(© Foto: Allianz für den Sonntag)
Unser Landeshauptmann hat vor, die „Kärntner Öffnungszeitenverordnung“ dahingehend zu ändern, dass an Sonn- und Feiertagen das gesamte Warensortiment verkauft werden darf.
Für viele kleinere Betriebe, besonders jene mit Fachpersonal ist diese Entscheidung existenzbedrohend. Dieser weiteren Liberalisierung steht kein gesellschaftlicher Mehrwert gegenüber: keine Umsatzsteigerungen, keine zusätzlichen Arbeitsplätze, kein zusätzlicher Gewinn an Lebensqualität.
Eigentlich geht es nur um den Profit der großen Handelsketten zu lasten der kleinen Einzelhändler und um die „Freiheit“ der Konsumenten, auf Kosten der Beschäftigten Tag und Nacht einkaufen zu können. Wollen wir amerikanische Verhältnisse?
Die Flexibilisierung der Öffnungszeiten und Ausweitung der Sonntagsarbeit hat weitreichende gesellschaftliche Folgen. Ökonomisch bleibt sie bedeutungslos, sozial und ökologisch ist sie als schädlich einzustufen. Am Arbeitsmarkt verpufft sie wirkungslos.
Lebensfeindlich ist diese Arbeit ohne Not aber vor allem im Blick auf Partnerschaft und Familie. Jeder weitere Verlust an „sozialer“ Zeit bringt diese weiter in Bedrängnis. Familie und Beruf werden dadurch immer weniger kompatibel.
Eine Gesellschaft mit ausschließlich individuellen Zeitstrukturen produziert Kontaktverlust und Einsamkeit. Das Miteinander schrumpft. Der Sonntag ist mehr als ein beliebiger freier Tag für jeden Einzelnen. Gemeinsame Aktivitäten werden zu „Zufallsveranstaltungen. Eine aktive Teilnahme und Mitwirkung in Vereinen und anderen Organisationen wird erschwert. Heuer begehen wir das Jahr der „Freiwilligenarbeit“!
Der freie Sonntag befreit den Menschen von den Zwängen der Arbeit, sodass wir uns nicht in neuen Sklavereien und unnotwendigen Abhängigkeiten verstricken dürfen. Der freie Sonntag zeigt, dass die Selbstentfremdung unter welcher viele Menschen leiden, nicht durch immer neue Unterwerfung unter dem Diktat des Profits gelingen kann, sondern nur durch Befreiung von dem, was uns von Gott, mit dem Nächsten und uns selbst entzweit.
Ohne Sonntag wäre jeder Tag ein Werktag!
Es geht nicht nur um Tradition, um Religion und um eine soziale Errungenschaft. Es geht auch um die Grenzen der ökologischen und sozialen Tragfähigkeit!
Der "Allianz für den freien Sonntag“ gehören mittlerweile österreichweit mehr als 55 Organisationen aus Kirche, Arbeit, Wirtschaft, Kultur und Freizeit an. Gemeinsam setzen sie sich für "Zeitwohlstand" und Lebensqualität in Form gemeinsamer freier Zeit ein, wie sie der freie Sonntag bietet. Schließlich ist der Sonntag der letzte gemeinsame Rastplatz und Ruhepunkt in unserer Gesellschaft.
Leo Kudlicka
Allianz für den freien Sonntag Kärnten
+43 676 8772 2450
leo.kudlcka@kath-kirche-kaernten.at

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