| Gästebuch Pfarre Heiligste Dreifaltigkeit |
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Anmerkungen: VERRÜCKTHEIT
Auf einem Maskenball oder bei einem Faschingsumzug schaffen es viele eine andere Identität anzunehmen, eine andere Rolle zu besetzen oder wie gerne gesagt wird, sie schlüpfen in eine andere Haut. Manchmal wäre es besser man könnte aus der Haut fahren. Man ist beim Faschingstreiben außer sich, man ist maskiert und geschminkt, verrückt. Wie viele verschiedene Leben haben wir auf Erden. In welche Rollen können wir schlüpfen und wie viele Rollen verträgt unsere Psyche, dabei sind nicht Theaterrollen gemeint. Da gibt es die Rolle des braven Ehemannes und strengen Abteilungsleiters, auf der anderen Seite ist er der verschwenderische Unterhalter in einer Bar. Der korrekte Bankdirektor und zu hause zur Erniedrigungen neigende Ehepartner. In der Literatur gibt es die klassischen Rollenspiele, tagsüber der mitleidende Mensch der nachts zum Lustmörder wird.
Ist es verrückt, wenn bei der rockigen Faschingsmesse in der Kirche der heiligen Dreifaltigkeit in Völkendorf in der Predigt der Versuch unternommen wurde, die Auferstehung als eine Verrücktheit des Lebens zu bezeichnen. Es wird verlangt an etwas zu glauben, was nicht zu unserer Normalität gehört, außerhalb unserer Erfahrungen steht. Die „Dreifaltigkeit“, drei Personen in einer Person vereint kann als Verrücktheit bezeichnet werden. Fasching und Ostern haben vieles gemeinsam. Nehmen die Kirchenbesucher maskiert an der heiligen Messe teil, so wird die Verrücktheit die dem Glauben innewohnt, auch äußerlich dokumentiert. Auf einem Hut findet sich der Bericht von der Eröffnung der olympischen Spiele in Vancouver. Dort findet der irre Kampf um Medaillen statt, dabei wird mit Tausendstelsekunden gemessen, eine Bewegung, die mit dem menschlichen Auge nicht mehr wahrnehmbar ist. Niemand leistet gegen diese Verrücktheit, der Leistungsbemessung, Widerstand. Vieles was uns im Alltag bewegt, bewegt sich im Bereich des Närrischen. Im Evangelium nach Lukas, am sechsten Sonntag im Kirchenjahr, heißt es: Selig, die ihr jetzt hungert, denn ihr werdet satt werden. Selig, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen. Die Normalität wird auf den Kopf gestellt.
Aus dem Tagebuch, 14.2.2010, von Franz S.
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ESSEN:kaufen:HABEN Franz S. (20.10.2009)
Für die meisten Branchen im Handel gibt es im Oktober eine Verschnaufpause, soweit es in den Einkaufszentren eine Verschnaufpause gibt. Das Sommergeschäft ist vorbei, das Herbstgeschäft hängt stark von der Wetterlage ab, so im Textilhandel. Herrschen im Oktober sommerliche Temperaturen, dann überlegen sich viele, ob sie sich eine Herbstgarderobe zulegen sollen oder ob sie auf die Wintermode warten. Vom Bikini in den Wintermantel. Anders im Baumarkt, da möchten viele vor dem Winter noch dieses und jenes am Haus fertigstellen. Jetzt konzentriert sich der Han-del auf die nächsten Monate, fragt sich, was bieten wir für Weihnachten an. Wie steigern wir das Weihnachtsgeschäft. Den Lebensmittelhandel stören die hohen Temperaturen nicht, der Lebkuchen, der Weihnachtsstollen und der Christbaumbehang liegt in den Verkaufsschütten. Die erste Weihnachtswerbung flimmert über den Bildschirm.
In Villach versucht die Pfarre Völkendorf mit einer Veranstaltungsreihe, „Essen-kaufen-Haben“, unser Konsumverhalten zu hinterfragen. Der Center-Manager des Atrio Einkaufszentrum, Mag. Richard Oswald, hielt in der Pfarrkirche ein Statement: „Wie ein Einkaufszentrum zum Wahrzeichen der Stadt wird“. Einige seiner Thesen sind: „Das Atrio entwickelt sich zu einem Treffpunkt für die Bevölkerung der Stadt, für die umliegenden Regionen und das benachbarte Ausland. Die Atmosphäre im EKZ zieht am Vormittag die Senioren und am Nachmittag die Jugendlichen ab. Auf dem künstlichem Marktplatz, der Piazza, stillen die Mütter ihre Babys. Das Atrio entspricht den modernen Bedürfnissen des mobilen Menschen.“
Diese schöne Konsumwelt wurde von einigen Zuhörern in Frage gestellt, durch andere Sichtweisen ergänzt und erweitert. Die Besucher des EKZ fehlen anderswo, sie werden aus der Innenstadt, aus den Gemeinden der umliegenden Regionen abgeworben. Hier treffen sich die Leute auf einer künstlichen Piazza, die in Rekordbau-zeit geschaffen wurde. In der Region veröden die in Jahrzehnten, manchmal in Jahrhunderten gewachsenen Ortskerne. Es ist oft so, dass sich Initiativen und Vereine aus den Umlandgemeinden bemühen im Atrio einen Auftritt zu erhalten, weil sie hier mehr Leute aus dem Ort ansprechen können, als wenn sie im Heimatort auftreten würden. In den Ortschaften um Villach, in den Stadtteilen, haben sich die privaten Lebensmittelhändler und Fachgeschäfte, mit dem Entstehen der EKZ am Stadtrand verabschiedet. Sie haben schließen müssen, weil