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Uns tragen lassen von der Hoffnung der Auferstehung, © Foto: Spielmann

27.03.2018

Die Hoffnung der Auferstehung

Der Innsbrucker Neutestamentler P. Martin Hasitschka SJ im SONNTAG-Interview über die Auferstehungsbotschaft der Bibel und was sie für uns bedeutet

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Dienstag

27.03.2018

Uns tragen lassen von der Hoffnung der Auferstehung

 
 
 

Veröffentlicht von:

Kärntner Kirchenzeitung - "Der Sonntag" / GEH

P. Martin Hasitschka SJ im "Sonntags"-Gespräch

© Foto Spielmann

(© Foto: Spielmann)

Einer, der von den Toten aufersteht: Eigentlich ist damit nichts mehr, wie es vorher war.
Hasitschka: Schon vor der Auferstehung Jesu gab es im Volk Israel ansatzweise Hoffnung auf Auferstehung der Toten. Auf unterschiedliche Weise und bei manchen Gruppen des Volkes. Mit seiner Frohbotschaft von Gott stärkt Jesus die Hoffnung auf Auferstehung, die ihn auch selbst erfüllt. Seit Ostern hat diese Hoffnung aber ein sicheres Fundament. Der am Kreuz getötete Jesus ist wirklich von den Toten auferstanden. Im Blick auf ihn haben wir eine einzigartige und sichere Hoffnung. Auch uns wird Gott aus dem Tod retten. Mit dieser Hoffnung verbindet sich ein neuer Blick auf unsere Lebensumstände und die Ereignisse in der Welt. Wir sehen alles im Osterlicht, im Licht Christi.

Worin besteht die Kernbotschaft des Osterfestes?
Hasitschka: Das älteste Osterbekenntnis im Neuen Testament finden wir im Brief, den Paulus im Jahr 50 an seine Gemeinde in Thessalonich schreibt. In dieser Gemeinde gibt es bereits einige Todesfälle. Paulus tröstet so: „Brüder und Schwestern, wir wollen euch über die Entschlafenen nicht in Unkenntnis lassen, damit ihr nicht trauert wie die anderen, die keine Hoffnung haben. Denn wenn wir glauben, dass Jesus gestorben und auferstanden ist, so wird Gott die Entschlafenen durch Jesus in die Gemeinschaft mit ihm führen“ (1 Thess 4,13-14). Mit den anderen, die keine Hoffnung haben, sind Menschen in der heidnischen Umwelt gemeint, in der es im Grunde keine Hoffnung auf Auferstehung gibt. Im religiösen Pluralismus der Umwelt gibt es zwar manche Auffassungen vom Jenseits und von einem den Tod überdauernden Leben, doch diese sind unterschiedlich und letztlich nur mythologisch. Die sichere Hoffnung auf Unsterblichkeit und ein Leben über den Tod hinaus wird erst im Christentum klar bezeugt. Die tröstenden Worte des Paulus führen auch zur Überzeugung, dass die Verstorbenen zur Gemeinschaft mit Jesus gelangen.

Neben dieser Frohen Botschaft gibt es aber auch Worte, die irritieren, wie z. B. dass Christus „durch Leiden Gehorsam gelernt“ hat. Müssen wir nun fürchten, durch die gleiche „Schule“ zu gehen?
Hasitschka: Der Hebräerbrief motiviert uns dazu, in allen Situationen und auch im Leid an Jesus festzuhalten. Er wird uns als der mitfühlende Hohepriester vor Augen gestellt, der in allem uns gleich geworden ist. Er hat wie wir auch Leid erfahren, ja sogar äußerste Gewalt, die andere ihm angetan haben. Er ist jedoch nicht schwach geworden im Vertrauen auf Gott und im Hören auf ihn. „Gehorsam“ kommt von „hören“. Er hat auch in der Extremsituation der Passion zu Gott gebetet. Er war überzeugt, dass Gott ihn aus dem Tod retten kann. Und er ist „erhört“ worden. Als der Auferstandene engagiert er sich für uns bei Gott, und ist er „fester Anker“ für unsere Hoffnung auf Auferstehung.

Der Hebräerbrief sagt auch, dass es seit Christus keine Opfer mehr gibt, dass Gott also keine Opfer von uns erwartet.
Hasitschka: Im Sinne des Hebräerbriefes bedeutet Jesu Lebenshingabe, dass die im Gottesdienst im Tempel dargebrachten Opfer „ein für alle Mal“ zu Ende sind. Den Fachausdruck für „Opfer“ gibt es für uns – wie am Schluss des Hebräerbriefes betont wird – nur noch in zweifacher Weise, nämlich bei dem „Opfer des Lobes“, das wir Gott darbringen im dankbaren Blick auf Jesus verbunden mit dem Opfer der Wohltätigkeit – „Gutes tun“ – und Gemeinschaft. „An solchen Opfern hat Gott Gefallen.“

