“Ich war vom Engagement der Schülerinnen, ihrem Fleiß, ihrer Fröhlichkeit und ihrem Glauben tief beeindruckt!“
Die Schülerinnen (Form 1) und ihr Mathematiklehrer (© Foto: Oberlerchner)
Mit dem Afrika-Reise-Virus wurde ich schon als kleines Kind angesteckt. Mein Großvater war einige Jahre als Missionar in Afrika tätig gewesen und auch drei meiner Tanten hatten als Ärztinnen bzw. Krankenschwestern in verschiedenen Ländern Afrikas gearbeitet. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass wir als Kinder die Briefmarken aus den verschiedenen Ländern Afrikas sammelten und bestaunten. Die kleinen Bilder gaben Einblick in eine fremde und faszinierende Welt mit exotischen Pflanzen und Tieren und anderen Kulturen.
Als Schwester Josefi vor einigen Jahren bei meinen Eltern auf Besuch war und von dem Projekt der Mädchenschule in Tansania erzählte, war ich begeistert und fragte sie, ob sie dort auch Gebrauch an Mathematiklehrern hätten. Sr. Josefi war von der Idee begeistert, da die Mädchen gerade in den naturwissenschaftlichen Fächern Unterstützung brauchen würden. So war also die Idee geboren und im vergangenen Herbst machte ich, wie man so sagt, „Nägel mit Köpfen“ und nahm mit dem Verein Kontakt auf. Einige Tage darauf hatte ich bereits meinen Flug gebucht. Das Abenteuer konnte beginnen …
Am 3. Juli, zwei Tage nach Schulschluss in Österreich ging es dann schließlich los. Und am 4. Juli landete ich sicher in KIA, wo mich Sr. Alida und Sr. Angelina empfingen. Die erste Woche war noch schulfrei, so dass ich in Ruhe einmal ankommen und das Umfeld erkunden konnte. In der Woche darauf kamen schließlich die Schülerinnen und ich begann meine Tätigkeit als Nachhilfelehrer. Ich hatte jeden Nachmittag eine Gruppe Schülerinnen aus den Klassen 1-3 (entspricht bei uns der 8-10 Schulstufe) mit denen ich Aufgaben besprach und übte. Später bekam ich noch zwei 1. Klassen, die ich sogar regulär unterrichtete (alles auf English, denn die Secondary Schools in Tansania werden alle auf Englisch geführt).
Ich war vom Engagement der Schülerinnen, ihrem Fleiß, ihrer Fröhlichkeit und ihrem Glauben tief beeindruckt. Den fröhlichen und lauten, von Trommeln begleiteten Gesang der Mädchen bei den morgendlichen Messen habe ich immer noch im Kopf und als eine der schönsten Erinnerungen behalten. Ebenso gern und wehmütig denke ich an die gemeinsamen Essen und Gespräche mit den Schwestern, die immerzu besorgt um mich waren, dass ich ja genug esse (was ich auch tat!).
Wenn ich am Abend durch das Gelände ging, waren da immer Schülerinnen unterwegs, mit denen ich dann oft in Gespräch kam. Sie fragten mich über Österreich und meine Familie aus und erzählten mir, von wo sie waren, über ihre Familie und über ihre Pläne für die Zukunft. So traf ich zukünftige Ärztinnen, Ingenieurinnen, Anwältinnen, eine Mathematiklehrerin (!), Luftfahrttechnikerinnen und viele mehr. Ich hoffe und bete, dass sich all diese Wünsche erfüllen mögen und den Mädchen eine gute Zukunft beschert sein möge. Einen guten Start können sie zweifelsohne in Visitation hinlegen, denn dafür sorgen die acht Schwestern und das Team von über zwanzig Lehrerinnen und Lehrern, die unermüdlich und voller Einsatz Tag und Nacht für die Mädchen und die Schule arbeiten. Es war einfach toll mitzuerleben, wie Schwestern, Lehrerinnen und Lehrer und die Schülerinnen gemeinsam an diesem Ort zusammenleben, lernen und arbeiten.
Die Schülerinnen sind sehr fleißig und lernen jeden Tag bis spät in die Nacht, oft nur mit Taschenlampen, denn die staatliche Stromversorgung funktioniert sehr schlecht und der Strom wird alle paar Stunden für mehrere Stunden abgedreht. So sitzen die Mädchen dann im Dunkeln! Leider gibt’s auch dort Rückschläge und Enttäuschungen, denn nicht alle der Mädchen schaffen die (wirklich sehr, sehr anspruchsvollen) staatlichen Tests am Ende des Jahres. Gerade in den naturwissenschaftlichen Fächern haben die Mädchen oft Schwierigkeiten. Aus diesem Grund hoffe ich, dass die Mädchen ein wenig von den Förderkursen profitieren konnten. Ich jedenfalls von meiner Zeit in Visitation profitiert.
Lukas Oberlerchner

SCHLIESSEN


by ilab crossmedia