die Kaufkraft abgezogen wurde. Am Land beklagt man sich heute darüber, dass viele Fachgeschäfte aufgegeben haben, man müsse wegen jeder Kleinigkeit in die Stadt fahren. Eine selbsterfüllende Prophezeiung. In Umlandgemeinden sind Ortsentwicklung, Dorferneuerung zusammengebrochen, weil Mitarbeiter, meistens waren es Menschen aus dem Handel, Gewerbe und Gastronomie, ausgestiegen sind. Es ist ein Zeitenwandel den man achselzuckend hinnimmt. Gibt es bei den Konsumenten neue Bedürfnisse, die einen Gewinn versprechen, so werden sie von den Handelsketten aufgegriffen und umgesetzt. Einer dieser Trends sind Biolebensmittel und Produkte aus heimischer Landwirtschaft. Dieser Trend hat einen Gewinn versprochen, deshalb findet man diese Produkte vermehrt in den Supermärkten. Dabei hat es in den Orten vor Jahren noch Bäckereien, Fleischereien, Bauernmärkte und ab Hof Verkauf gegeben, wo man sich mit naturnahen Produkten eindecken konnte. Es bedurfte der Werbung, „ Ja natürlich“. Stark unterscheidet sich die Stimmung vom Villacher Wochenmarkt von dem in einem „Ja natürlich Supermarkt“. Am Wochenmarkt läuft der Schmäh, der kleine Tratsch, die persönliche Ansprache. Eine kleine Kostprobe gefällig und nicht klinische Verpackung. Über den neuen „Menschenschlag“ den die EKZ hervorbringen schreibt Pfarrer Deibler: „Die Geschäfte haben keine Eingangstüren, daher grüßt auch niemand beim Betreten oder beim Verlassen des Geschäftes. Die Angestellten sitzen wie betäubt an der Kassa oder schlichten stumm und unbeteiligt Ware in die Regale. Ich habe in Einkaufszentren immer den Eindruck, als ob die Menschen hier in Hypnose wären, ferngesteuert, von Bildern und Markennamen hierhin und dorthin gezogen, ihre menschlichen Qualitäten vergessend.“
Eine Perspektive für die Zukunft könnte sein, dass wie beim Straßenverkehr ein Umdenken, ein Denkprozess einsetzt. Vor Jahrzehnten wurden immer mehr und immer breitere Straßen durch die Landschaft und durch die Orte gebaut. Heute ist man um eine Verkehrsberuhigung bemüht, es werden Straßen rückgebaut. Es hat nicht mehr die größtmögliche Mobilität den Vorrang, sondern Lebensqualität und Wohnqualität. Werden auch die EKZ in Zukunft nicht mehr und noch größer, sondern werden sie zurückgebaut? In der Innenstadt, in den Ortskernen der umliegenden Gemeinden würde es dann wieder mehr Nachhaltigkeit, Wertschöpfung und Leben geben. Eine Oktobernachlese von Franz Supersberger.
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Aus dem Tagebuch von Franz S. (21. Mai 2009)
HIMMEL:fahrt
Am Christi Himmelfahrtstag rufen die Glocken der Pfarrkirche von Völkendorf mehrmals zur Heiligen Messe. Wer hört diese Rufe? Viele sind beim Frühstück, planen den heutigen Feiertag, sind bereits in den Urlaub unterwegs, fahren oder fliegen dorthin. Erheben sich in den Himmel, wie einst Jesus, dieser ohne technische Hilfsmittel. Noch heute schauen viele Menschen, vor allem Ältere und Jüngere den Flugzeugen am Himmel nach, den Kondensstreifen, bis sie verblassen.
Mit unterschiedlichen Erwartungen hat sich eine Schar von Gläubigen in der Dreifaltigkeitskirche versammelt, um einer Uraufführung beizuwohnen. Es wird keinem Brauch gehuldigt, keine Volksfrömmigkeit, hier ist fast jeder ein individueller Gläubiger, der sich aus persönlichen Gründen für das Christentum interessiert. Links vom Altar sind verschiedene Schlagzeuginstrumente für die Percussion aufgebaut. Die Elektrogitarren lassen auf eine Rhythmische Messe schließen. Der Kärntner Komponist Primus Sitter hat einen Kompositionsauftrag für Christi Himmelfahrt erhalten. In meiner Erinnerung sehe ich, wie in der Kirche St. Paul ob Ferndorf die Christusstatue in die Höhe schwebt und im Dachboden der Kirche verschwindet. Schaue ich hier in die Höhe, dann sehe ich das Sonnenlicht auf das Mosaik von der Dreifaltigkeit scheinen.
Beim Einzug des Pfarrers mischt sich zwischen die Klänge des Eingangsliedes von einer Audiokassette das Glockengeläut von Völkendorf. Jeder, der dem Ruf der Glocken gefolgt ist, wird noch einmal eingeladen sich auf die Messfeier einzulassen, auf die Musik von Gitarre, Elektrobass und Schlagzeug. Pfarrer Deibler begrüßt die Kirchenbesucher, verweist auf die Lifesituation der musikalischen Darbietung, sie ist nicht wiederholbar. Viele Judendorfer und Völkendorfer werden dies versäumen. Nah dabei sind drei bedürftige Männer, einer mit Steireranzug und einem Hut mit vielen Abzeichen, die sich in die erste Bank setzten.
Zum Gloria rufen die Töne des Didgeridoo und die Kirchenbesucher stimmen mit ein. Zwischen der Ersten und der Zweiten Lesung wird rhythmische Musik, dazwischen akustisch verfremdete Aufnahmen aus früheren Messfeiern von Völkendorf, gespielt. Wir hören unsere Vergangenheit, wir bekommen einen Spiegel vorgehalten. Die Musik wird verstärkt von Zugsignalen und Vogelstimmen.
