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06.07.2017

Kunst der Begegnung

Pastoral- bzw. Seelsorgeamtsleiter aus mehr als 40 deutschsprachigen Diözesen tagten kürzlich im Stift St. Georgen/Längsee.

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Donnerstag

06.07.2017

Von der Kunst der Begleitung

 
 
 

Veröffentlicht von:

Kärntner Kirchenzeitung - "Der Sonntag" / GerHe

Seelsorge- und Pastoralamtsleiter trafen sich in St. Georgen

Pastoral- bzw. Seelsorgeamtsleiter aus mehr als 40 deutschsprachigen Diözesen tagten kürzlich im Stift St. Georgen/Längsee. Ein Höhepunkt war der Studientag mit dem Wiener Pastoraltheologen Paul M. Zulehner zur Theologie des Papstes.
von Gerald Heschl

Prof. Zulehner, Gastgeberin und Kärntner Seelsorgeamtsleiterin Anna Hennersperger, der Sprecher der deutschsprachigen Seelsorgeamtsleiter Rolf-Peter Cremer aus Aachen, © Foto Heschl

Prof. Zulehner, Gastgeberin und Kärntner Seelsorgeamtsleiterin Anna Hennersperger, der Sprecher der deutschsprachigen Seelsorgeamtsleiter Rolf-Peter Cremer aus Aachen (© Foto: Heschl)

Aus faktisch allen deutschen Bundesländern, aus der Schweiz und Österreich waren die Leiter und Leiterinnen der Pastoralämter und Seelsorgeämter in St. Georgen zusammengekommen, um sich über aktuelle Entwicklungen in der Seelsorge auszutauschen.
Neben strukturellen Fragen, Problemen einer Seelsorge in Zeiten des Priestermangels oder Fragen des Verhältnisses von kategorialer und Pfarrseelsorge ging es auch um inhaltliche Schwerpunkte. Denn die Veränderungen, die sich im Vatikan abzeichnen, haben auch einschneidende Konsequenzen für die pastorale Arbeit in den Diözesen.
So standen die Weichenstellungen, die Papst Franziskus seit seiner Wahl vorgibt, im Mittelpunkt des Studientages, den der emeritierte Wiener Pastoraltheologe Paul M. Zulehner abhielt.
Zulehner analysierte die wichtigsten Aussagen, Texte und Enzykliken des Papstes nach zentralen Begriffen, die für die Theologie des Papstes ausschlaggebend sind. Dabei ist klar, dass die „Barmherzigkeit“ der Schlüsselbegriff ist, hat Papst Franziskus doch auch ein „Jahr der Barmherzigkeit“ ausgerufen. Zulehner spricht beim pastoralen Konzept des Papstes von einer „Pastoral des Erbarmens“ und betont das neue Gottesbild, das der Papst eingebracht habe. Die Aufgabe der Kirche heute sei es, „das Erbarmen Gottes den Menschen zugänglich zu machen“, zitierte Zulehner den Papst.
Mit seiner Vorstellung eines Gottes des Erbarmens und der Barmherzigkeit stößt Franziskus vor allem innerkirchlich auch auf heftige Kritik. Zulehner: „Es gibt schon die Einstellung, dass Gott den Sündern zwar vergibt, die Kirche diese aber dennoch nicht eingliedert. Die Kirche ist also erbarmungsloser als Gott selbst.“ Dieser Einstellung, die ganz auf dem Primat der tradierten Gesetze fußt, stellt Franziskus neben der Barmherzigkeit auch die Zärtlichkeit gegenüber, wenn er fordert: „Die Kirche muss mit dem Blick Jesu auf die Menschen schauen“ und sie solle „barmherzig wie der Vater“ sein.
Zulehner verwehrte sich aber auch gegen die oft medial verbreitete Darstellung, der Papst argumentiere entweder wie ein Politiker oder aus reinem Humanismus: „Papst Franziskus geht es in seiner ganzen Argumentationskette immer nur um sein Gottesbild, das ausschließlich vom Evangelium geprägt ist.“ Als Beispiel zitierte Zulehner aus der Familienenzyklika „Amoris Lae
titia“: „Die Art, wie Gott liebt, wird zum Maßstab menschlicher Liebe.“
Mit seinen Aussagen zu Barmherzigkeit, aber auch den klaren Worten über die Wirtschaft, Ökologie und Politik, greife Papst Franziskus weit über die katholische Kirche hinaus. Zulehner: „Papst Franziskus ist katholisch im ursprünglichen Sinn – nicht konfessionell, sondern universell.“ Wörtlich sprach der Wiener Professor vom Papst als quasi „Weltpfarrer“, der auch keinerlei Berührungsängste mit anderen Konfessionen oder Religionen zeige.
Vor dem Hintergrund der zahlreichen Interviews des Papstes, seiner Schriften und Enzykliken ortet Zulehner einen „Wandel in der pastoralen Kultur“ auf fünf Ebenen: Der Weg führe „von der Sünde zur Wunde; vom Moralisieren zum Heilen; vom Gerichtssaal zum Hospiz; vom Gesetz zum Gesicht und vom Ideologen zum Hirten“.
Auch wenn der Papst von sich selbst sagt: „Ich bin ein Sünder“, spricht er von Sünde fast nur – dann aber oft – im Zusammenhang mit sozialer Ungerechtigkeit oder der Zerstörung der Schöpfung. Viel häufiger verwendet er – auch im Persönlichen oder etwa in Bezug auf die Kirche – den Begriff der „Wunde“.
Ähnlich verhält es sich mit dem Moralisieren. „Die Moral hat beim Papst einen enorm hohen Stellenwert“, so Zulehner, „aber gegen das Moralisieren spricht er sich klar aus.“ Das wird etwa deutlich, wenn er in „Evangelii Gaudium“ über die Predigt schreibt, sie solle sich auf den christlichen Kern von Tod und Auferstehung konzentrieren, aber jedes Moralisieren vermeiden. Dagegen spricht sich der Papst für das „Heilen“ aus. Er wünscht sich eine „heilende Kirche“, die Menschen auf dem Weg der Umkehr begleitet.
In diesem Sinne ist auch der Umgang des Papstes mit dem Gesetz zu verstehen. Gesetze seien wichtig, weil sie etwa die Armen schützen. Doch dürfen sie nicht zu Urteil und Verurteilung führen. Im Zentrum steht der Blick auf den Einzelnen und sein gebildetes Gewissen. Dafür brauche der Mensch aber die Begleitung und Hilfe der Kirche.
Moderne Seelsorge sei also, geht es nach Papst Franziskus, die richtige „Kunst der Begleitung“.