Ein Hauch Philippinen in Kärnten
Zwei Projektpartner/innen der Dreikönigsaktion reisen durch Kärnten.
Sam und Jovy, Mitarbeiter/innen von CERD, dem Modellprojekt der Sternsingeraktion 2012, reisen eine Woche durch Kärnten und besuchen Schulklassen, Jungschar- und Jugendgruppen und sprechen an der Uni Klagenfurt.
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Hier ein Interview mit Mr. Samuel Aposacas, Projektleiter von CERD (Centre for Empowerment and Resource Development, Philippinen)
Was sehen Sie als die größten Probleme in Ihrer Region?
Eigentlich ist die Region gesegnet mit wichtigen Meeresressourcen, es gibt zum Beispiel viele Korallenriffe, die Wohnort für unzählige Fischarten sind. Allerdings besteht die ständige Gefahr der Zerstörung dieser Lebensgrundlagen: Durch illegales Fischen mit Dynamit beispielsweise oder durch schädliche Ablagerungen der Flüsse im Meer, verursacht durch rücksichtslosen Bergbau von Minenfirmen im Hochland.
Wodurch ist das Leben der Menschen sonst noch bedroht?
Da ist einerseits der großkommerzielle Fischfang, der mit illegalen Fangmethoden und ohne Rücksicht auf die Meeresökologie sehr großen Schaden anrichtet. Andererseits ist die illegale Abholzung der Mangrovenwälder, um daraus Holzkohle zu gewinnen, eine Gefahr für das ökologische Gleichgewicht der Küstenregion. Die Fischerfamilien brauchen aber eine intakte Umwelt, um dort überleben zu können.
Welche Auswirkungen sehen Sie im Alltag der Bewohner/innen?
Das Einkommen der Fischerfamilien verschlechtert sich durch die Ausbeutung der Meeresressourcen und Fischbestände. Viele Fischer/innen müssen hungern, das Essen ist knapp und einseitig. Kinder in Marihatag können nicht zur Schule gehen. Es gibt keinen Zugang zur Medizin und zu guten Gesundheitseinrichtungen, weshalb einfache Krankheiten zum Tod führen. Viele Krankheiten, wie Durchfall und Amöbenruhr, treten wegen der Wasserverschmutzung auf, verursacht durch das Fehlen von Toiletten und Abwassersystemen.
Wo setzen Sie von CERD an, um die Lage der Menschen zu verbessern?
CERD sieht sich als echte Partner, um gemeinsam das Leben der Fischerfamilien in Marihatag zu verbessern. Der Schlüssel dafür ist der Zusammenschluss der Menschen in basisorientierten Fischerorganisationen. Da die Fischer/innen einen geringen Status in der Gesellschaft besitzen, werden sie nur dann gehört, wenn sie sich organisieren und mit einer starken gemeinsamen Stimme sprechen. Ein Schwerpunkt liegt auch auf der Gendergerechtigkeit, damit Frauen die gleichen Möglichkeit der politischen Mitgestaltung haben.
Wie gehen ihre Mitarbeiter/innen konkret vor?
Wir beginnen in den Gemeinden damit, dass wir uns mit den Menschen und ihren Problemen vertraut machen. Wir stehen im Dialog mit den Leuten, wohnen und essen mit ihnen. Dadurch entsteht Vertrauen und das ist die Basis für echte Kooperation. Die oberste Priorität der Fischer/innen ist es, täglich Essen am Tisch zu haben. Gemeinsam überlegen wir aber darüber hinaus, wie sie nachhaltig fischen und wie sie die Gründe ihrer Armut erkennen und überwinden können. Um das zu erreichen, setzen wir ganz konkret auf Ebene der Haushalte an.
Was bedeutet „nachhaltiges Fischen“?
Uns geht es darum, die Fische als Nahrungs- und Einkommensquelle zu nutzen, die Bestände aber nicht zu vernichten, wie es z.B. das illegale Dynamitfischen tut. Wir richten also in Zusammenarbeit mit den Behörden Schutzgebiete für Fische und Korallenriffe ein, verbessern die Fischfangmethoden und forsten die so wichtigen Mangrovenwälder an den Küsten wieder auf. Den Schutz des Meeres betreiben die Kleinfischer/innen aber auch auf der politischen Ebene, indem sie bei staatlichen Stellen intervenieren und so den illegalen Fischfang bekämpfen.
Gibt es Ansätze abseits der Fischerei?
Es gibt einige neue Initiativen, zum Beispiel das Pflanzen von Seegras oder die Krabbenzucht. Grundlegend wichtig ist auch die Entwicklung der Land- und Forstwirtschaft. Das betrifft einerseits den ökologisch nachhaltigen Anbau von Reis, der ja ein Grundnahrungsmittel ist. Andererseits müssen auch die Wälder vor der weiteren Abholzung geschützt werden. Ganz allgemein müssen wir auch lernen, uns vor den Folgen des Klimawandels und vor möglichen Katastrophen wie Tsunamis zu schützen.
Was motiviert Sie zu Ihrem Einsatz?
Die extreme Armut in der Küstenregion in Marihatag braucht unsere Aufmerksamkeit und Hilfe. Als CERD haben wir das Wissen und die Fähigkeiten, die Fischer/innen in ihrer Entwicklung zu unterstützen. Die bisherigen guten Ergebnisse unserer Anstrengungen motivieren uns, unsere Arbeit mit ihnen fort zu setzen. Und die Solidarität der österreichischen Kinder mit den Menschen auf den Philippinen ist eine berührende Erfahrung.
Weitere Termine mit CERD in Kärnten
Infos zur Sternsingeraktion 2012
http://www.sterinsingen.at
http://www.dka.at