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Samstag

24.09.2011

Herbsttagung in St. Georgen

 
 
 

Veröffentlicht von:

Behelfsdienst - Diözesanbibliothek / JL

Tagung der APS-ReligionslehrerInnen am 8. 9. 2011 mit Univ. Prof. Dr. Hans-Ferdinand Angel

„Ist Glaube ein religiöses Phänomen?“

Unter dem Jahresthema des Studienjahres 2011/12 der KPHE „mensch.werden“ fand am 8. September 2011 die traditionelle Herbsttagung der Religionslehrerinnen an allgemeinbildenden Pflichtschulen im vollbesetzten Festsaal des Bildungshauses St. Georgen am Längsee statt.

Nach der spirituellen Einstimmung durch den geistlichen Assistenten Dechant Johannes Pichler, der die Religionslehrkräfte ermunterte, sich nach dem Beispiel Jesu von den SchülerInnen anrühren und auch stören zu lassen, wies SAL Dr. Birgit Leitner in ihrem Grußwort auf das pastorale Anliegen unseres hwst. Bischofs hin „Mit Gott den Menschen nahe zu sein“ und ermunterte zugleich zu einem authentischen Lebenszeugnis. Als FachinspektorInnen neu bestellt wurden Mag. Maria Perne für den zweisprachigen Religionsunterricht und Dipl. Päd. Michaela Felfernig in Vertretung von FI Andrea Kerschbaumer.

Rektor Dr. Franjo Vidović stellte nach seinem Grußwort den Referenten der Tagung vor: Univ. Prof. Dr. Hans-Ferdinand Angel, Professor für Religionspädagogik und Dekan an der Katholisch-Theologischen Fakultät UNI Graz .

Creditionen: Prozesse des Glaubens
Bei seinem im Kontext neurowissenschaftlicher Erkenntnisse und Begriffe erarbeiteten Thema „Glauben-Können als Kern von Persönlichkeit“ erläuterte Prof. Angel in drei Referaten den Begriff der „Creditionen“ als „Weg zu einer anthropologisch konzipierten Glaubens-Theorie“ und machte den Unterschied zwischen Religion und Religiosität deutlich. Religiöse Anlagen und Einstellungen eines Kindes seien nicht ident mit dessen Zugehörigkeit zu einer bestimmten Religion. Glaube könne nicht wie in einem Päckchen übermittelt werden, daher sei es irreführend, von einer „Weitergabe des Glaubens“ zu sprechen.
Die Frage: „Ist Glaube ein religiöses Phänomen?“ sei mit „Ja und nein!“ zu beantworten. Glaube ist zweifellos Bestandteil von religiöser Kultur. Doch wir glauben Vieles, bisweilen ganz Unsinniges. Glaube kann den Kern unserer Persönlichkeit berühren, uns stabilisieren und erschüttern. Betrachtet man den Glauben in seiner Prozess-Gestalt, wird er als Credition bezeichnet. Als Creditionen stehen Glaubensprozesse neben Emotionen und Kognitionen, sie gehören zu den komplexesten menschlichen Aktivitäten und Fähigkeiten.
Mit den Begriffen „Bab“ (Sichtweise, Annahme..) und „Plop“ (Leerraum,Leerlauf..) werden diese Prozesse, die konfiguriert in Erscheinung treten, beschrieben.
Die Aussage „Ich glaube“ setzt eine Reihe von Babs voraus, die miteinander verbunden und umschlossen sind. Glaubensprozesse stellen Babkonfigurationen her und daher muss geprüft werden, ob ein weiterer Bab hineingehört oder nicht. Warum glauben wir etwas oder auch nicht? Ein „Mega-Bab“ ist etwas, was zutiefst unsere Konfiguration bestimmt und eine große Erschütterung hervorruft, wenn sich Überzeugung als unwahr herausstellt. „Ich glaube an Gott“ ist ein Mega-Bab.
Vier maßgebende Kernbegriffe bestimmen die Creditionen:
     1. Enclosure: Erschließung, Wahrnehmung,Bewertung.
     2. Converter: Handeln, Entscheidung
     3. Stabilisator: Haltung, Einstellung.
     4. Modulator: Individueller Prozess (Stärken, Schwächen..)
Creditionen haben zwei Kernfunktionen:
    1. Enclosure – Funktion. Es gibt Prozess des Umschließens und das,
        was umschlossen wird.
    2. Converter – Funtion: beschreibt die Beziehung zweischen „Enclosure“ und Handeln. Sie dient der Herstellung eines „präfigurierten Handlungsraums“. Eine bestimmte Babkonfiguration lässt bestimmte Handlungsräume zu, andere nicht. Die Kirche war oft vorschnell der Auffassung, das bestimmte Konfigurationen entsprechende Handlungen evozieren. Eine dogmatische Einsicht muss noch nicht zu einer bestimmten ethisch relevanten Handlung führen.

Interdisziplinäres Forschungsprojekt:
In Rahmen eines mehrjährigen internationalen und interdisziplinären Forschungsprojekts zum Thema „Religiosität“ (2000 – 2005), an dem Prof. Angel beteiligt ist, wurde der Creditionen-Begriff erstmals publiziert. Auch wenn die Erforschung von Creditionen eben erst begonnen hat, gehören sie mittlerweile zu den besonders faszinierenden Forschungsbereichen im Schnittfeld von Neurowissenschaft, Kognitionswissenschaft, Philosophie, Psychologie, Religionspsychologie und Theologie. Ein besseres Verständnis des Prozesscharakters von Glauben kann auch für pastorales und religionspädagogisches Handeln neue Perspektiven bringen.

Beim abschließenden Bischofsgottesdienst ermunterte Bischof Dr. Alois Schwarz die ReligionslehrerInnen, „mit Christus den SchülerInnen nahe zu sein“, damit diese eine Erfahrung der Herrlichkeit Gottes machen können, die in ReligionslehrerInnen aufleuchtet. Bezugnehmend auf das Evangelium vom Stammbaum Jesu (Mt 1,1-16) machte er die Zusage, dass Gott in der Geschichte durchgehaltener Treue, die von starken Frauen und Männern geprägt ist, uns nahe ist.

Recht beeindruckend umrahmt wurde diese Herbsttagung auch heuer wieder vom ReligionslehrerInnenchor unter der Leitung von Mag. Waltraud Leopold.

Bericht: Dr. Ludwig Trojan

Bericht von Dr. Trojan über die Herbsttagung der APS-Religionslehrerinnen in St. Georgen in der Kärntner Kirchenzeitung "Sonntag" in der Ausgabe vom 18. Sept. 2011