Im Evangelium steht, wie Jesus seine Jünger darauf aufmerksam macht, dass jetzt für sie die Zeit gekommen ist, in die Welt hinauszugehen, um seine Botschaft zu verkündigen. Er wird zu seinem Vater in den Himmel zurückkehren. Pfarrer Deibler macht in seiner Predigt darauf aufmerksam, dass die Meisten zeit ihres Lebens in einem Karussell auf einem Pferd sitzen und sich im Kreis drehen. Der einzige Fortschritt besteht darin, dass manche auf ein schnelleres Pferd wechseln und sich das Lebenskarussell schneller dreht. Es ist immer derselbe Jahrmarkt, dasselbe Umfeld, der Kreisverkehr der Provinz. Wer vom Pferd heruntersteigt, dem kann ganz schön schwindlig werden, es dreht sich alles weiter und viele wählen den Weg zurück auf das Pferd. Wenige verlassen den Jahrmarkt der Provinz und gehen hinaus in eine offene, neue Welt.
Vor der Wandlung beginnt die Musik mit feinen Tönen, dazwischen die zarten Klingeltöne der Ministrantenschellen. Das Aufbrausen des Geistes, der gegen den Himmel fährt. Das wiederholte Klingeln läutet unsere Wandlung ein, untermalt von meditativen Tönen. Die Musik bereitet uns darauf vor, gibt uns die Gelegenheit unsere Gedanken zu verwandeln. Der Mittelpunkt der Messe.
Die Melodien zur Kommunion führen uns hinaus aus dem Karussell, zu den Vogelstimmen, zum Rauschen der Drau, diese sind außerhalb der Stadt zu hören.
Ein Zug fährt durch.
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Aus dem Tagebuch von Franz S. (6. 1. 2009)
WA(H)RE . LICHT
Mit dem Tag der „Heiligen Drei Könige“ endet die Weihnachtszeit. Manche Leute sind froh, dass die Zeit der Feiertage vorbei ist, ab morgen beginnt das normale, das geregelte Leben. Der Tag beginnt am Morgen mit dem Läuten des Weckers. Alles hat wieder seine Zeit und seine vorbestimmten Abläufe. Viele Menschen sind heute dem Stern von Bethlehem gefolgt und in die Kirche „Heiligste Dreifaltigkeit“ in Villach-Völkendorf gekommen. Ein wenig sind sie auch dem Stern von Radio Kärnten gefolgt, der die Heilige Messe live übertragen wird. Die aufgestellten Mikrofone überragen den Stern der „Heiligen drei Könige“, die mit dem Pfarrer in die Kirche einziehen. Sie waren in den letzten Tagen unterwegs zu den Menschen in ihren Wohnhöhlen in Völkendorf: „Es kann verstören, wenn es an der Wohnungstür läutet und die Besucher, “Drei Könige”, haben sich nicht über die Sprechanlage am Hauseingang angemeldet. Man weis nicht was einem erwartet, wenn man die Tür öffnet. Es könnte eine Schlammlawine in die Wohnung hereinbrechen, das Leben radikal verändern“. Dem Ruf zur Messe sind auch die Erstkommunionkinder gefolgt. Ein großes Anliegen des Pfarres ist es, die Kinder in die Gestaltung der Messe einzubinden, auch wenn sich mancher Kirchenbesucher in seiner Andacht gestört fühlt. Erst recht, wenn die Kinder durch die Bänke gehen und allen erwachsenen Kirchenbesucher ihren Namen sagen und die Hand reichen. Dem Anlass entsprechend kommen alle pünktlich und feierlich in die Kirche. Das ganze Kirchenvolk betet und singt mit, und lauscht dem Gesang der „Cappella Trinitatis“ und der Singgruppe „Immanuel".
Das Evangelium erzählt davon: Wie sich die Drei Weisen aus dem Morgenland bei Herodes nach dem neugeborenem König erkundigen, weil sie ihm huldigen wollen. Herodes erschrickt darüber sehr, er sieht seine Macht gefährdet. Er empfiehlt den Weisen nach dem Neugeborenen zu suchen, und ihn davon zu informieren. Die Weisen finden das Kind, beschenken es, und kehren auf einem anderen Weg in das Morgenland zurück. In seiner Predigt spricht der Pfarrer darüber: „Dass schon viele Generationen dem Stern von Bethlehem gefolgt sind und jetzt sind wir dran. Es gibt verschiedene Zugänge zu dem Ereignis. Da ist Herodes, der Mann der Provinz, den alles Neue ängstigt, bei dem sich alles nur um ihn selbst dreht, um seinen Machterhalt. Die Angst, neben dem wahren Licht zu verblassen, trotz großartiger Bauwerke. Dann sind da die Sterndeuter, internationale Wissenschaftler. Sie sind offen für Neues, sie erkennen im Stern eine Botschaft der Natur, die hindeutet auf den Messias, auf das wahre Licht. Auf der Suche nach der geheimen Wahrheit sind sie gemeinsam weiter vorgedrungen als alle Egoisten und Herdentiere. Jeder kann aufbrechen, um den wirklichen Jesus zu finden. Amen.“
Nach dem Segen verlassen die Gläubigen die Kirche. Sie werden nach dem „wahren Stern“ suchen. Der künstliche Weihnachtsstern in der Fußgeherzone wird es nicht sein, er wird mit heutigem Tag abgeschaltet.
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Aus dem Tagebuch von Franz S., November 2008
PILGER:splitter I
Im Gailtal liegt der erste Schnee, so glaubt man wieder an weiße Weih-nachten. Zurzeit hat man den Glauben an die Wirtschaft, an die Kaufkraft verloren, da kommt eine Romreise zur rechten Zeit. Die Vorsorgepläne brechen ein, die Fonds verlieren an Wert, jetzt steht der Zusammenhalt in der Pfarrgemeinde im Vordergrund, nicht die Zeremonien. Es gibt begabte Zeremonienmeister. Für die Pilgerreise nach Rom erwartet man sich schö-nes, warmes Wetter. Ist man mit einer Reisegruppe unterwegs, hofft man auf nette Leute. Es ist gut, sich auf das Reiseprogramm, Romreise mit Papstaudienz und Christbaumillumination, einzustimmen: „Montaigne, Ta-gebuch einer Reise durch Italien“. Hat man Haustiere, so stellt sich die Frage, wer versorgt in der Abwesenheit die Katzen, Charly und Undine. Die Absicht sie in Pflege zu geben, schlägt fehl. Dort geraten sie sich in die Haare und versperren sich gegenseitig den Zutritt zum Fressen und zur Katzentoilette. Sie wollen nicht auf ihren gewohnten Komfort verzichten. Zurück an den Start.
