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13.09.2017

In Gedenken an Olaf Colerus-Geldern

Hl. Messe im Dom zu Klagenfurt am 10. September 2017


Fotos & Video: KHK/Internetredaktion

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13.09.2017

In Gedenken an Olaf Colerus-Geldern

Hl. Messe im Dom zu Klagenfurt am 10. September 2017


Fotos & Video: KHK/Internetredaktion

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Mittwoch

13.09.2017

Priester, Lehrer und geschätzer Gesprächspartner

 
 
 

Veröffentlicht von:

Internetredaktion/KHK

Gedenkmesse für Olaf Colerus-Geldern im Dom zu Klagenfurt

Dr. Ursula Fina, © Foto KH Kronawetter

Dr. Ursula Fina (© Foto: KH Kronawetter)

Vor einem Jahr am 10. September ist Bischofsvikar Dompropst Dr. Olaf Colerus-Geldern verstorben. Bei einer Gedenkmesse im Dom zu Klagenfurt erzählte KAV-Vorstandmitglied Ursula Fina ihre persönlichen Erinnerungen an diesen allseits geschätzten kirchlichen Intellektuellen.

Die Hl. Messe wurde von Bischofsvikar Dompfarrer Peter Allmaier zelebriert und musikalisch von Melissa Dermastia (Orgel) und Karin Prenner (Gesang) mitgestaltet.

Im Anschluss an die heilige Messe wurde im Franziskussaal ein Kurzfilm über Olaf Colerus-Geldern mit Fotoimpressionen und Originatonaufnahmen vorgeführt, den wir für Sie als Youtube-Video online gestellt haben.

Wir dokumentieren hier die Rede von Ursula Fina:

Meine Erinnerung an den Herrn Generalvikar Dr. Colerus geht zurück auf das Gymnasium in Villach, wo er seit 1959  sechs Jahre lang mein Religionslehrer war. Im Realgymnasium Perau unterrichtete er alle Mädchenklassen und war als Priester in der Stadtpfarrkirche St. Jakob tätig, wo er jeden Sonntag die 11-Uhr-Messe gelesen hat. Gemeinsam mit Dr. Steiner, der bei den Buben unterrichtet hat, bildeten die beiden sozusagen das geistig/geistliche Zentrum von Villach. Diese Messe hatte den Spitznamen „Parfummesse“, und ich konnte sie nur selten besuchen, da ich Fahrschülerin war.
Als 10-jährige Schülerinnen hat er uns sofort beeindruckt. Er hat uns gesiezt und hat versucht, uns zu gebildeten Damen zu erziehen. Schon äußerlich war er eine Erscheinung: Schwarze Haare, sehr jung, schwarze Baskenmütze, übergroße schwarze Tasche, gebückter schneller Gang, kam er uns vor wie ein französischer Philosoph, aber eleganter als Sartre. Auch ging das Gerücht, er habe ein Buch geschrieben (das wir aber nie gesehen haben).

Glaubensvermittlung auf der Höhe der Zeit

Er begann den Unterricht stets mit einem pointierten Kommentar beim Lesen der Klassenbucheintragungen des Vorgängers, und sofort war die Stimmung interessant. Später hat er diese Schadenfreude als delectatio morosa bezeichnet, die er über maßen beherrschte. Das Eröffnungslied, das er mit seiner schönen Stimme vorgesungen hat, hat er stets erklärt, den Text und die Musik, wie auch später in seinen Messen. Der Unterricht bestand aus Hinführung zum Evangelium mit Literatur, damals vornehmlich französischer Literatur. Mit Camus („Die Pest“) wurde uns so etwas wie ethisches Bewusstsein und Verantwortung beigebracht, mit Simone Weil Menschenrechte, Menschenpflichten im Vergleich mit dem Neuen Testament, das er stets in der Übersetzung von Fridolin Stier gelesen hat, die an sich schon sehr poetisch ist. Den Kleinen Prinzen von Exupéry hat er uns vorgelesen, wie ein Schauspieler, wie Oskar Werner. Geschichten von Jean Cocteau, Bergengruen und Reinhold Schneider. Vieles haben wir wohl nicht verstanden, aber wir ahnten, dass etwas dahintersteckte, das etwas ganz Besonderes war. Da gab es auch Stunden über liturgische Kleidungsstücke, liturgisches Geschirr, den liturgischen Kuss, schon sehr modern für uns Kinder. Er legte viel Wert auf Geste und auf äußerliche Zeichen. Eine Eigenschaft, die übrigens auch unser Herr Bischof beim Requiem erwähnt hat.

