Pressetexte
Mag.Ernst Windbichler, Stadtpfarrer von Spittal/Drau (© Foto: iLi)
Die Woche 09.05.2012
Wünsche zum Muttertag
Bald werden sie wieder mit Tränen in den Augen den rührenden Gedichten der Kleinen lauschen, unsere Mütter und dabei für ein paar Augenblicke vergessen, dass da noch so viel mehr geschehen müsste an gesellschaftlicher Anerkennung und (auch finanzieller) Wertschätzung. Ganz abgesehen vom unerlässlichen mütterlichen Element, das in Kirche und Gesellschaft oft zu wenig durchscheint, trotz Gottesmutter und auch mütterlichem Gottesbild. Der Muttertag ist oft nur ein Alibi: „Schatz, heute bring ich dir den Kaffee ans Bett, mahlen musst du ihn halt selber!“.
Kleien Zeitung 06.05.2012
Ich bin der Weinstock
Dranbleiben und Frucht bringen
Connections- Verbindungen, sind ja heute wichtiger denn je. Wir unterschreiben unsere Briefe in herzlicher Verbundenheit, mit verbindlichem Dank. Im Glauben aber haben wir wirklich Verbindungen zu den allerhöchsten Stellen, wir sind mit Gott persönlich verbunden, wie die Rebe mit dem Weinstock, eine höchst fruchtbare Verbindung, die uns viele Türen öffnen kann. Verbindungen aber leben von Verbindlichkeit, sie müssen gepflegt werden.
Mit Gott verbunden sein, da fällt mir das Telefonieren ein: falsch verbunden, hört man da oft. Bei Gott gibt es das nicht, da bin ich immer richtig verbunden, da gibt es keine Störung. Höchstens, wenn ich mein Handy nicht eingeschaltet habe, wenn ich nicht auf Empfang bin oder nicht abhebe.
Verbunden sein, da fällt mir aber auch ein Arzt ein: wenn er meine Wunden verbindet, dann bin ich gut verbunden. Dann kann Vieles wieder heilen. Man könnte sagen: wer sich mit Gott verbindet, der ist wirklich gut verbunden. Oder mit anderen Worten: Wer in Jesus drin ist und an ihm dran bleibt, der ist wirklich gut dran.
Das gilt auch für die Kirche als Ganzes. Gerade in Europa ist sie oft schon alt und dürr geworden, da gibt es so viele trockene Zweige. Statt dass er austreibt, wird der Weinstock immer schmächtiger. Vor allen Besserungskuren und Pastoralkonzepten und Patentrezepten gilt auch da, dass nur die bleibende Einheit mit dem Herrn uns weiter hilft, sonst ist all unser Mühen vergeblich. Nicht davonlaufen, nicht austreten, nicht aufgeben, sondern an Jesus dran bleiben und an seiner oft so ängstlichen Kirche, dann sind wir gut dran. Denn Er ist der Weinstock.
Sein Geist, seine Gnade, seine Lebenskraft fließt in uns und unsere kleine Kraft wird groß und unsere schwachen Hände und Worte richten mehr aus, als wir uns selber zugetraut hätten.
Und dieser Lebenssaft ist keine bittere Medizin, kein ranziger Lebertran oder gar irgendein Brechmittel, sondern mit Wein wird dieser Lebenssaft verglichen. Also: Prost und wohl bekomm’s!