Im Bus gibt es nach der Abfahrt eine Begrüßung, das erste Gebet und die ersten Informationen. In Rom leben Hunderte Leute davon, dass sie Tou-risten die Handtaschen, die Brieftaschen, die Handys und andere Wertge-genstände stehlen. Vorsicht vor den Taschendieben! Nehmen wir die War-nung vor den Taschendieben zu genau, dann verlieren Hunderte Menschen ihren Arbeitsplatz. Beim Busstop in der Nähe von Padua lernen wir die ita-lienische Gepflogenheit, zuerst bei der Kassa zahlen dann zur Theke, ken-nen. Cappuccino und Mortadellasemmel, Euro 3.70. Vorbei an Feldern mit Kraut- und Salatköpfen fahren wir weiter in Richtung Bologna. Dort herr-schen ein verwirrendes Straßennetz von Auffahrten, Abfahrten, Ober- und Unterflurtrassen, zwischen den Häuserschluchten und über die Häuser hinweg. Die Straße über den Apennin zeigt ihr wildes Gesicht, stark befah-ren, kurvenreich, tunnelreich und leichter Schneefall. Auf der Straße ist ein Unfall, es kommt zu einem Stau. Es wird dunkel und wir stehen noch immer im Stau. Man fängt an zu träumen: Es schneit intensiver, die Brat-würstel und die Getränke gehen aus, das Benzin geht zu Ende, es wird kalt im Bus. Wir sind am Apennin eingeschneit und niemand weiß davon.
Durch die Toskana verläuft die Autobahn geradeaus. Die Lichter der Häu-ser, der Dörfer strahlen in das Businnere. Die Lichter in unseren Herzen, alles eine Frage der Organisation. Wir sind froh, als wir im Pilgerhaus am Stadtrand von Rom ankommen, und unsere Zimmer beziehen. Zum A-bendessen versammelt sich die ganze Reisegesellschaft im großen Speise-saal. Unser Tisch steht im Sektor B. Die Gespräche mit den Tischnach-barn, wer ist was in der kath. Kirche in Kärnten.
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Am nächsten Morgen fahren wir mit dem Bus in das Zentrum von Rom. Eine Frau im Pelzmantel führt zwei Hunde an der Leine, gekleidet in lila Mäntel, zum Morgenspaziergang. Die Lücken zwischen den langsam vorwärts fahrenden Autos benützen die Mofafahrer für eine Slalomfahrt. Am Petersplatz nehmen das Stimmengewirr, die Hektik und das Gedränge vor der Personenkontrolle zur Audienzhalle zu. Alles auf das Laufband, Handtasche, Brusttasche, Handy, Fotoapparat, Kleidungsstücke mit Reisverschluss und Prüfung durch den Metalldetektor. Der Papst in einem Sicherheitstrakt. Die Audienzhalle füllt sich mit zehntausend Menschen, auf der Bühne ist ein Stuhl leer. Wie kann man sich das Kommen des Papstes vorstellen? Zuerst hört man den Jubel, den Beifall der Leute, dann sieht man den Papst auf der Bühne, größer auf einer Videoleinwand. Lesung aus dem Paulusbrief: „Hätte ich alle Schätze der Welt, aber die Liebe nicht, dann wäre ich nichts anderes als taubes Erz“. Ein Festakt für Rombesucher.
Zurück auf die Straßen von Rom, vorbei an hupenden Autos. Eine stark frequentierte Kreuzung, das Geräusch von einem krachenden, schleifen-den Blech. Einen Augenblick ist alles ruhig, alle Autos bleiben stehen, die Fußgeher drehen sich um. In der Mitte der Kreuzung liegen zwei gestürzte Mofafahrer. Einer richtet sich auf, der Andere liegt auf dem Bauch, das Gesicht auf den Asphalt. Er hat einen roten Helm auf. Die Räder der Mofas drehen sich weiter. Jemand klopft auf das parkende Auto der Carabinieri am Straßenrand. Die Hilfskette läuft an.
Die Busfahrt vom Pilgerhaus Frater Domus in die Innenstadt endet oft in einem Stau. Die Zeit nütze ich dazu, meine Tagebuchnotizen zu ergänzen. Die Fragen der Mitreisenden, nachdem was ich aufschreibe, werden immer drängender. Sie vermuten eine Liste und Beschreibung der besichtigten Sehenswürdigkeiten, als Ergänzung zum Reiseführer, manche die Mit-schrift von den Erklärungen der Reiseleiterin. Ich sage ihnen, alles was schon im Reiseführer steht, braucht man nicht zu wiederholen. An die verschiedenen Kreuzungen kann ich mich nach zwei Tagen gut erinnern. Der Autoverkehr ist ein Kreuz, das wir uns selbst gezimmert haben, jetzt müssen wir mit diesem Kreuz leben. Die Krise der Autoindustrie verlangt von jedem ein Opfergeld.