Seine Kunst war die (gesprochene) Sprache

Uns bleibt nur die Erinnerung an ihn. Wir können nichts Nachlesen. Seine Kunst war die Sprache, das unmittelbare Gespräch, das Wort. Und das ist so flüchtig wie die Musik, die auch nicht mehr da ist, wenn sie nicht mehr gespielt wird. (Das hat mich dann dazu verführt, mit dem iphone Predigten mitzuschneiden.) Er war ein Prediger, kein Schreiber.

Nach Studium und Fachausbildung in Wien bin ich 1984 wieder nach Klagenfurt gekommen. Nach Wien sprach für Kärnten wenig, aber eine kleine Liste Positiva gab es doch, und auf der stand - guter Job, Wörthersee und Colerus-Messe. Der Beruf mit den vielen Grenzerfahrungen und sehr wenig Reflexion war mir viel leichter zu bewältigen, da ich den Sonntag in St. Egid hatte. Dazu kamen die KAV-Sitzungen und Gespräche, die gemeinsamen Mittagessen nach der 11-Uhr-Messe. Als Geistlicher Begleiter hat er uns immer wieder in sein zauberhaftes Haus eingeladen, in seine Bibliothek, wo wir dann sehr alten Wein aus seinem Keller trinken durften, im Rosengarten oder im Salon.

Musik und Literatur

Als er nicht mehr so gerne nachts mit dem Auto gefahren ist, durfte ich ihn zum Carinthischen Sommer nach Ossiach chauffieren, zu Konzerten und Liederabenden. Sein Kunstgeschmack war sehr kritisch, stets hatte er etwas auszusetzen: „Na wissen Sie, die 2. Geige?“ oder „die Sopranistin! grauenhaft! die hat ja ein Tremolo!“ Er mochte auch Mozart nicht, und das hat mich fast erschreckt, weil er doch immer von einem Don Giovanni in Salzburg und einer unvergesslichen Figarogräfin geschwärmt hatte, aber früher. -Warum jetzt nicht mehr Mozart? Sein Geschmack war eher Richard Strauss, Rosenkavalier, Hofmannsthal, Salome, und I Pini di Roma, also Spätromantisches oder Klassizistisches. Zeitgenössische bildende Kunst mochte er nicht, damit wollte er sich nicht befassen. Seinen Wunsch, noch einmal die Frari Kirche in Venedig zu besuchen, hätte ich ihm sehr gerne erfüllt, aber allein der Begriff Motorboot hat ihn abgeschreckt, es kam nicht mehr dazu. Ganz anders die moderne Literatur, da zitierte er viel, eröffnete seine Predigten oft mit einem Zitat. Peter Handke schätzte er sehr, allerdings auch Martin Walser, immer wieder Wittgenstein, Thomas Mann, Hölderlin und Novalis - und natürlich auch Shakespeare, den er im englischen Original zitierte, in den Predigten, ein unvergessliches Erlebnis der Monolog Macbeth’s. Das Buch Errata von George Steiner musste ich ihm noch ins Krankenhaus bringen, da er es in der Eile zu Hause vergessen hatte. Man stelle sich vor, am Totenbett noch Errata eines österreichisch amerikanischen Philosophen zu lesen, der ungefähr im gleichen Alter war wie er selbst.

Zeitgespräche im Philocafe

Das Philocafe war seine ganze Freude. Wenn er sich auch oft schon sehr schlecht fühlte, ins Philocafé raffte er sich immer noch auf. Dort traf er Leute, mit denen er auch theoretisieren konnte, Atheisten von Gottes Gnaden, wie er immer sagte, mochte er ja sehr gerne. Er hat dort keinen Nachfolger.
Die 11-Uhr-Messe in St. Egid war stets einfach und modern mit Bezug zum Tagesgeschehen und zum Zustand der Welt, ohne zeitgeistig zu sein, - wir sollten uns nicht esoterisch distanzieren von unserer Zivilisation - unvergesslich, mit der Erfahrung eines Weisen, aus dem 19. und 20. Jahrhundert, ein bisschen sogar noch 18. Jahrhundert. Und dann immer wieder das Wittgenstein-Zitat „Liebe glaubt Auferstehung“. Die Messe gibt es jetzt nicht mehr.
Seine Krankheiten waren zahlreich und schwer. Er war unheimlich tapfer, hat bis zum Schluss gearbeitet, nur ganz wenig geklagt. Für den KAV hat er noch die jährliche Tagung mit Professor Tück initiiert, als Auftrag an uns alle, uns mit ernsthaften Fragen zu beschäftigen. Sein Vermächtnis.
Ich glaube, wir vermissen ihn alle sehr.

  • Dr. Ursula Fina war Ärztin und ist seit vielen Jahren als Vorstandsmitglied des Katholischen Akademikerverbandes Kärnten aktiv.