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Papst Franziskus und sein mutiger Weg, © Foto: kk

04.03.2016

Franziskus – ein Jahrhundertpapst

Der Vatikan-Experte Andreas Englisch im SONNTAG-Gespräch über die Herausforderungen von Papst Franziskus, seine Gegner im Vatikan und warum es noch nie so schwer war, einen Papst aus dem Weg zu räumen.

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Freitag

04.03.2016

Papst Franziskus und sein mutiger Weg

 
 
 

Veröffentlicht von:

Kärntner Kirchenzeitung - "Der Sonntag" / GH

Vatikan-Experte Andreas Englisch im SONNTAG-Gespräch

Der bekannteste deutschsprachige Vatikan-Experte analysiert die derzeitige Lage im Machtzentrum der katholischen Kirche.

Vatikan-Experte Andreas Englisch, © Foto Sonntagsblatt

Vatikan-Experte Andreas Englisch (© Foto: Sonntagsblatt)

Wie stellt sich die Lage im Vatikan dar?
Englisch: Die Lage ist hochdramatisch. Das Heilige Jahr der Barmherzigkeit hat begonnen, und der Papst macht jetzt wirklich ernst. Es gibt große Widerstände dagegen, dass diese „alte“ Kirche wirklich abgeschafft wird. Deshalb ist der Kampf auch so dramatisch. Der Papst sagt, die katholische Kirche hat sich in den vergangenen Jahrhunderten um alles Mögliche gekümmert, sie hat ihre Paläste gebaut, und sie hat Kriege geführt, aber sie hat sich selten um die Botschaft von Jesus von Nazareth gekümmert. Das ändert sich jetzt. Dagegen, dass Papst Franziskus diese alte, von Italienern geprägte Kirche jetzt vollkommen umbauen will, regen sich natürlich sehr sehr große Widerstände.

Wohin will Papst Franziskus, was ist sein Ziel?
Englisch: Er will eine glaubwürdige katholische Kirche. Er will, dass Schluss damit ist, dass die Kirche Wasser predigt und Wein trinkt. Er sagt, die Kirche habe lange genug so getan, als sei sie etwas Besseres, als würden die Bischöfe und die Priester über dem Gesetz stehen. Lange genug sei in großen Wohnungen gelebt und mit dicken Autos gefahren worden. All das hat Christus, der sich geweigert hat, auch nur Sandalen zu tragen, nicht gewollt. Jetzt muss die Kirche für Franziskus endlich glaubwürdig werden, sonst laufen ihr die Menschen weg.

Wie groß und wie mächtig ist die Front gegen den Papst im Vatikan?
Englisch: Ich denke, dass ungefähr 80 Prozent der Kardinäle gegen ihn sind.

Wovor haben die Kritiker am meisten Angst?
Englisch: Die katholische Kirche war über 1000 Jahre davon geprägt, dass die in Italien lebenden Bischöfe und Kardinäle einfach immer zum Papst befördert wurden. Das war über Jahrhunderte so. Und jetzt kommt ein Mann aus Argentinien, der sagt, das geht so nicht weiter. Der sagt, wir sind eine globale Kirche geworden, in der Menschen aus Amerika und Asien gleich wichtig sind, wie ihr, die ihr über Jahrhunderte geglaubt habt, ihr könnt den Laden allein führen. Das führt natürlich zu ganz erheblichen Existenzängsten. Viele Leute befürchten, dass Franziskus die Kirche vollständig umbaut. Und genau das geschieht derzeit. Das Kardinalskollegium ist viel internationaler geworden, was unter anderem dazu führt, dass die Europäer viel weniger zu sagen haben.

