Organisation

Katholischer Akademikerverband

Eine im Sprung gehemmte Kirche

Weihbischof DDr. Helmut Krätzl sprach am 14. März in Maria Saal zum Thema „Wie kann die Kirche den Menschen nahe sein?"

Im Gespräch mit Bischof Helmut Krätzl (© Foto: Pfarre Maria Saal)
Im Gespräch mit Bischof Helmut Krätzl (© Foto: Pfarre Maria Saal)

Bischof Krätzl ist einer der letzten Zeitzeugen, die das Zweite Vatikanische Konzil hautnah miterlebt haben, und das hat sein Leben geprägt. Er war als junger Priester Stenograf in der Konzilsaula. Beim Konzil gab es eine ungeheure Aufbruchsstimmung, vor allem durch die Ausstrahlung des damaligen Papstes Johannes XXIII. Die Euphorie war auch noch nach dem Konzil überschwänglich. Jahrzehntelang stand er dem Wiener Erzbischof, Kardinal Franz König, zur Seite.
Im vergangenen Jahr feierte er seinen 80. Geburtstag. In der Gelassenheit und Weisheit des Alters und erfüllt von der daraus gewachsenen inneren Freude, blickt Bischof Krätzl auf sein Leben im kirchlichen Dienst an den Menschen zurück. In zahlreichen Publikationen, darunter viel gelesenen Büchern, begleitete Krätzl kritisch die Entwicklung der katholischen Kirche seit dem Zweiten Vatikanum. Das führte auch zu einer Vorladung (wegen seines Buches "Im Sprung gehemmt") vor die damals, 2003, vom heutigen Papst geleitete Glaubenskongregation in Rom. Für ihn blieb dieses Konzil "im Sprung gehemmt". Oder bessser, nicht das Konzil war im Sprung gehemmt, sondern die Kirche nachher. Der Sprung wurde dadurch gehemmt, dass viele Gedanken des Konzils nicht weitergedacht wurden und bis heute hintangehalten werden. Mit Befremden und Bedauern erlebte er die restriktive Kurskorrektur und die für die österreichische Kirche verhängnisvollen Bischofsernennungen nach dem Abtreten von Kardinal König mit.
Momentan habe er starke Bedenken, ob eine Erneuerung der Kirche von oben kommen wird. Er glaube, dass - so wie fast immer in der Geschichte - die Erneuerung von unten kommen muss. Die Kirche ist nicht das Reich Gottes, aber sie muss ihm immer näher kommen. Und er ist dankbar, dass er trotz seiner Emeritierung als Weihbischof immer noch daran mitarbeiten darf .

Das Gespräch im Rahmen der "Maria Saaler Gespräche" - einer gemeinsamen Reihe von Pfarre, KHG und Katholischem Akademikerverband - wurde von Mag. Maximilian Fritz (Referent für Pfarrgemeinden) moderiert.