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Das Römische Reich hat in seiner Hochblüte Bauwerke für Massen errich-tet, wie das Kolosseum und das Pantheon. Triumphbögen für die siegrei-chen Kaiser. Beim Triumphzug ist der Kaiser von einem Sklaven an seine Sterblichkeit erinnert worden: „Bedenke Mensch, dass du Staub bist und zum Staube wiederkehrst“. Sind große Plätze und Bauten gefragt, oder der gute Umgang untereinander. Einen guten Überblick über das Forum Romanum bietet, die Plattform des Denkmals für Vittorio Emanuele II. Ein Bauwerk ohne öffentliche Funktion, ein repräsentatives Bauwerk, als Ge-genstück zu den Sakralbauten. Vor dem Pantheon warten die Fiaker auf Touristen, die freien Stühle vor den Cafés auf die Gäste. Die Caféeingänge sind mit Weihnachtsgirlanden reichlich verziert. In der engen Gasse sitzt ein Bettler mit verkrüppelten Beinen auf dem Steinpflaster, jeder muss darüber steigen. Die Jungen es-sen, auf der Brunnenstiege sitzend, die Nudeln aus einem Plastikteller. Um die Lesachtaler Blaskapelle bildet sich ein Kreis von Menschen und die Polizei hört mit.
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PILGER:splitter II
Am dritten Besuchstag wird der Petersdom besichtigt. Nach einer Stunde Wartezeit bei strömenden Regen und umschwärmt von Regenschirmver-käufern, ist man bei der Sicherheitskontrolle angelangt. Der Petersdom überrascht innen mit seiner Größe, diese Größe beeindruckt. Wozu diese Größe, eine Machtdemonstration für wen? Ein Papstgrabmal reiht sich an das Andere, das Kirchenschiff nimmt kein Ende. Es wird unterbrochen von der Kuppel, ein Blick in den Himmel. Einmal kommt der Hauptaltar. Ein Prunkbau der Päpste, den Ort zum Beten muss man suchen. In der Kirche stehen Gerüste und Kräne, Bauarbeiter auf einer Baustelle. Der Hubstap-ler transportiert Stühle ab. Die Reisegruppen werden von den Straßenverkäufern belagert. Bei Schön-wetter bieten sie Schals, Taschen und Postkarten an, bei Schlechtwetter Regenschirme und Rosenkränze. Manche versuchen es im Dialekt, „alles saubillig“. Für die Mittagspause wird ein gutes Speiselokal angepriesen, ein dreigängiges Menü um € 12.--. Das gemeinsame Mittagessen wird ein-zeln abgerechnet, beim Zahlen hört sich die Nächstenliebe auf. Vor jeder Basilika und antikem Bauwerk die Verkaufsbuden: Kerzen mit dem Bild vom Petersdom und dem Papst; heilige und antike Statuen; Schneekugeln und Souvenirteller; Rosenkranz; Honig und Likör; Kalender mit Bildern von Michelangelo; Aufnahmen von Benedikt XVI; Bildbände von Rom. Das südliche Leben spürt man am Platz der spanischen Treppe und rund um den Trevibrunnen. Hier vermischen sich die Römer mit den Besuchern. In die nahegelegene Einkaufsstraße kommen Russinnen mit dem Taxi zum Schoppen, für dreißig- bis fünfzigtausend Euro pro Einkauf. Es gibt in Rom antike, heilige, gefährliche und teure Orte. Ein Ort der Buße ist die heilige Treppe, herbeigeschafft aus Jerusalem, die nur kniend betreten werden kann. Die Gläubigen forderten in der frühchristlichen Zeit Beweise dafür, dass Jesus gelebt hat. Es gibt Reliquien vom Blut Christi oder Stücke von der Krippe aus dem Stall in Bethlehem. Steigen die Pilger aus ihren Komfortbussen aus, werden sie von bloßfüßi-gen Kindern und Frauen mit einem Baby am Arm, um eine Spende er-sucht. Im Innenhof der Basilika St. Paul vor den Mauern probt der Chor aus dem Lesachtal unter Palmen, bei 12 Grad plus, Weihnachtslieder. Vor der Kirche steht zwischen den Pinien der Christbaum aus Kärnten, daheim gibt es fünfzig Zentimeter Neuschnee. Für die Besucher gibt es Villacher Bier mit dem Papstkonterfei. Kommt man am Abend in das Pilgerhaus Fraterna Domus zurück, sehen wir von Weitem ein leuchtendes Kreuz und die Lichter der Vorstadtsied-lungen. In der Eingangshalle vom Pilgerhaus zeigt ein großes Ölbild den gekrümmten, zusammengekauerten Papst Paul II. In einer Ecke am Platz vor dem Hauptgebäude steht ein Stall, eine Krippe, mit lebensgroßen Fi-guren. Josef stützt sich auf einen Stock und schaut ungläubig auf das Kind in der Krippe, Maria zieht den Mantel vor der Brust zusammen, ihr ist kalt. Ein Hirte hält ein Schaf in seinen Händen, ein zweites Schaf ist zu seinen Füßen. Auf dem Feld brennt ein Feuer. Vor der Krippe kniet ein Engel mit ausgebreiteten Flügeln und lächelt das neugeborene Kind an. Eine Frau, mit einem Wasserkrug auf dem Kopf und einem Kind am Arm, geht vor-bei. Vor dem Stall ist ein Ziehbrunnen. Dieses lächelnde Kind, unter einfa-chen Umständen geboren, hat mit seiner Botschaft die Welt verändert. Prunkbauten und Kunstschätze waren nicht notwendig.