Kleine Zeitung 25.03.2012
Die Herrlichkeit des Weizenkorns
Sehenswürdig oder glaubwürdig
„Herr, wir möchten Jesus sehen!“, so fragen einige neugierige Griechen: wie ein Ausstellungsstück im Schaufenster, oder mit beurteilendem Blick, wie bei Dancing Stars, oder wie eine kulturelle Sehenswürdigkeit. Er aber will nicht Zaungäste, er möchte nicht für sehenswürdig gehalten werden, sondern v. a. für glaub-würdig und liebens-würdig und ehr-würdig.Denn sehenswürdig, das weiß er, das wird er in wenigen Tagen nicht mehr sein, da wird er nur mehr blutig und zerschlagen sein. Deshalb gibt er uns einen Anschauungsunterricht, der uns einen Blick hinter den dunklen Vorhang des Todes und des Kreuzes schenkt. Er gibt uns eine geistliche Sehhilfe für diesen Plan Gottes, der ihn nicht am Kreuz vorbei, aber durch das Kreuz hindurch zur Auferstehung führt.Und diese Sehhilfe heißt: schaut auf das Weizenkorn. Es ist ein langer Weg, bis man ins knusprige Brot beißen kann. Wie viele Tode muss so ein Weizenkorn sterben und lässt sich doch niemals töten, du kriegst es zwar unter die Erde, aber es lässt sich nicht unterkriegen. Sogar, wenn es verspeist wird, spendet es noch Kraft und Energie. Wenn ihr Jesus sehen wollt, wenn ihr ihn verstehen wollt, dann schaut auf das Weizenkorn. Er sagt: „Ich bin dieses Korn, das gerade im Tod erst zur Vollendung kommt und zur höchsten Form aufläuft“. Die Frucht seines Todes, das ist nicht nur die Auferstehung, das sind auch alle Menschen, die sich auf seinen liebevollen Lebensweg einlassen.
Die Woche 15.02.2012
Gut, dass es die Pfarre gibt!
Unter diesem Leitsatz bereiten sich die katholischen Pfarren Österreichs auf die Pfarrgemeinderatswahlen am 18. März vor. Es gibt keinen Wahlkampf, keine Plakate, keine Parteien, keine Verlierer, es gibt nur einen Gewinner, und das ist die Pfarre. Wo Menschen sich bereit erklären Zeit und Energie zu opfern, mitzuarbeiten und mitzudenken im Dienste des Evangeliums, wo ihre Arbeit auch gesehen und anerkannt und unterstützt wird und sei es nur durch eine gute Wahlbeteiligung, da kann viel aufblühen und alle können merken: Wie gut, dass es die Pfarre gibt!
Kleine Zeitung12.02.2012
Sei rein und komm rein!
Der Weg vom Rand in die Mitte
Vom Hl. Franziskus heißt es, dass er eines Tages einem Aussätzigen begegnet. Er übersieht ihn zuerst. Doch dann geht entschlossen zurück, nimmt ihn in die Arme und gibt ihm einen Kuss. Wenn Kinder diese Geschichte hören, dann schütteln sie sich vor Ekel- auch im Zeitalter von Horrorfilmen und Gruselschockern.
Auch wir müssen immer wieder umkehren, wie der Hl. Franz. Wir sind froh über die Müllabfuhr, über Krankenschwestern, Putzfrauen, Bestatter oder Totengräber, Flüchtlingshelfer, Obdachlosenbetreuer, sie alle erledigen Dienste, denen wir gerne aus dem Weg gehen. Viele tun es, wenn auch nicht immer gerne, so doch im Bewusstsein, damit dem Wohl ihres Nächsten zu dienen und küssen auf diese Art auch irgendwie einen Aussätzigen. So seltsam es klingt: wir müssen das Leid umarmen: vielleicht mit Tränen in den Augen und schweren Herzens. Der Kranke des heutigen Evangeliums kann uns hier ein Beispiel sein:
Was hat er nicht alles erleben müssen bis zu seinem Ausschluss. Schließlich erkennen müssen, dass da niemand und nichts ist, das ihn heilen kann. Und dann ein neuer Weg: Jesus als letzte Hoffnung. Dennoch aber: „Wenn du willst...“ Wie viel Vertrauen liegt in diesen Worten. Mag jetzt kommen, was will, wie du willst, so ist es recht.