Es heißt oft, dass die Auferstehung das Ja des Vaters zum Sohn ist: Was hat der Sohn getan, das der Vater damit bestätigt? Was bedeutet das für uns und unser Tun?
Hasitschka: „Niemand hat Gott je gesehen“ (Joh 1,18). Er „wohnt in unzugänglichem Licht“, und kein Mensch kann ihn sehen (1 Tim 6,16). Jesus bringt uns jedoch Kunde von Gott. Wie kein Mensch sonst auf unserer Erde lebt er in einer einzigartigen Beziehung zu Gott. Deswegen kann er uns zuverlässig verkünden und mitteilen, wer Gott wirklich ist. Er vermittelt uns ein neues, ein revolutionär neues Verständnis von Gott. In ihm ereignet sich in unüberbietbarer Weise eine „Selbstmitteilung“ Gottes, wie Karl Rahner es ausdrückt. Religiöse Autoritäten im Volk empfinden Jesu Botschaft aber auch als Provokation. Sie lehnen ihn ab und verurteilen ihn schließlich wegen Gotteslästerung zum Tod. Jesus gibt Zeugnis für Gott bis zum Äußersten. Er gibt sein Leben hin als Zeuge, als Märtyrer. Durch seine Auferstehung wird er aber von Gott bestätigt.
Wir werden dazu motiviert, uns mit aller Konsequenz auf das glaubwürdige Zeugnis Jesu von Gott einzulassen und uns selbst als Zeugen und Zeuginnen für Jesus zu engagieren.

... worin uns die 50-tägige Osterfestzeit und auch die Feier eines jeden Sonntags bestärken möchten.
Hasitschka: Im Volk Israel hat der Sabbat, der siebente Tag der Woche, große Bedeutung. Für die Christen wird der darauffolgende achte Tag, der erste Tag der neuen Woche, zum Datum für ein wiederholtes Gedenken und besonderes Feiern. Es ist der Tag der Auffindung des leeren Grabes. Es ist der Tag, der der Erinnerung an die Auferweckung Jesu gewidmet ist. Es ist der „Herrentag“, an dem die Christen sich zur Feier des „Herrenmahles“ versammeln. Aus dieser Feier ist später unsere Eucharistiefeier geworden. Die Erinnerung an Ostern lebt bis heute fort in der Feier des Sonntags.

Die Evangelien berichten, wie der Auferstandene seinen Jüngern vielfältig erscheint. Aber wieso erkennt Maria Magdalena ihn nicht, ebenso die Emmaus-Jünger oder die Jünger im Boot am See Tiberias?
Hasitschka: Diese Erscheinungsberichte geben uns zu verstehen, dass die Auferstehung nicht eine Rückkehr ins irdische Leben ist. Der Auferstandene ist zwar kein anderer als Jesus von Nazaret, aber seine Leiblichkeit lässt sich nicht mehr einordnen in unsere irdischen Gegebenheiten von Zeit und Raum und Materie. Alle Erscheinungsberichte heben jedoch hervor, dass der Auferstandene die Initiative ergreift und sich zu erkennen gibt. Maria erkennt ihn an der Art, wie er ihren Namen ausspricht. Die Emmaus-Jünger erkennen ihn an der Art, wie er das Brot bricht. Den Jüngern am See Tiberias bereitet der Auferstandene ein Mahl mit Brot und Fisch. Da erkennen sie, dass es Jesus ist, der auf gleiche Weise in seinem irdischen Leben Brot und Fisch an die Volksmenge ausgeteilt hat. Ostererfahrungen setzen sich fort. Sie beruhen auch für uns letztlich darauf, dass vom Auferstandenen eine Initiative ausgeht und dass er sich uns zu erkennen gibt. Ahnungen davon werden uns in unterschiedlicher Weise z. B. im Gebet geschenkt oder bei Gottesdiensten oder in besonderen Lebenssituationen.

Ihr Oster-Wunsch für unsere Leserinnen und Leser?
Hasitschka: Es ist das, was ich auch mir selber wünsche, nämlich dass wir uns leiten und tragen lassen von der wunderbaren Zusage, die der auferstandene Jesus bei seiner Erscheinung vor den Jüngern am Berg in Galiläa ihnen und uns allen gibt: „Ich bin mit euch alle Tage bis zur Vollendung der Welt“ (Mt 28,20).

 

Zur Person:

Univ.-Prof. Dr. Martin Hasitschka SJ, geb. 1943 in Schlad-ming, studierte zunächst Elektrotechnik. 1964 trat er in den Jesuitenorden ein. Nach seiner Priesterweihe 1972 war er zu-erst als Seelsorger und geistlicher Begleiter tätig, dann als Universitätsassistent. Habilitation 1987, 1992 Universitäts-Professor für Neutestamentliche Bibelwissenschaft. Martin Hasitschka war bis zu seiner Emeritierung 2011 Vorstand des Instituts für Bibelwissenschaften und Fundamentaltheologie der Theologischen Fakultät der Universität Innsbruck.