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Aus dem Tagebuch von Franz S. 2.12.2007
KIRCHEN . BABY
Feiert ein Mensch seinen vierzigsten Geburtstag dann sagt man, sie/er befindet sich im bestem Alter. Gibt es diese Geburtstagsfeier aus Anlass der Errichtung einer Kirche, dann spricht man von einem „Kirchenbaby“. Am erstem Adventsonntag versammelten sich die Menschen in der Kirche Völkendorf zum Festgottesdienst für ein vierzigjähriges Baby. Vor vierzig Jahren wurde die Kirche erbaut und eingeweiht. Für eine Kirche ist dies kein Alter. Der Gottesdienst beginnt mit einem Sturm und Wasser strömt in die Kirche, darauf ein wackliges Boot, die Arche Noah. Noah brachte die Tiere auf das Boot um sie vor der Sintflut zu retten. Heute sind es Plüschtiere, Affen, Zebras , Löwen, Katzen, Pferde welche die Erstkommunionkinder in das Boot legen. Das schwankende Boot erinnert viele Besucher daran, dass man auf wackligem Boden steht. Das Villacher Becken ist schon mehrmals von Erdstössen erschüttert worden und die Wohnblöcke in Völkendorf haben geschwankt. Das Geschirr und die Gläser im Küchenkasten haben geklirrt, Bilder und Bücher sind von der Kommode auf den Fußboden gefallen. Wer erlebt hat, wie die Erde grollt und die Häuser bei einem Erdbeben knirschen, verliert das Vertrauen in die Erde, die uns trägt. Die Morgensonne scheint in den Kirchenraum und das Boot ist am Altar gestrandet. Es braucht viel Sonne und Kreativität für das Wachstum der Pfarrgemeinde.
In der Predigt sagte Dechant Astner: „ Advent ist die Ankunftszeit des Herrn. Man soll wachsam sein, man weis nicht wann der Herr kommt. Wachsam sein im Weihnachtstrubel, in den Einkaufszentren, dass man trotz der vielen Lichterketten die Nöte des Nächsten nicht übersieht. Die Verbindung schaffen zwischen Christusverehrung und Menschenachtung.“ Überqueren wir eine Strasse schauen wir in zwei Richtungen, nach links und nach rechts. Das Leben ist das Überqueren einer vielbefahrenen Strasse, von der Geburt gehen wir auf die andere Straßenseite, auf den Tod zu. Um auf der anderen Seite heil anzukommen braucht es einen Lotsen.
Auf das Geburtstagskind ein Glas Sekt trinken.
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Aus dem Tagebuch von Franz S. 30.9.2007
ZAPFSÄULE . GOTTES
Sind die Bänke der weitläufigen Kirche in Völkendorf alle besetzt, dann findet ein besonderes Ereignis statt. Am letzten Sonntag im September versammelten sich Firmlinge, Firmpaten, Eltern und Gläubige zur Firmung in der Kirche zur Heiligsten Dreifaltigkeit. Die Firmlinge kommen in ihren schönsten Kleidern und Anzügen, vom coolen und lässigem Alltagsgehabe der Jugendlichen bleibt wenig übrig. Mit einem braven Blick und Erstaunen über das eigene Äußere breitet sich in den ersten Reihen eine gewisse Spannung aus. In den hinteren Reihen sitzen die Großeltern mit einem stillem Lächeln im Gesicht. Die Sakristeitür öffnet sich und vor den Ministranten, dem Ortspfarrer und dem Zelebrant, dem Bischofsvikar, wird ein Babykorb mit einem Baby hereingetragen. Zu Beginn der Messfeier spricht der Pfarrer vom Hereinholen der Menschen in die Kirche, freiwillig kommen wenige. In der Bibel wird von einem Gastmahl erzählt wo niemand von den geladenen Gästen kommt, und dann der Herr seine Diener ausschickt um Fremde von der Strasse zum Gastmahl zu bitten. Vielleicht sind die Kirchentore oft verschlossen, man schließt die Türen vor zufällig Vorbeikommenden, vor Neugierigen. Seitlich vom Altar sitzt die junge Familie mit dem Baby und als die Eltern gebeten werden Eva, sie wurde vor einer Woche getauft, den Kirchenbesuchern zu zeigen, braust spontan Applaus auf. Die kleine Eva strahlt in die Menge und genießt es im Mittelpunkt zu stehen. Sie wäre keine Eva, wenn es anders wäre. Gleiches habe ich im Dom in Gemona am Dreikönigstag erlebt. Dort wurden während des Hochamtes die Neugetauften des vergangenen Kirchenjahres mit Namen der Pfarrgemeinde vorgestellt, manche waren Babys, andere Kleinkinder. Jedes wurde mit Beifall begrüßt. Aperto, die Grenzen sind nicht nur im normalen Leben durchlässiger geworden, sondern auch in der Kirche.
Vor der Spende der heiligen Firmung erinnerte sich der Bischofsvikar in der Predigt daran, dass er kurze Zeit in Völkendorf als Kaplan tätig war, zur Zeit als der Kirchenraum ausgestaltet wurde. Es gab einen Disput zwischen dem damaligem Pfarrer und dem Künstler Schneeweiss über die Darstellung der „Heiligen Dreifaltigkeit“ an der Stirnseite der Kirche. Wer weis etwas endgültiges über die Dreifaltigkeit, über ihr Aussehen, alles ist Symbol für die Marke Gott. Das Sakrament der Firmung ist eine Handlung des Heils, es soll den jungen Menschen ein heiles Leben ermöglichen. Alle Sakramente werden nicht um Gotteswegen gespendet, sondern um des Menschen willen, für ein unversehrtes Leben. Der Prediger sprach von der „Zapfsäule Gottes“, wo wir die Möglichkeit haben kostenlos Kraft zutanken für den Alltag und hielt zur Veranschaulichung einen Zapfhahn von einer Zapfsäule in die Höhe. An der „Zapfsäule Gottes“ kann man geistlichen Sprit tanken. Es war ein Zufall, dass an diesem Sonntagvormittag in Kärnten die Möglichkeit bestand, bei den Landestankstellen zu einem günstigen Preis Diesel zu tanken. Hat man die vielen Autos vor der Kirche gesehen, dann hätte man annehmen können, hier befindet sich eine der Billigtankstellen.