Wie bekommt der Papst die Feindseligkeiten zu spüren?
Englisch: Das lässt sich kaum übersehen. Es gibt ganz klare Kritiker, die keinen Hehl daraus machen. Kardinal Raymond Burke beispielsweise hat offen gesagt, die Kirche sei führungslos. Die anderen Kritiker sagen vor allem eines: Franziskus ist zum Papst gewählt worden und hat das Recht, die Kirche von heute zu verändern. Aber er verändert nicht nur die Kirche von heute, sondern auch die Kirche von morgen. Papst Franziskus wohnt bekanntlich im Gästehaus der heiligen Martha. Wie soll denn jemals wieder jemand in den Apostolischen Palast ziehen können, ohne sich dem Vorwurf auszusetzen, er sei unbescheiden? Also werfen die Kritiker dem Papst vor, er mache einen Eingriff, von dem sich die katholische Kirche in den kommenden Jahrhunderten nicht mehr erholen wird.

Wohin wird diese interne Auseinandersetzung noch führen?
Englisch: Ich glaube, dass der Papst das durchstehen wird. Er wird meines Erachtens hart bleiben und sagen, wir müssen diesen Kurs fahren, sonst laufen uns die Leute weg – und wir haben es dann auch nicht besser verdient.

Wird der Papst die Kraft haben, diesen Weg weiterzugehen?
Englisch: Er hätte wohl nicht die deutliche Entscheidung gefällt, ein Jahr der Barmherzigkeit auszurufen, wenn er nicht der Meinung wäre, dass er das auch durchsteht. Das kostet ihn natürlich sehr viel Kraft, und er weiß auch, dass das kein Spaziergang wird. Auf der anderen Seite weiß er, dass es offensichtlich keine Alternative dazu gibt. Ich glaube, dass er das kräftemäßig durchstehen wird.

Die von Ihnen beschriebenen Machtkämpfe lesen sich wie ein Thriller. Muss Papst Franziskus um sein Leben fürchten?
Englisch: Diese Frage wird mir sehr oft gestellt. Ich glaube, es war noch nie so schwer, einen Papst aus dem Weg zu räumen. Schlicht und einfach deswegen, weil er sich immer in öffentlichen Räumen aufhält. Er ist ja nie irgendwo allein, wie das früher der Fall war. Früher haben die Päpste in ihrer Wohnung gewohnt und waren da auch wirklich völlig abgeschottet. Dieser Papst wohnt im Gästehaus. Ihn aus dem Weg zu räumen halte ich für völlig unmöglich, da müsste man schon ein Massaker anrichten.

Wie groß ist der Rückhalt für diesen Papst?
Englisch: Sieht man die Menschen auf dem Petersplatz und bei den  Generalaudienzen, wird klar, dass sehr viele Menschen diesen Papst verehren. Ich habe eine solche Begeisterung für einen Papst zum letzten Mal bei den großen Audienzen von Papst Johannes Paul II. erlebt. Die ganz normalen Menschen sind auf jeden Fall auf seiner Seite und sind auch der Meinung, dass diese Kirche reformiert werden muss.

Was bewundern Sie am Papst?
Englisch: Ich finde es großartig, dass jemand den Mut aufbringt und versucht, die doch stark verkrustete alte katholische Kirche, die so unbeweglich schien, umzukrempeln. Wenn mir einmal jemand gesagt hätte, es wird ein Papst kommen, der den Mut hat, zu sagen, wir müssen aufhören, eine autoritäre, selbstverliebte, arrogante Kirche zu sein, hätte ich das nicht für möglich gehalten.

Sie haben bereits Papst Johannes Paul II. als einen Jahrhundertpapst bezeichnet. Ist Papst Franziskus jetzt wieder ein Jahrhundertpapst?
Englisch: Ja, das glaube ich schon. Nach dem Zwischenspiel mit Benedikt XVI., der ein theologisch geprägter Papst war, ist das wieder ein Papst, der Geschichte schreiben wird. Ich glaube, wir werden in den Geschichtsbüchern einmal seinen Namen lesen, weil mit ihm wirklich so etwas wie ein neues Zeitalter für die katholische Kirche angebrochen ist.