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Gemeinschaft, Freude, Kammermusik, © Foto: KH Kronawetter / Internetredaktion

19.07.2017

Wert des gemeinsamen Musizierens

Der Gitarrist und Musikpädagoge über spielerisches Lernen, fruchtbares Miteinander und den Wert gemeinsamen Musizierens

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Mittwoch

19.07.2017

Gemeinschaft, Freude, Kammermusik

 
 
 

Veröffentlicht von:

Kärntner Kirchenzeitung - "Der Sonntag" / GEH

Janez Gregorič im "Sonntag"-Gespräch

Der Gitarrist und Musikpädagoge über spielerisches Lernen, fruchtbares Miteinander und den Wert gemeinsamen Musizierens

© Foto Ferdinand Neumüller

(© Foto: Ferdinand Neumüller)

Sonus – eine Kammermusik-Werkstatt. Was bedeutet diese Wortkombination?
Gregorič: Kammermusik ist Musik in verschiedenen kleineren Besetzungen, ab zwei oder eigentlich drei Instrumenten, also nicht im großen Orchester. Und Werkstatt bedeutet, dass man nicht nur gemeinsam spielt, sondern die Musik auch gemeinsam erarbeitet.

Wie können wir uns eine solche Werkstattarbeit vorstellen?
Gregorič: Unser Konzept ist es, dass Musik direkt in dieser Woche entsteht. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bekommen die Noten bei ihrer Ankunft. Das breitgefächerte Musiker-Team holt jeden dort ab, wo er steht. Dann wird in den verschiedensten Konstellationen geprobt, es gibt Einzel- und gemeinsamen Unterricht, und am Ende wird das Erarbeitete in einem großen Schlusskonzert im Kultursaal Bleiburg der Öffentlichkeit vorgestellt.

Das klingt sehr anspruchsvoll, aber die Einladung zur Werkstatt richtet sich ja eigentlich an junge Hobbymusiker ...
Gregorič: Wir machen keinen Meisterkurs, davon gibt es genug. Wir schwimmen aber auch nicht dilettantisch dahin. Innerhalb einer Woche entsteht Musik, die sich durchaus zeigen kann, und bei der jeder das Gefühl hat: Ich habe etwas dazu beigetragen, und ich habe mich dafür auch angestrengt – nicht qualvoll und demütigend, sondern mit spielerischer Freude. Wichtig ist, dass alle gefordert und gefördert werden, aber dass niemand überfordert wird. Ich stelle immer wieder fest: Wenn jemand auch nur minimal überfordert wird, ist das Erste, was abschaltet, das Ohr. Und Musizieren, ohne zu hören, geht nicht. Manche haben Bedenken, dass sie nicht gut genug sind. Aber es geht uns ja nicht darum, große Meister hervorzubringen, sondern die Faszination, Musik zu machen und anderen zuzuhören, weiterzugeben. Das hebt aus dem Alltag heraus im wahrsten Sinne des Worte.

Wer teilnimmt, kann seine musikalischen Fähigkeiten ausbauen, aber lernt gleichzeitig, auch auf andere zu hören und gemeinsam zu musizieren?
Gregorič: Wenn man eine Woche zusammen lebt und arbeitet, bekommt man nicht nur musikalisch, sondern auch in sozialer Hinsicht sehr viel mit. Im Werkhof hat sich das ergeben, wovon ich jahrelang geträumt habe: Es ist ein Ambiente, das für sich abgeschlossen ist. Aber die Woche hat einen familiären Charakter, den wir beibehalten und weiterentwickeln. Es ist etwas ganz Besonderes, wenn ganz kleine Musiker mit erfahrenen zusammen musizieren und dann beim Abschlusskonzert gemeinsam auftreten.

Sie haben 2006 mit Sonus begonnen, mittlerweile ist es also schon die 12. Musikwerkstatt. Welche Entwicklungen sehen Sie?
Gregorič: Viele kommen gerne und melden sich immer wieder an. Manche von ihnen studieren mittlerweile Musik, einige schließen ihr Studium schon ab. Vielleicht wäre die Musik für die eine oder den anderen ohne Sonus nicht so wesentlich geworden. Wenn jemand mit 10 Jahren zu Sonus kommt und in der Woche vier Konzerte unmittelbar miterlebt – das Eröffnungskonzert mit Vernissage, das Gastkonzert im Museum Liaunig, die Generalprobe und das Abschlusskonzert –, der hat intensiv Musik erlebt, und das auf einem sehr schönen und hohem Niveau. Das ist nicht selbstverständlich. Was uns die auftretenden Musiker immer wieder sagen: Dass so viele junge Menschen so konzentriert im Publikum sind, ist außergewöhnlich. Auch das ist eine Frucht der
Woche.