Der Bischofsvikar sprach von den Aufgaben des Pfarrers als Seelsorger, von dem Sakrament der Beichte als kostenlose Psychotherapie, wo dem Menschen Vergebung erteilt wird. Vielleicht gibt es die Möglichkeit die Angebote der Kirche in Form eines Gutscheinheftes an die Gläubigen heranzutragen, in jeder Pfarre einlösbar. Während der Firmungsspende erklangen spirituelle Lieder, die Sonnenstrahlen fielen auf das Mosaik von der Heiligen Dreifaltigkeit. Der Blitz vom Mosaik bohrte sich tief in den Altarraum, die Firmlinge standen im Blitzgewitter der digitalen Fotoapparate.
Die spirituelle Zapfsäule Völkendorf.
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Aus dem Tagebuch von Franz S. (18.02.2007)
FASCHING.SONNTAG
Villach bezeichnet sich als Narrenhochburg. Zu Beginn des Jahres dreht sich alles um den Fasching und endet am Faschingsamstag mit einem großem Faschingsumzug. Dass dies in ganz Österreich bekannt ist, dass glauben alle Villacher. Die Fernsehübertragung der Villacher Faschingsitzung erreicht hohe Zuschauerzahlen, nur übertroffen von Sendungen zur Nationalratswahl oder Natascha Kampusch wird interviewt. Nationalratswahlen finden in Zukunft nur alle fünf Jahre statt und die Interviews mit Natascha Kampusch werden weniger.
Diesem närrischem Treiben kann sich die Kirche in Völkendorf nicht verschließen und so gibt es am Faschingsonntag für alle, die am Faschingsumzug nicht teilgenommen haben oder vom Faschingstreiben noch nicht genug haben, eine Faschingmesse. Die Einladung verspricht Stars wie zum Wiener Opernball, erwartet werden Santana, Bob Marley, Emerson, u.a. Zum Tanz, gemeint ist zur Messe, spielt eine tolle Faschingsband. Verkleidung ist erwünscht aber nicht vorgeschrieben. Für alle, die das ganze Jahr eine Maske tragen auch nicht notwendig. Es sind alle Narren willkommen, ob mit oder ohne Verkleidung. Mein Inneres kann ich schlecht verbergen, deshalb möchte ich mich verkleiden. Die erste Idee ist, ich gehe als Mafiosi, dazu könnte ich meine Sonnenbrille tragen. Da ich keinen üppigen Haarwuchs, aber auch keine Glatze habe und ein schlechter Schütze war, verwerfe ich diese Idee. Im Keller suche ich nach dem Karton mit der Aufschrift "Fasching", darin sind die Utensilien für einen Seeräuber. Ob in der Kirche ein Goldschatz versteckt ist?, die Kirchenmäuse wüssten wo. Beim Suchen fällt meine weiße Kappe aus dem Schrank. Mit der weißen Kappe und der Sonnenbrille verwandeln ich mich in den DJ Ötzi.
Dem Besuch der Faschingmesse steht nichts mehr im Wege, außer der Fußmarsch. Vor der Kirche sagt ein Jugendlicher: "Schauts do kummt da Ötzi ." Andere Kirchenbesucher konnten sich wohl nicht zwischen verschiedenen Verkleidungen entscheiden und haben das Sonntagsgewand gewählt. Die Faschingsband in ihren Kostümen hat schon Aufstellung genommen. Die flotte Musik und der Pfarrer als Rocksänger sorgen für Stimmung während der Messe. Manche folgen mit irritiertem Gesichtsausdruck der Musik und dem Gesang. So kommen sie zur ihrer Gesichtsmaske. Andere Masken sind spärlich zu sehen, ein paar Prinzessinnen und Cowboys hätten der Stimmung gut getan.
Während der Messfeier sah man den einen Fuß und die andere Hüfte bei der Musik mitwippen und mitschwingen. Im Evangelium ist von der Liebe die Rede, das passt gut in die Faschingszeit, da fällt das Wort "ich liebe dich" öfter und leichter als sonst. Nach der Messe wird es richtig fröhlich in der Kirche. Gott muss den Menschen aus Fröhlichkeit erschaffen haben, ob er dabei schon an den Villacher Fasching gedacht hat?
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Anmerkungen: AUS DEM TAGEBUCH von Franz S. (24.12.2006)
Ob heute die Ministranten in der Kirche den Jugendschutzbestimmungen unterliegen weiß ich nicht. Tatsache ist, dass der katholische Priester in einem Stadtteil von Villach die Christmette um zweiundzwanzig Uhr ohne die Unterstützung der Ministranten gefeiert hat. Wir haben als Ministranten bei der Christmette, welche um vierundzwanzig Uhr begann, ministriert. Einige Jugendliche machten sich in der Kirche dadurch bemerkbar, dass sie halblaut darüber diskutierten, welches Szenelokal oder Cafe in Villach heute, am Heiligen Abend, geöffnet hat und wo sie hingehen könnten. Der Besuch der Mette war für sie nur der Treffpunkt für den weiteren Abend. Es dauerte bis zur ersten Lesung und das Problem war ausdiskutiert. Sie nützten die allgemeine Unruhe, als sich die Leute zum Evangelium von den Sitzbänken erhoben, um die Kirche zu verlassen. Gerade als der Pfarrer "ihr werdet ein Kind finden, das in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt " vorlas, fing bei einer Kirchenbesucherin ihr Baby zu schreien an. Sie trug das Baby in einem Beutel vor dem Körper unter dem Anorak. Es war gerade so, als wollte sich das Jesuskind zu Wort melden. Die Mutter versuchte das Baby durch Schaukelbewegungen zu beruhigen, dann in dem es ihm die Brust reichte. Es hörte nicht auf zu schreien. Eine Möglichkeit wäre gewesen, das Baby in die neben dem Altar aufgestellte Krippe oder in den Kinderwagen der daneben stand, zu legen. Die Kirchenöffnung wird es mit sich bringen, dass beim Verlesen des Weihnachtsevangeliums eine Geburt im Kirchenraum stattfindet. Im virtuellen Zeitalter könnte auf einer Leinwand eine Geburt aus dem Kreissaal des Krankenhauses Villach live übertragen werden.
