Erfahrungen, Chancen und Grenzen!
Unsere Kirchen: Sinnbilder für den Sonntag. Ein Motiv von der empfehlenswerten Landesausstellung in Fresach. (© Foto: Unterlercher)
Das dritte der Zehn Gebote „Du sollst den Tag des Herrn heiligen“ sei das „älteste Sozialgesetz“. Mit diesen gewichtigen, unmissverständlichen Worten unterstrich der Wiener Erzbischof Kardinal Schönborn einmal in einem Interview die zentrale religiöse Bedeutung des Sonntags. Eine „Gemeinsame Atempause“ sei notwendig für das Wohl der Menschen.
Heute ist die Sonntagsruhe eine tragende Säule christlicher Kultur und in Österreich durch das Gesetz vom 16.1.1895 geregelt. Dennoch hat es noch nie so viele Tendenzen gegeben, die Sonntagsruhe immer mehr aufzuweichen. Mit unserer immer stärker ausgeprägten „Eventkultur“ tragen wir auch selbst einen Teil dazu bei, dass immer mehr Menschen auch am Sonntag arbeiten müssen, damit andere den Sonntag möglichst abwechslungsreich genießen können.
Den Sonntag bewusst gestalten:
Der Sonntag bietet nach wie vor vielen Familien die Möglichkeit, gemeinsam Zeit zu verbringen. Trotzdem sollte man sich nicht zuviel Druck auferlegen, denn es muss nicht immer etwas Großartiges erlebt oder unternommen werden. Oft sind es gerade kleine Rituale, die dem Sonntag mehr Farbe verleihen können. Die folgenden Sonntagstipps sind zum Teil der sehr ansprechenden Broschüre „Sonntag. Der Tag zum Leben“ entnommen, die von der Diözese Graz-Seckau herausgegeben wurde. Der eigenen Fantasie sind jedoch keine Grenzen gesetzt und es gibt sicher noch viele weitere Ideen, um den Sonntag zu einem außergewöhnlichen Tag zu machen.
Sonntagspinnwand: In der Wohnung wird eine Pinnwand angebracht, auf die alle Familienmitglieder ihre Sonntagswünsche heften können. Diese können auch für längere Zeit gültig sein.
Sonntagsgemeinschaft: Einmal am Sonntag kommen alle Familienmitglieder zusammen, um miteinander zu plaudern: beim Frühstück, zu Mittag oder am Nachmittag bei Kaffee und Kuchen.
Sonntagsduft: Ein ganz einfaches, aber effizientes Mittel, um dem Sonntag ein spezielles Flair zu geben. Das kann durch Duftkerzen, durch Weihrauch oder auch durch einen Sonntagskuchen geschehen. Auch ein Blumenstrauß kann dem Sonntag etwas Besonderes verleihen.
Sonntagskirchgang: ein gemeinsamer Kirchenbesuch mit der Familie, Verwandten und/oder Freunden gibt dem Sonntag eine ganz besondere Qualität.
Regensonntag: In den eigenen vier Wänden zu bleiben, bietet eine Fülle von gemeinsamen Aktivitäten: Wieder einmal ein Spiel spielen, Fotos anschauen, Geschichten erzählen oder Musik hören…
Sonntagslicht: Ein sehr schönes Ritual kann es sein, beim gemeinsamen Essen das Sonntagslicht zu entzünden. Es kann auch dazu dienen, einen Menschen in die Familie hereinzuholen, der körperlich nicht oder nicht mehr anwesend ist.
Sonntagsgebet: Wenn man das gemeinsame Sonntagsessen mit einem Gebet beginnt, muss es kein Standardgebet sein. Es kann durchaus auch von einem Familienmitglied formuliert werden. Abgesehen davon gibt es eine Fülle von Gebeten für den Sonntag zu entdecken.
Sonntagserinnerung: In eine Schale oder einen Korb legen Familienmitglieder Zettel mit schönen Sonntagserinnerungen. Von Zeit zu Zeit können diese Zettel herausgeholt und Erinnerungen „aufgefrischt“ werden.
Sonntagsausklang: Der Sonntagabend kann mit einem gemeinsamen Ausblick auf die kommende Woche ausklingen. Was ist geplant, was sind wichtige Ereignisse, was muss organisiert werden?
Chancen und Grenzen:
Generell gilt: Wird der Sonntag als Familientag mit gemeinsamen Aktivitäten (Spiele, Gespräche, Mittagessen, Spaziergänge…) gelebt, ist es auch leichter, den Kindern seine Bedeutung als besonderer Tag zu erklären. Erkennen die Kinder diese Werte, werden sie auch den Sonntag als etwas Außergewöhnliches begreifen. Ganz wichtig ist es dabei, den Zeitdruck aus dem Sonntag zu nehmen und ihn nicht mit Freizeitaktivitäten den Wochentagen anzugleichen.
Diesen hehren Worten hält die Realität aber leider oft nicht stand. Sei es, dass die harten beruflichen Anforderungen gemeinsame Aktivitäten unmöglich machen, weil der Sonntag ausschließlich zur körperlichen und geistigen Regeneration genützt werden muss. Sei es, dass zu viele Erwartungen in den Familiensonntag projiziert werden, denen die einzelnen Mitglieder nicht gerecht werden können. Oder sei es, dass Heranwachsende ihre eigenen Vorstellungen haben, wie sie den freien Tag gestalten möchten. Wie überall spielt auch in der Familie die Kommunikation die wichtigste Rolle, um mit den unterschiedlichen Bedürfnissen richtig umzugehen.
Keinesfalls vergessen darf man die vielen neuen Familienformen. Die Trennung einer Familie wird am Sonntag viel intensiver erfahren als im Alltag. Alleinerziehende sind gerade am Sonntag oft überfordert, während „Wochenendväter“ (und im seltenen Fall auch –mütter) versuchen, den Kindern soviel „action“ wie möglich zu bieten. An die Grenzen stößt man schließlich, wenn der Sonntag für jemanden aus der Familie ein Arbeitstag ist. Hier braucht man extrem viel Fingerspitzengefühl, um den Wert des Sonntags zu erhalten. Es ist nicht umsonst ein Zeichen unserer Zeit, dass mittlerweile bereits Seminare zum Thema Sonntagskultur angeboten werden. Doch noch immer gelten folgende Grundsteine für einen gelungenen Sonntag: Kommunikation, Wertschätzung und Zeit füreinander.
Mag. Wolfgang Unterlercher, Diözesanreferent des Katholischen Familienwerks

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