Das Miteinander von jungen Menschen und Berufsmusikern trägt dazu sicherlich viel bei: Sie lernen sich kennen, lernen voneinander, sehen neue Perspektiven ...
Gregorič: Es ist nicht nur das Musizieren; man hat die Mahlzeiten gemeinsam,  die Freizeit ... Wie wir es auch in unserem Leitbild formuliert haben: Sonus möchte damit jungen Musikerinnen und Musikern, Musikstudentinnen und -studenten aus Kärnten, den anderen Bundesländern, aus Slowenien und Italien einen Rahmen für das gemeinsame Erlernen und Konzertieren von Kammermusik eröffnen.

Es ist fast so, dass über das Vehikel der hochkarätigen Musik, die gemacht wird, noch etwas anderes Wertvolles zu den Teilnehmen kommt: nämlich ein Miteinander über Sprach- und Landesgrenzen hinweg.
Gregorič: Meine Intention war immer: Wenn ich etwas im zweisprachigen Gebiet tue, mache ich es zweisprachig. Auch wenn der Aufwand immer um einiges höher ist: In zwei Sprachen zu moderieren, zu schauen, ob es verstanden wird, die Öffentlichkeitsarbeit ... Aber es ist wichtig, um Menschen zusammenzuführen, und das ist unser Anliegen. Von Anfang an wurde diese Initiative auch gut angenommen. Nehmen wir die Hausmusiker, die in den ersten Jahren dabei waren: Für viele war die Zweisprachigkeit neu, aber wir haben durchwegs positive Rückmeldungen bekommen. Bei den Jugendlichen ist es selbstverständlich. Können sie nicht Deutsch oder Slowenisch miteinander sprechen, so reden sie eben Englisch. Die Sprachenvielfalt ist keine Frage und kein Problem.

Sonus spannt gleichermaßen einen Bogen über Generationen hinweg?
Gregorič: Zu Beginn hatten wir auch Teilnehmer aus dem Jahrgang 1928. Das war eine ganz spezielle Situation. Das waren Hausmusiker aus der Zeit, wo Radio und Fernsehen erst im Kommen waren und die gewohnt waren, sich den Abend mit Musik selbst zu verschönern: Das sehen die Jüngeren, und sie nehmen mit, dass Musik sich nicht in Unterricht und mehr oder weniger Üben erschöpft, sondern Kultur ist: Man pflegt etwas gemeinsam, das macht Spaß. Wie auch Nikolaus Harnoncourt gesagt hat: Ohne die Kunst sind wir Menschen nicht mehr als alle anderen Lebewesen auf der Welt. Unsere Kreativität ist ein wesentlicher Aspekt des Menschseins. Wenn man das Glück hat, sie von klein auf weiterentwickeln zu können, hat man sehr viel Möglichkeiten.

Dabei beschränken Sie sich nicht auf Musik, sondern bieten auch bildende Kunst an?
Gregorič: Wir haben jedes Jahr einen „Artist in Residence“, also einen Künstler, der bei der Eröffnung seine Werke ausstellt und die ganze Woche dabei ist. Er arbeitet im Werkhof, steht nachmittags für die Teilnehmer zur Verfügung und gestaltet mit ihnen ein individuelles Programm. So können diese ihre Kreativität auch auf einem anderen Feld entdecken.

Bernarda Fink unterstützt Sonus mit Konzert und Stipendien, Walter Auer von den Wiener Philharmonikern kam schon zu Besuch ... Die Veranstaltung erfährt große Anerkennung, tut viel Gutes und erfährt auch viel Gutes?
Gregorič: Auch heuer hat wieder ein Künstler ein Stipendium gestiftet – Gesten, die ermutigen, denn sie sagen: Das ist etwas Positives, das brauchen wir! Es ist schön, mit einem hochmotivierten Team gemeinsam an einem Strang zu ziehen und zu sehen, dass der Funke überspringt. Dafür bin ich sehr dankbar, und das erfüllt mich mit Freude und Demut.

 

Zur Person:

Janez Gregorič, geb. 1965 in Klagenfurt, studierte Gitarre in Graz, wo er die Diplomprüfung mit Auszeichnung ablegte, und in Montevideo (Uruguay). Gregorič besuchte als Solist und Kammermusiker viele Länder Europas, ist Vortragender bei internationalen Seminaren und Gründer und künstlerischer Leiter der Musikwerkstatt Sonus.

 

SONUS-Kammermusikwerkstatt 2017:

Sa., 19. 8., 17 Uhr - Fr., 25. 8. 2017, 19 Uhr
Ort: Werkhof, 9143 Feistritz/Bistrica 31
Infos und Anmeldung: http://www.sonus.at
Kontakt: Lydia Gregorič, 0664/49 44 044

Gastkonzert mit dem Bläserquintett Ketos:
Mi., 23. 8. 2017, 20 Uhr im Museum Liaunig, Neuhaus/Suha. Eintritt: € 25,- (Vorverkauf),
€ 30,- (Abendkassa). Schüler und Studenten frei (nach Verfügbarkeit der Plätze)
Abschlusskonzert:
Fr., 25. 8. 2017, 17 Uhr im Kulturni dom Bleiburg/Pliberk (Eintritt: freiwillige Spende)