Mit dieser Bitte „Ich will, dass ich rein werde“ meint der Kranke aber auch: „Ich will, dass ich rein komme! Jesus, lass mich rein, wieder herein in die Gesellschaft, in meine Familie, in meine Verwandtschaft.“ Jesus sagt: „Ich will, sei und komm rein.“ Vielleicht würde er heute sage: „Willkommen in meiner Integrationsklasse.“
Für uns alle gilt: wir können nicht die ganze benachteiligte Menschheit umarmen. Aber wir sollen sie in unseren Gedanken und Worten nicht ausgrenzen. Und für alle, die keinen Weg zuUnd für alle, die keinen Weg zurück mehr finden: ihnen können wir nur wünschen, dass sie nach allem Kampf gegen ihre Belastung in dieses große Wort einstimmen können: „Herr, wenn du willst....Aber auch wenn es nicht sein kann, dann gib mir die Kraft, mein Leiden zu umarmen, es anzunehmen, mich mit meinem Schicksal zu versöhnen. Wenn ich schon nicht äußerlich heil werden kann, so mach meine Seele wenigstens gesund.“
Die Woche 25.01.2012
Vom Saulus zum Paulus
25.1.: Pauli Bekehrung. Dass er vom Pferd gestürzt ist, steht nirgends, wohl aber, dass er vom hohen Ross gefallen, am Boden der Realität angekommen und einen neuen Weg begonnen hat. Der Verfolger wird zum Nachfolger, der Vernichter zum Werkzeug im Dienste des Herrn, den er nie persönlich gesehen hat. Nun wird er selbst zum Verfolgten, bringt die Frohbotschaft in die ganze Welt, bis er in Rom sein gewaltsames Ende findet. Selten geschieht Bekehrung so radikal, meist sind es eher ganz kleine Kurskorrekturen. Aber auch sie bringen uns ans Ziel.
Die Woche 04.01.2012
CMB oder: Christkind macht Beine
C+M+B schreiben die Sternsinger an die Türen, meist als Kaspar, Melchior und Balthasar übersetzt, obwohl man über die drei Weisen fast nichts weiß, schon gar nicht ihre Namen. Eigentlich heißt CMB ja Christus mansionem benedicat- Christus segne dieses Haus. Hungrige übersetzen: Kas, Milch und Butter. Das regt meine Phantasie an: könnte es nicht auch bedeuten: Christen machen’s (macht es!) besser? Oder: Keiner mag Böses. Oder: Kirche braucht Botschafter. Wie wär’s mit: Charismatische Menschen brauchen (wir)? Kirche mit Bodenhaftung?
Kleine Zeitung 01.01.2012
Quellen des Vertrauens
Von Gott und allen guten Geistern begleitet
Während draußen schon seit Tagen verfrühte Silvesterböller krachen und Raketen zischen, versuche ich mir Gedanken über das neue Jahr zu machen. Es hat etwas von der Frische und Reinheit einer Quelle, die auf einem Berghang hervorbricht. Ein wenig gleicht es auch einem neugeborenen Kind, das voller Unschuld und Vertrauen die Wege des Lebens zu gehen beginnt. Ein Bild dieser Klarheit und Unschuld gibt uns die Kirche heute mit auf den Weg in die Tage dieses Jahres, indem sie uns die Gottesmutter Maria an den Anfang stellt.
Auch sie hat einen Weg zu gehen, der bisweilen auch harte und schwierige Zeiten zu bestehen hat. Wenn es dann im kommenden Jahr auch so geschieht, dann tröstet und mahnt sie uns: „Fürchtet euch nicht. Lernt es, bisweilen mit ungelösten Fragen zu leben.“ Wer dann wie sie in Geduld ausharrt und die manchmal von innen oder außen kommenden Schwierigkeiten in der Kraft des Vertrauens besteht, für den wird auch einmal die Stunde kommen, in der sich das Dunkel lichtet. Als unsere Schwester im Glauben kann sie uns eine gute Begleiterin sein auf dem Weg der jedem von uns zugedacht ist, den aber auch jeder selbst gestalten muss.
Mögen deshalb auch noch so viele Horoskope wieder ihre Prophezeiungen abgeben und alle Österreicher skeptisch in die Zukunft schauen, auf irgendeine Art wird es wieder ein gutes Jahr werden. Wir werden uns aber dieses Vertrauen nicht aus den Schlagzeilen holen, nicht aus den Abgründen der menschlichen Bosheit, nicht aus den Sensationen der Katastrophen und Unglücksfälle. Echtes Vertrauen in die Zukunft holt man sich „abseits von Metern und Sekunden“, dort, wo es unauffällig und alltäglich zugeht, wahre Hoffnung schöpft man aus den Zusagen, die Gott uns macht und aus der Nähe guter Menschen. Da merkt man oft nichts von bunter, lauter Farbenpracht am nächtlichen Himmel, die nicht nur teuer, sondern auch sehr kurzlebig ist.
