwarz.

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Donnerstag

12.05.2011

Unser tägliches Brot gib uns heute

 
 
 

Veröffentlicht von:

Kärntner Kirchenzeitung - "Der Sonntag" / GH

Lebensmittel als Spekulationsobjekt?

Der 9. Finance&Ethics-Kongress in St. Georgen am Längsee beleuchtete den Umgang der Gesellschaft mit Lebensmitteln.

Eine klare Absage erteilte der Münchner Volkswirtschaftsprofessor Karl-Heinz Brodbeck jeder Spekulation mit Lebensmitteln. Spekulanten würden die ohnehin steigenden Lebensmittelpreise weiter in die Höhe treiben. Damit würden sie „wissentlich und voller Absicht das Leben zahlloser Menschen auf´s Spiel setzen“. Die Wurzel dieser Fehlentwicklung sei die Meinung, „alles sei kaufbar“. Sein Fazit: Gerade im Lebensmittelsektor ist die Katastrophe vorhersehbar: „Unsere Agrarindustrie basiert ausschließlich auf Erdöl – also einer knapper werdenden Ressource.“

Für ein „neues Verständnis von Nachhaltigkeit“ sprach sich Diözesanbischof Alois Schwarz in seinem Vortrag zum Thema „Unser tägliches Brot gib uns heute. Die Vaterunser-Bitte als Ermutigung und Herausforderung für ein nachhaltiges Leben und Wirtschaften“ aus. In diesem Zusammenhang wies er auch auf die Vorbildfunktion der Kirche als „Nachhaltigkeitsagentur“ hin.
„Die vierte Vaterunser-Bitte wird gemeinhin als Bitte um die alltägliche, existenznotwendige Nahrung verstanden“, sagte der Bischof, verwies aber gleichzeitig auf Papst Benedikt XVI., der immer wieder auch die zweite Dimension der Vaterunser-Bitte, nämlich als „Bitte um das wahrhaft zukünftige Brot, also das Brot für ewiges Leben“ betont.
Verantwortung füreinander
„Wir werden von Gott als Liebhaber des Lebens gemahnt, schon jetzt aus dem Morgigen zu leben, aus der Liebe Gottes, die uns alle in Verantwortung füreinander ruft“, so der Kärntner Bischof. „Christen tragen Verantwortung füreinander in der ganzen Welt im Jetzt und für das Morgen.“ Dies käme besonders auch darin zum Ausdruck, dass „die vierte Vaterunser-Bitte den Betenden nicht für sein, sondern für unser tägliches Brot bitten und mitsorgen lässt“.
Dieses Grundprinzip des Gemeinwohls sei in der Katholischen Soziallehre begründet und verankert. „Ein Nachhaltigkeitskonzept ohne Beachtung des grundlegenden und kritischen Prinzips des Gemeinwohls und dem damit immer verbundenen theologischen Ausblick auf die Glückseligkeit in Gott ist nicht ausreichend und nicht glaubwürdig“, sagte Bischof Schwarz.
Prinzip Gemeinwohl
Angesichts der drei großen miteinander zusammenhängenden Herausforderungen unserer Zeit, der Klima-, Nahrungsmittel- und Finanzmarktkrise, werde die Notwendigkeit des Prinzips „Gemeinwohl“ noch einmal verdeutlicht: „Das Dilemma des trivial gewordenen neuzeitlichen Selbstbewusstseins, alles selbst machen zu wollen oder zu müssen, treibt offensichtlich in eine permanente Überforderung, verbunden mit einer Selbstvertrauenskrise, die für sich alles zu erwarten und zu fordern meint.“ Der Bischof verwies in diesem Zusammenhang auch auf die Folgen des „ständigen rücksichtslosen Wachstumszwanges“ auf das Wirtschafts- und Ökosystem.
Mit Blick auf die Prinzipien „Gemeinwohl“ und „Nachhaltigkeit“ spiele der Begriff „Schöpfungsgerechtigkeit“ eine zentrale Rolle. Dieser erweitere das klassische Gerechtigkeitskonzept auf drei Ebenen: „Die sachliche – bezogen auf die grundlegenden Umweltgüter –, die zeitliche – mit Blick auf die Folgen für die nachfolgenden Generationen und die Chancengleichheit innerhalb der Generationenfolge – und die Ebene der Adressaten – nicht nur auf Menschen, sondern auch auf den artgerechten Umgang mit Tieren, Pflanzen und der gesamten anorganischen Wirklichkeit bezogen“. Somit bedeute Schöpfungsgerechtigkeit Lebensraumgerechtigkeit und Lebewesengerechtigkeit. Wenn wir „leben, was wir beten, können wir die Welt nachhaltig verändern“, ermutigte Bischof Schwarz.

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