Der Pfarrer beginnt mit der Predigt, mit der Auslegung des Weihnachtsevangeliums. Er spricht von der Menschwerdung Gottes, vom Durchbrechen der Naturgesetze, wie wir sie kennen. Heute wäre der Ort der Geburt ein Abbruchhaus in einer Wohnsiedlung in einem Vorort der Stadt. Die Menschen, welche der Geburt Christi beiwohnen würden wären heute keine Schafhirten sondern Hilfsarbeiter, Fabrikarbeiter, Teilzeitbeschäftigte und Arbeitslose. Der Satz war gerade zu Ende gesprochen als zwei Arbeitslose aus der Stadt mit offener, zerschlissener Jacke und schmutzigem Hemd in die Kirche kamen, und auf die erste Bank zugingen. Man sah ihnen das unterstandslose Leben und das sie dem Alkohol nicht abgeneigt sind, an. Am Kopf trugen sie Tirolerhüte, voll besetzt mit verschiedenen Anstecknadeln. Einer von ihnen hielt krampfhaft eine Billatragtasche umklammert, in der sich eine Schnapsflasche befand. Nachdem sie sich auf der Bank niedergesetzt hatten, nahmen sie daraus einen Schluck, um dann an der Messfeier teilzunehmen. Sie nahmen die Hüte vom Kopf, standen von der Bank auf, wenn die anderen Kirchenbesucher aufstanden und spendeten etwas für den Klingelbeutel. Sie opferten nach einer kurzen Diskussion, weil für sie war dies ein Opfer das schmerzte. Sie werden dadurch am Christtag eine Flasche Bier weniger kaufen können.
Während der Messfeier hatte sich einiges getan. Einige Jugendliche hatten die Kirche verlassen, um dort hinzugehen wo sie wirklich feiern wollten. Das Christkind hatte sich durch das Schreien des Baby zu Wort gemeldet und war nicht nur ein Figur im Weihnachtsevangelium. Die festlich gekleideten, in warme Mäntel und Pelzstiefel gehüllten Kirchenbesucher hatten mit dem Auftauchen der Unterstandslosen eine Vorstellung bekommen, welchen Ort und welche Menschen sich der Heiland heute ausgesucht hätte, wenn er wiedergeboren würde. Es wäre nicht die mit Designermöbel ausgestatte Eigentumswohnung mit Fußbodenheizung und mit schöner Fernsicht gewesen. Durch diese Ereignisse ist in der Christmette das Evangelium sichtbar geworden.
Der Pfarrer sprach in der Predigt von der Verwaltung der Bürger, der Kontrolle durch den Staat und von der Erweiterung des Leben durch Christi Geburt. Am Ende der Messfeier, nach dem Absingen von drei Strophen des Liedes "Stille Nacht, Heilige Nacht" hat der Pfarrer darauf hingewiesen, dass mit dem Opfergeld die Priesterausbildung im Süden Äthiopiens unterstützt wird. Die Arbeitslosen wünschten dem Herrn Pfarrer noch "Frohe Weihnachten" und waren sichtbar froh eine Stunde in einem geheiztem Raum verbracht zu haben, bevor sie mangelhaft bekleidet in die sogenannte "Heilige Nacht", bei minus acht Grad gegangen sind. Vorher haben sie noch einen Schluck aus der Schnapsflasche genommen um sich innerlich und geistig aufzuwärmen.
Vielleicht hätte man vom Opfergeld den zwei Mittellosen spontan einen Betrag geben sollen, auch auf die Möglichkeit hin, dass sie es in flüssige Nahrung umsetzen. Ich war am Ende der Messfeier nicht so spontan um ihnen zehn Euro zu geben. Dies ist meiner verzögerten Denkweise zuzuschreiben, ein Geburtsfehler.
Vom Leben in der Kirche.
von schlagloch, schlagloch.20six.de
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Claudia K. (4.12.2006) Hier ein kurzes Mail um eine positive Rückmeldung über den Pfarrbrief zu geben. Ich lese ihn immer gerne. Es steckt sicher viel Arbeit und Zeit dahinter und ich wollte mitteilen, dass Roderik und ich ihn immer gerne lesen. Es regt immer wieder zum Denken an. Ich habe gerade beim Aufräumen die Oktober Ausgabe gefunden (Du sieht der Pfarrbrief liegt immer lange am Schreibtisch).
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Franz S. (4.12.2006) Eine Reaktion auf den Kritischen Oktober 2006 zum Thema WOHNEN
WOHN . TRAUM (4.1.06) Auf der Suche nach einer Wohnung, ohne Straßenlärm und Staubbelastung, wird von einer Wohnungssuchenden vieles besichtigt und geprüft. Eine passende Wohnung zu finden wird zu ihrer Leidenschaft. Wie ein Stier auf ein rotes Tuch zuläuft, so laufen alle Aktivitäten auf die Wohnungssuche zu. Es gibt keine Argumente welche für die Beibehaltung der jetzigen Wohnung sprechen, alles spricht dagegen. Alle Tätigkeiten werden der einen Tätigkeit, der Wohnungssuche, untergeordnet. Alte Verbindungen werden gelöst und neue Verbindungen mit Menschen geknüpft, welche auf Wohnungssuche sind. Es ist wie die Abkehr von einer Religion zu einer Sekte. Für alle Einwände gibt es das eine Wort, glauben. Gegen dieses eine Wort ist die Vernunft machtlos. Der Wohnungsmakler, sprich Priester, hat die besseren Argumente. Am Ende des Traumes verwandelt sich der Immobilienmakler in einen Sektenpriester. Es ist der 1. Januar 2006. Vor 150 Jahren wurde Freud geboren.
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