Die Sensation des Guten ist immer recht leise und braucht gute Augen und Ohren und einen langen Atem und den wirksamen Hauch des Hl. Geistes. Dann wird uns das Unglück nicht so schnell in die Knie zwingen. Hinter allem kann ein geheimer Plan stecken.
Denn auch dieses Jahr ist ein „annum domini“, ein Jahr des Herrn, 2012 nach Christi Geburt.
4Kärntner Woche 14.12.2011
Das Kind in dir entdecken
Der Advent ist eine Zeit voller Erwartung. Die Erfüllung kommt erst zu Weihnachten. Erinnerungen aus der Kindheit werden wach: versteckte Keksdosen; für jede gute Tat einen Strohhalm in die leere Futterkrippe; Gebet um den Adventkranz; ein Weihrauchduft; im Schein der Laterne der Gang zur Rorate in finsterer Morgenstunde. Endlich Heiliger Abend. Jetzt erst beginnt die Weihnachtszeit.
Geduld üben, das Warten wieder lernen, das Kind in sich entdecken um das göttliche Kind wieder zu finden, so kann Weihnachten werden.
Ktn. Woche, 23.11.2011
Und über dem Nebel das Licht
In kalten Novembertagen hält sich sogar in der Oberkärntner Gegend wochenlang der Hochnebel. Nur wenn man höher steigt, offenbaren sich Himmel und Sonne. Auch im Nebel unserer Existenz sind wir manchmal gefangen: in Kirche und Gesellschaft, in privaten und seelischen Tiefdruckgebieten. „Ich glaube an die Sonne, auch wenn sie nicht scheint“, hat ein Gefangener an seine Zellenwand geschrieben und: „Ich glaube an Gott, auch wenn ich ihn nicht sehe!“. Übrigens: wenn man den „Nebel“ mit den Spiegel des Glaubens anschaut, dann liest man ihn von der anderen Seite und es wird „Leben“ daraus.
Kleine Zeitung, 20.11.2011
Matthäus 25, 31 - 46
Die entscheidenden Fragen
Jeder hat seine Chance
Wir werden nicht gefragt werden nach Formularen und Nummern. Auch nicht nach unserem Glauben. Vielleicht wird das auch als selbstverständlich vorausgesetzt. Oder auch deshalb, damit auch der frömmste Mensch nicht die Ausrede hat, am Hilfsbedürftigen vorbeigehen zu können.
Aber auch der Un- und Andersgläubige wird nicht ausgeschlossen, wenn er nur die Nächstenliebe verwirklicht hat.
Jetzt ist die Zeit, jetzt ist die Stunde. Jeden Tag ereignet sich das jüngste Gericht, und in jener Stunde wird nur der Strich unter die Rechnung meines Lebens gemacht. Und weil ich weiß, vor wem ich dann stehe, vor dem Menschensohn, dem nichts Menschliches fremd ist, deshalb habe ich eine große Hoffnung: dass da keiner sein wird, zu dem er sagen muss: „Weg von mir, ihr Verfluchten“. Auch wenn wir nicht der Heilige Martin gewesen sind oder Mutter Theresa, weil unser Herz dafür zu klein gewesen ist. Aber eines wird Gott sicher fragen: Nicht: „Bist du die Hl. Elisabeth oder der Hl. Franz gewesen?“, sondern: „Bist du du selbst gewesen? Hast du mit deiner schwachen Hand und deiner winzigen Kraft das getan, was in deiner Macht gestanden ist?“
Kärntner Woche 02.11.2011
Allerheiligen und Allerseelen
Beide Feste gehören zusammen wie die zwei Seiten einer Münze. Da sind die einen, die schon am Ziel sind. Viele haben schon ihren Festtag, von den allermeisten aber weiß nur Gott allein. Sie sind im Licht und beten für uns. Die anderen sind noch unterwegs, unseren Augen entschwunden und in Gottes Nähe gerückt. Auch hier: so viele Namenlose, Vergessene, Unbekannte. Vor Gott hat jeder sein Ansehen und sein Gesicht. Wir können sie erreichen mit unseren Gedanken und Gebeten und dabei unsere eigene Bestimmung erkennen.
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Gesammelte Pressetexte bis Oktober 2011

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