Wie ein Fernsehgottesdienst entsteht - am Beispiel von Tiffen
„Der Pfarrer kommt von rechts, die Ministranten folgen“, gibt Kameramann Harald Haimburger das Kommando und fährt mit der Kamera exakt auf den Altarraum zu. „Totale!” „Kamera zwei auf den Kinderchor“, kommt es über Funk von Regisseur Thomas Bogensberger aus dem ORF-Übertragungswagen. Der parkt neben dem restlichen Technikfuhrpark auf dem kleinen Parkplatz draußen vor der Kirche. Das Klarinettentrio der Trachtenkapelle Tiffen intoniert „Herr du hast dein Wort gegeben“ und begleitet den einsetzenden Kinderchor der Volksschule Tiffen. Direktorin Monika Bauernfried unterstützt die 20-köpfige kleine Sängerschar.
„Passt“, kommt es beruhigend von Tonmeister Otto Berger, während er Regler, Knöpfe und Schalter justiert.
Vier Kameras sind in der Kirche positioniert, mit 20 Scheinwerfern der Kirchenraum exakt ausgeleuchtet. Im Chorraum steht Diakon Josef Stotter, hinter ihm das Frauensextett Miriam, die Jugendsinggruppe Voices. Oben auf der Empore wartet das Bläserensemble „Q Brass Auernig“ auf den Einsatz. Hinter einer Säule haben Techniker ein transportables Pult aufgebaut. Über Kopfmikrofon wird flüstert.
Die Fäden laufen alle bei Regisseur Bogensberger zusammen. Der verfolgt mit seiner Assistentin Tamara Taufer im Übertragungswagen auf vier verschiedenen Bildschirmen das Geschehen aufmerksam, hat dabei stets das Skript und die Uhr im Blick. „Wichtig ist der Zeitplan, damit nach 44,5 Minuten der Schlusssegen gesprochen wird“, erklärt er das Procedere.
Gemeinsam Gottesdienst feiern
Zum wiederholten Male meldet er sich via Mikro in den Kirchenraum zurück und erklärt den Volksschülern ihren musikalischen Einsatz und die exakte Positionierung von Mikrofonen und Kameras. Für die Kleinen nicht immer nachvollziehbar.
Aber ein großes ORF-Lob spornt alle an. Außerdem lockt nach der Probe ein Buffet, zusammengestellt von den engagierten Frauen des Pfarrgemeinderates, in das Mesnerhaus. Hier hat Astrid Walder mit Stefanie und Melanie nicht nur Mehlspeisen, sondern auch Erdäpfelsalat und Schnitzel aufgebaut. „Denn wer arbeitet, muss auch essen“, lautet ihr Credo.
Präzise Vorarbeit gewährleistet für die Zuschauer am Sonntag an den Fernsehgeräten eine ganz normale Sonntagsmesse. „Wir wollen keine Show“, unterstreicht Dechant Hubert Luxbacher, „sondern miteinander Gottesdienst feiern. Das wollen wir vermitteln und rüberbringen.“
Lob für die Vorarbeit
Für die Gläubigen vor Ort in Tiffen ist dieser Gottesdienst mit seinen Kameras, den Scheinwerfern und dem Zeitplan dagegen alles andere als gewöhnlich. Aber sie wissen auch: Mehrere hunderttausend Zuschauer werden die Sendung verfolgen. Und deshalb wird eifrig und motiviert geprobt. Nicht nur an diesem Samstag. Schon Wochen vorher haben sich die einzelnen Gruppierungen immer wieder getroffen, getüftelt und unter der Federführung von Diakon Josef Stotter ein ausführliches Drehbuch geschrieben. „Denn die Zeit ist sekundengenau berechnet, und die einzelnen Teile sind wie in einem Drehbuch vorgegeben,“ erklärt er.
„Vorbildlich“, sagt Bogensberger zur Vorarbeit der Pfarrgemeinde und schließt natürlich auch die Kollegen aus dem Kärntner Landesstudio mit ein. Die haben mit Produktionsleiter Bernhard Puschl Hunderte von Metern Kabel verlegt, über Torbögen hinweg, unter Wegen eingegraben, fast unsichtbar um den Friedhof herum, sodass nichts zu sehen ist. „Das ist unsere Aufgabe“, winkt der Profi ab, obwohl er zugibt, dass diese kleine romanische Kirche auf dem Jakobifelsen eine wahre Herausforderung darstellte.
„Besonders wichtig ist die Choreografie“, ergänzt Bogensberger. Die Zeit der Musikstücke und Texte wird mit der Stoppuhr genommen. „Denn es kommt auf die Sekunde an“, sagt der Regisseur. Während die Einstellungen nochmals protokolliert werden, ist der Obmann der Pfarrgemeinde, Thomas Rindler, dabei, die Altarkerzen zu „schneuzen“, das heißt, die Kerzenränder werden exakt zugeschnitten.
Derweil blickt Thomas Pirker, seines Zeichen ehemaliger Pfarrgemeinderatsobmann, noch einmal prüfend auf die Fensterscheiben der historisch bedeutsamen Kirche. „Perfekt!“, lautet sein Urteil. „Wir haben alle zusammen geholfen, damit unser Gotteshaus auch nach außen hin strahlt.“
Bogensberger beschäftigt nach der Generalprobe eine ganz andere Sache. Drei Minuten war der Gottesdienst zu lang. Jetzt heißt es auf die Suche gehen, wo noch Zeit eingespart werden kann. Letzte Details werden mit der Pfarrgemeinde und den ORF-Kollegen besprochen. Damit am Sonntag alles wie am Schnürchen klappt.
Mehrfach geprobt
Pünktlich um 9.30 Uhr wird die Satellitenübertragung aktiviert, und die Live-Sendung beginnt. Auf das Zeichen des Regisseurs beginnt der Volksgesang, einige Takte später setzen sich die sieben Ministran-ten, Dechant Hubert Luxbacher und Diakon Stotter in Bewegung.
Kaum sichtbar auf ihren Messgewändern ein schwarzer Punkt: das Mikrofon. Der Einzug zum Altar ist mehrfach geprobt. „Das gibt uns Sicherheit, und wir konnten die Nervosität und anfängliche Anspannung überwinden“, so Dechant Luxbacher. Übrigens: Seine Zelebrierung der hl. Messe endete zeitlich punktgenau wenige Sekunden vor 10.15 Uhr!
Beim anschließenden Telefondienst gab es bis 14 Uhr Anregung, Zuspruch und viele Anfragen.

SCHLIESSEN








by ilab crossmedia