| Festakt anlässlich der Segnung der neuen Räume des Klagenfurter Domkapitelarchivs am 17. Dezember 2004 |
| Fotos und Auszüge aus der Festrede von Archivleiter Univ.-Doz. Dr. Peter G. Tropper zur Nachbetrachtung: |
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Diözesanbischof Dr. Alois Schwarz segnete die neuen Archivräume. Links: Die Präsidentin des Geschichtsvereins für Kärnten, Dr. Claudia Fräss-Ehrfeld und Archivleiter Univ.-Doz. Dr. Peter G. Tropper |
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| Ehrengäste aus Politik und Wissenschaft und Kirche waren zum Festakt gekommen ... |
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| Begrüßung: Dompropst Dr. Olaf Colerus-Geldern |
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| Grußwort: Landesarchivdirektor Dr. Wilhelm Wadl |
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| Einleitung: Univ.-Prof. Prälat Dr. Karl Heinz Frankl |
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Das Gurker Domkapitel und sein Archiv
Dokumentation der geringfügig gekürzten Festrede von Univ.-Doz. Dr. Peter G. Tropper anlässlich der feierlichen Segnung der neuen Räumlichkeiten des Archiv des Gurker Domkapitels in der Klagenfurter Mariannengasse. |
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| Univ.-Doz. Dr. Peter G. Tropper |
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„In kurzen Zügen möchte ich versuchen, einen knappen Begriff von der Einrichtung des einst adeligen Domstiftes Gurk und nunmehrigen Gurker Domkapitels zu geben und Ihnen anschließend das Archiv dieser Institution, die immerhin seit 880 Jahren – also fast neun Jahrhunderte lang – in unserem Land besteht und wirkt, nahe zu bringen.
Wenngleich eine alte Tradition die Schaffung eines Chorherrenstiftes in Gurk der Hl. Hemma zuschreibt, ist es unbestritten, dass der Gurker Bischof Hiltepold im Jahr 1123 oder 1124 in Gurk ein Domkapitel errichtet hat. Diese Einführung der Regularkanoniker ist in engen Zusammenhang mit den Reformbestrebungen des damaligen Salzburger Erzbischofs Konrad I. zu sehen. Die Mitglieder dieses Kapitels standen in der Mitte zwischen Mönchen und Weltklerus: In ihnen zeigen sich priesterlicher Dienst und Seelsorge mit der klösterlichen Lebensform des Mönchtums verbunden. Das Lebensideal der Kanoniker lag im Wiederaufleben-Lassen der Kirche der Apostel. Gestützt wurden diese Bemühungen durch die vita communis, das gemeinsame Leben, und durch persönliche Besitzlosigkeit des Einzelnen. |
Als Richtschnur diente die Regel des Hl. Augustinus. Diese Reformkanoniker wurden unter einem geistlich erstarktem Papsttum zu Trägern einer erneuerten Seelsorge.
Auf die Geschichte des adeligen Gurker Domstiftes, das in der Regel rund ein Dutzend Chorherren stellte, ist hier nicht näher einzugehen. Nur soviel sei gesagt, dass im Zuge der Neuregulierung der Diözesen unter Kaiser Joseph II. das Augustiner-Chorherrenstift in Gurk 1787 in ein weltliches Domkapitel umgewandelt worden ist und nach Klagenfurt verlegt wurde.
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Dieses Domkapitel in Klagenfurt fungiert als wichtigster Beirat des Diözesanbischofs und unterstützt diesen in der Regierung und geistlichen Verwaltung der Diözese. Nach dem gegenwärtigen Kirchenrecht sind die Aufgaben eines „Collegium consultorum“ dem Domkapitel übertragen, das derzeit aus einem Dompropst, einem Domdekan und 5 Domkapitularen besteht. Die Mitglieder des Kapitels, exemplarische und ausgezeichnete Geistliche, waren und sind zur Assistenzleistung des Bischofs bei den feierlichen Bischofsgottesdiensten in der Domkirche zu Klagenfurt verpflichtet.
Meine Damen und Herren, Sie können sich vorstellen, dass eine derart ehrwürdige Einrichtung wie das adelige Domstift Gurk, das in das Gurker Domkapitel überging und zudem über ausgedehnten Güterbesitz verfügt hat, im Laufe der Zeit erhebliche Mengen an Schriftgut, an Akten, an Amtsbüchern, an Urkunden produziert hat. Der Verwahrung und Erhaltung dieses Schriftgutes über die Jahrhunderte hinweg bis in die Gegenwart dient das Domkapitel-Archiv, als Gedächtnis der kirchlichen und weltlichen Administration einer Einrichtung, die ich nicht anstehe, als Herz der Kärntner Kirche zu bezeichnen. Als Herz der Kirche, das während langer Zeiten – man denke nur an die oft lange Abwesenheit der Bischöfe im Dienst der Landesfürsten – das kirchliche Leben in der Diözese aufrecht erhielt und die eigentliche Leitung des Gurker Kirchensprengels wahrnahm. |
Das Archiv des Kapitels wird urkundlich erstmals im Jahre 1468 genannt, hat aber zweifellos schon in den vorangehenden Jahrhunderten bestanden. Im 18. Jahrhundert wurden das Wirtschaftsarchiv und das geistliche Archiv neu geordnet und mit entsprechenden Verzeichnissen ausgestattet. Seit dem 16. Jahrhundert wurde das Gurker Archiv immer wieder von Historikern aufgesucht, die das reiche Quellenmaterial für ihre Forschungen nutzten. Der Bogen reicht von Wolfgang Lazius über Marcus Hansiz, Wilhelm Wattenbach und Joseph von Zahn bis zu August von Jaksch und Friedrich Hausmann, um nur einige bedeutende Forscher zu nennen.
