Ladenöffnungszeiten - EKZ - Energiekonzentrations….
Zwischen Burnout und Wellness

„Der Herr ist mein Hirte,
nichts wird mir fehlen. ...
Er stillt mein Verlangen; ...“
Samstag – 28. Mai 2011
Heute morgen – aufgewacht, Radio gehört - „Herr Sowieso ist dafür, dass man die Geschäfte auch am Sonntag offen halten solle, wenigstens am Muttertag und an bestimmten Feiertagen!... das Recht des Wettbewerbs ... vom Handel ...“
„Er lässt mich lagern auf
grünen Auen und führt mich
zum Ruheplatz am Wasser.
Er stillt mein Verlangen;
er leitet mich auf rechten Pfaden,
treu seinem Namen.“
Wenn ich durch die Straßen einer Stadt laufe – und Momentaufnahmen mache – was zeigt sich mir? Viele Menschen, die sich schnell mit ernsten Gesichtern durch die Straßen schieben. Viele schöne Straßen und Plätze sind leer – die Menschen und v.a. junge Menschen finden sich in den EKZ wieder. „EnergieKZ“ Energie-Konzentrationszentren?
Erschreckend – wie viel Energie sich in diesen Shoppingmalls konzentriert - Energie von Teilzeit angestellten Müttern – nicht selten Alleinerzieherinnen, Energie von Eltern, die für ihre Kinder statt Zeit Geld erarbeiten und sie mit diesem in die Konsumwelt ziehen lassen. Und jetzt auch noch am Sonntag – „Hinein in die EKZ!“ Das bedeutet: noch mehr Zeit für EKZ = noch weniger Zeit für Gemeinschaft in den Familien, mit Freunden und vor allem noch weniger Zeit für dringend notwendige Ruhephasen!
„Er lässt mich lagern
auf grünen Auen.“
Er würde mich schon lassen und die grünen Auen würde es auch geben – mit Wasser und Schattenbäumen mit idyllischem Vogelgezwitscher – und würde ich die leisen Stimmen meiner wahrhaftigen Bedürfnisse hören, wirkte dieses Versprechen vom Ruheplatz am Wasser sehr anziehend. Nur die vielen tollen Angebote von Märkten, Volksfesten, Kulturevents, Sportevents und nicht zu vergessen privaten Familienevents und Schulbällen und Benefizveranstaltungen, Pfarrfesten, Jubiläen und was es sonst noch alles gibt ... die, müssen alle vorher noch abgehakt werden.
Das Abhaken – das versteht sich von selbst, passiert natürlich auf hohem Niveau. Die Vorbereitungen für eine Feier, sei es von Musik, Medien und Technik und von der Verpflegung her muss schon passen. Den BesucherInnen soll schließlich etwas geboten werden, denn – es muss ja in den Kassen klingeln und es gibt viel Konkurrenz in dieser Zeit. So bleibt nach den vielen Programmpunkten oft kein Platz für das Lagern auf grünen Auen. Henri Boulad, Jesuitenpater und Mystiker, schreibt dazu, dass Menschen sich verausgaben, ohne innere Richtung, ohne Maß, ohne ein persönliches Ziel. Anhaltender Sinnenrausch führt zu Sinnverlust. Gier ist ungestilltes Verlangen von meiner Seele nach wirklicher Nahrung ...“ (aus: Sturm und Sonne, Otto Müller Verlag)
„Der Herr ist mein Hirte
mir wird nichts fehlen.
Er stillt mein Verlangen;
er leitet mich auf rechten Pfaden,
treu seinem Namen.“
Diesen Psalm für 21 Tage zur Meditation gemacht – im Vertrauen darauf lebend, dass er mein Verlangen stillt, dass es mir an nichts fehlen wird – wie würde ich meinen Alltag gestalten? Welche Inhalte würde meine Zeit bekommen? Was hieße das für mein Tempo und würde ich begreifen was Qualität bedeutet?
Würden meine Mitmenschen merken, dass mein Verlangen nach äußerlichem Konsum gestillt ist?
„Er lässt mich lagern auf
grünen Auen und führt mich
zum Ruheplatz am Wasser.“ (Psalm 23)
Mag. Beate Einetter, Diözesanreferentin der Katholischen Frauenbewegung Diözese Gurk-Klagenfurt
Diesen Artikel finden Sie in der aktuellen kfb brücke: Als Christ genießen können
(Mitgliederzeitschrift der Katholischen Frauenbewegung Kärnten), lesen Sie auch "Der Genuss von Missbrauch und die Begierde der Macht" von Ilona Wulff-Lübbert