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Eine optimale Seelsorge für Kärntner Pfarren, © Foto: Pressestelle der Diözese Gurk

13.10.2017

Einen Priester in Reichweite

Generalvikar Engelbert Guggenberger im SONNTAG-Gespräch über den Einsatz ausländischer Priester in Kärnten, ihre Ausbildung und was sie dem Land an Positivem bringen.

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Freitag

13.10.2017

Eine optimale Seelsorge für Kärntner Pfarren

 
 
 

Veröffentlicht von:

Kärntner Kirchenzeitung - "Der Sonntag" / GerHe

SONNTAG-Gespräch mit Generalvikar Engelbert Guggenberger

Generalvikar Engelbert Guggenberger über Priester aus fremden Kontinenten und was sie unserem Land bringen

Generalvikar Guggenberger: "Die Kirche war immer global vernetzt.", © Foto pgk/Neumüller

Generalvikar Guggenberger: "Die Kirche war immer global vernetzt." (© Foto: pgk/Neumüller)

Immer wieder erreicht uns Kritik darüber, dass die Kirche in Kärnten viele ausländische Priester einsetzt. Warum hat die Diözesanleitung diesen Weg gewählt?
Guggenberger: Unser diözesanes Leitbild „Mit Jesus Christus den Menschen nahe sein“ bedeutet auch, dass wir garantieren wollen, dass Menschen einen Priester in ihrer Reichweite haben. Dafür brauchen wir eben eine bestimmte Anzahl von Priestern.

Andere Diözesen setzen stärker auf den Dienst von Diakonen oder Laien. Wäre das kein Weg?
Guggenberger: Selbstverständlich lebt die Kirche nicht nur vom Dienst der Priester, sondern auch von allen anderen Mitarbeitern in der Pfarre – seien es Diakone, Pastoralassistentinnen und -assistenten, Pfarrsekretärinnen, Pfarrgemeinderäte und alle anderen, die sich in der Pfarre engagieren. Aber es ist für die Menschen bei uns wichtig, dass sie noch einen Priester in ihrer Reichweite haben. Daher bemüht sich unser Bischof, Priester einzuladen, in unserer Diözese Dienst zu tun.

Manche Diözesen planen soeben massive Pfarrzusammenlegungen, weil es zu wenige Priester gibt. In Kärnten gibt es nur kleine Pfarrverbände ...
Guggenberger: Wir bemühen uns, möglichst kleine Pfarrverbände zu bilden, mit maximal drei Pfarren. Wenn wir den Ausfall von Priestern, die jetzt aus Altersgründen den Dienst beenden, nicht ersetzen können, müssten wir viel größere Pfarrverbände einrichten. Dann ist die Erreichbarkeit des Priesters nicht mehr so gegeben. Auch die Gestaltung der Gottesdienste würde so nicht mehr funktionieren. In Kärnten haben wir viele kleine Kirchen, die aber auch ihren Kirchtag feiern wollen, die am Sonntag einen Gottesdienst wollen. Das alles wäre in der gewohnten Weise nicht mehr zu machen. Ich meine, das wäre eine Verminderung der seelsorglichen Qualität. Um dem vorzubeugen, bitten wir Priester aus anderen Ländern, bei uns Dienst zu tun. Und wir begleiten sie, damit sie trotz des kulturellen Unterschiedes bei uns als Seelsorger wirken können. Wir bekommen auch sehr viele Rückmeldungen, dass dies gut geht.

Sind Priester aus Indien oder Afrika bei uns eine Art Missionare?
Guggenberger: So könnte man durchaus sagen. Die Kirche war immer global vernetzt. Schon in der Antike gab es den Austausch zwischen den Völkern, wie man in der Apostelgeschichte nachlesen kann. In früheren Jahrhunderten sind europäische Priester in andere Erdteile gereist. Jetzt kommen Menschen aus anderen Erdteilen, um bei uns die Frohe Botschaft zu verkündigen und das kirchliche Leben mitzutragen.

Was unternimmt die Diözese in der Ausbildung dieser Priester?
Guggenberger: Wir bemühen uns sehr um eine gute Ausbildung der neu ankommenden Priester. In einem zweijährigen Kurs werden sie nicht nur sprachlich geschult, sondern auch in allen anderen Bereichen, die für die Seelsorge in Kärnten notwendig sind. Und natürlich erfahren sie viel über die Kultur oder das Brauchtum bei uns.

Es wird oft unterstellt, dass es mit ausländischen Priestern mehr Probleme gibt. Stimmt das?
Guggenberger: Ich würde sagen, dass sich die wirklichen Probleme ziemlich genau aufteilen. Es gibt ja auch immer wieder Schwierigkeiten mit österreichischen Priestern. Etwa die Hälfte der Problemfälle bezieht sich auf österreichische und die andere Hälfte auf ausländische Priester. Da darf man kein Pauschalurteil abgeben.

Deutsch ist keine leichte Sprache. Wie geht es mit Priestern, die sich mit unserer Sprache schwer tun?
Guggenberger: Oft ist die Sprache schon eine Beeinträchtigung. Aber die Kommunikation beschränkt sich ja nicht nur auf die Sprache alleine. Es gibt auch die nonverbale Kommunikation. Wir stellen immer wieder fest, dass Priester aus anderen Ländern durch ihre Ursprünglichkeit und Herzlichkeit als sehr authentisch wahrgenommen werden. Sie haben einen unvergleichlichen Charme, der sprachliche Defizite wettmacht. Ihre Verkündigung überzeugt und reißt mit. Das gilt es meiner Meinung nach auch zu beachten. So stelle ich fest, dass Menschen diese Priester trotz ihrer sprachlichen Schwäche sehr schätzen. Entscheidend ist für mich, dass sie menschenfreundlich sind.

In Leserbriefen wird immer wieder die Frage gestellt, warum verheiratete, aus dem Amt ausgeschiedene Priester nicht eingesetzt werden?
Guggenberger: Das ist eine weltkirchliche Entscheidung. Ein Bischof kann derzeit solche Priester nicht einsetzen – selbst wenn er es wollte. Was die weiteren Entwicklungen im Pontifikat von Papst Franziskus noch bringen werden, müssen wir abwarten. Wir sind in einer schwierigen Situation und versuchen, mit unserem Weg das Beste zu machen. Denn wir müssen mit den Bedingungen, die wir jetzt vorfinden, Kirche gestalten. Wir bemühen uns um eine möglichst gute Seelsorge für Kärnten.