Eng verknüpft mit der Geschichte des Gurker Archivs ist jene der alten Gurker Bibliothek mit über 3450 Bänden, darunter mehr als 200 Inkunabeln und 254 Frühdrucken bis zum Jahr 1550. Am Rande darf erwähnt werden, dass die Kapitelbibliothek auch über ein Exemplar der Schedel’schen Weltchronik aus dem Jahr 1493 verfügt. Die ältesten Drucke stammen aus der Zeit um 1466. Erschlossen ist die Bibliothek durch Kataloge aus dem Jahr 1766. |
Die Obsorge für diese Bestände, die in den Räumlichkeiten des Gurker Hauses in der Pernhart-Gasse untergebracht waren, wurde dem Archiv der Diözese Gurk am 11. Juni 2002 anvertraut; der Grund dafür lag in einem personellen Wechsel: Frau Dr. Alice Meir, die Archiv und Bibliothek des Kapitels mehr als zwei Jahrzehnte lang betreut hatte, trat in den Ruhestand. Freilich erwies sich die ehrenvolle Betrauung bald auch als mit Konsequenzen verbunden, die zunächst gar nicht kleine Probleme verursachten. Nach einer ersten Phase des Lokalaugenscheins wurde rasch klar, dass sich die Übernahme der Obsorge als ein klassischer Fall von angewandter Archivpflege auswirkte. Im Jargon der Archäologie müsste man wohl von einer Notgrabung sprechen: Das Material war in den um 1750 dafür angefertigten hölzernen Archivschränken aufbewahrt, die Mehrzahl der Pergamenturkunden in der originalen Verschnürung aus den 1770er Jahren gebündelt. Die Handschriften füllten mehr als die ursprünglich dafür vorgesehene Regallänge und die Akten des 19. und 20. Jahrhunderts waren mangels anderer Möglichkeiten in Bananenschachteln und ähnlichen Behältnissen untergebracht. Platz für Ordnungsarbeiten stand nicht zu Verfügung.
Kurzum: Die Situation stellte eine enorme Herausforderung für einen Archivar dar, vor allem unter dem Gesichtspunkt, dass die jüngsten Findmittel zu den Archivalien an die 250 Jahre alt waren. |
Ohne Sie mit Einzelheiten belasten zu wollen, kann man sagen, dass am 4. Oktober 2002 vom Gurker Domkapitel die maßgebliche Entscheidung getroffen wurde, sein Archiv dem Archiv der Diözese Gurk anzugliedern und sich finanziell am dafür erforderlichen Ausbau des Dachgeschosses in der Mariannengasse zu beteiligen. Dieser Ausbau wurde nach einem Vorentwurf von Mag. Robert Kluger, einem Mitarbeiter des Archivs der Diözese Gurk, unter der Aufsicht und Projektbetreuung der Bauabteilung des bischöflichen Ordinariats (zu nennen sind hier Dipl. Ing. Friedrich Breitfuss und Ing. Hans Leitner) durchgeführt. Die Arbeiten zur Adaption in der Mariannengasse dauerten von Mai bis Juli 2004. Dabei wurden im Trockenbau-Verfahren ein Depot und zwei Arbeitsräume geschaffen. Das Depot wurde mit Stahlregalen bestückt und bietet eine Ablagefläche für knapp 1100 Laufmeter Archivgut. Die schon bestehenden Sicherungsanlagen wie Raumsicherung und Brandmeldeanlage wurden entsprechend den neuen Räumen erweitert und im November 2004 auf den Stand der Technik gebracht. Investiert wurde dafür insgesamt eine Summe von rund 78.000 Euro, also etwa 10% mehr, als für die Durchführung einer einzigen Ausstellung im Museum moderner Kunst Kärnten veranschlagt wird.
Die Übersiedlung und Neuaufstellung der Bestände konnte – unterstützt von zwei Praktikanten – im September und Oktober durchgeführt werden. Es handelt sich bei diesen Beständen um rund 1550 Urkunden ab dem Jahr 1182, um über 850 gebundene Handschriften vom 15. bis zum 20. Jahrhundert sowie um rund 600 Archivalienkartons und Faszikeln mit Aktenmaterial aus der Zeit vom 15. bis zum 20. Jahrhundert. Insgesamt also wurden rund 2900 Archivalieneinheiten und knapp 3500 Bücher von den Räumlichkeiten in der Pernhartgasse in die Mariannengasse überstellt. |
| Bereits vor der Übersiedlung war eine Bestandsübersicht anzulegen. Das Inventar für die Handschriften und Akten umfasst an die 100 Seiten und wird in Kürze über das Internetportal der kath-kirche-kaernten.at abrufbar sein. Von den 1550 Urkunden sind bis jetzt 1405 Stück regestiert, die Anfertigung der übrigen 150 Regesten wird in nächster Zeit erfolgen. Zudem stehen die regestierten Urkunden auch in digitaler Form zu Verfügung, sodass höchstmöglicher Schutz der kostbaren Originale ab 1182 gewährleistet ist. Auch dieser Urkundenbestand wird in absehbarer Zeit über das Internet benutzbar sein." |
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| Fotos: Internetreferat der Diözese Gurk |
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| >> zum Text der Presseaussendung |
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