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Freitag

13.10.2017

Weniger kann manchmal mehr sein!

 
 
 

Veröffentlicht von:

Kärntner Kirchenzeitung - "Der Sonntag" / IJ

Schöpfungszeit

Die Schöpfungszeit findet im Bildungshaus St. Georgen am Längsee ihre praktische Fortsetzung. Zu verschiedenen Themenbereichen treffen sich hier Erwachsene und junge Erwachsene, um bewusst inne zu halten und das eigene Verhalten kritisch zu überdenken.
von Ingeborg Jakl

Ist die weltweite Verteilung gerecht? In den Pausen wurde darüber diskutiert und debattiert., © Foto Jakl

Ist die weltweite Verteilung gerecht? In den Pausen wurde darüber diskutiert und debattiert. (© Foto: Jakl)

Wie viel ist genug? Ein T-Shirt oder gleich noch fünf weitere vom gleichen Modelabel? Gerade Mädchen und junge Damen geben gern „shoppen“ als liebstes Hobby an. Das weiß auch Ernst Sandriesser, Leiter des Referates für Schöpfungsverantwortung, der schnell noch die Unterlagen für seinen Vortrag im Festsaal des Bildungshauses richtet. Heute werden vier Schulklassen aus Klagenfurt mit ihm über das Thema „Wie viel ist genug“?, die Kunst, mit wenig zufrieden zu sein, im Bildungshaus St. Georgen diskutieren.
Jetzt sitzen rund 100 Mädchen und Burschen gespannt vor ihm und lassen sich auf das Thema ein. Die erste Frage nimmt dann auch gleich alle gefangen: „Gibt es mehr Wildtiere oder Nutztiere?“


Muss jeder ein Auto haben?
Kurzes Nachdenken, dann ist sich die Schülerschar einig: mehr Nutztiere.
„Die Welt ist eine Farm“, doziert Sandriesser. Und Schuld daran ist die maßlose Produktion von Fleisch. Jeder Österreicher verzehre im Jahr rund 100 Kilogramm Fleisch. Er, Sandriesser, sei keineswegs der Ansicht, völlig darauf zu verzichten, „aber weniger wäre mehr!“ Nicht nur für die eigene Gesundheit, sondern auch für den Umweltschutz, das Klima, den CO2-Ausstoß.
Auch ein Überdenken der eigenen Mobilität regt er an. „Muss jeder ein eigenes Auto fahren?“ Es gibt auch Fahrrad, Bus und die eigenen Füße, erinnert er. Und dazu gibt es auch gleich die nächste Frage von ihm hinterher: Wie viele Autos sind in Klagenfurt gemeldet? Die Jugendlichen stecken die Köpfe zusammen, überschlagen die Anzahl der Pkws in der eigenen Familie und grübeln.
Als kleine Hilfe gibt Sandriesser noch die Einwohnerzahl der Landeshauptstadt, rund 100.000 Menschen, an.
Anja, Anna, Laura, Maxi und Fabian vom Bischöfliches Gymnasium St. Ursula in Klagenfurt überlegen angestrengt. Sie gehören zu den Klassen 5a und 5b, die mit ihren Professoren Claudia Wieser und Stefan Sander vor Ort sind.
Sandriessers Antwort erstaunt denn alle: Gleich 60.000 Autos sind gemeldet. Eine Zahl, die Kopfschütteln auslöst.
Ähnlich geht es weiter, Sandriesser verblüfft die Anwesenden mit immer neuen Fragen, Fakten und Zahlen. Auch von den überzogenen Werbebotschaften spricht er. Er selbst bezweifelt, ob die bekannten Werbebotschaften ihre Versprechen wirklich halten. Da gehe es oft um ein angenehmes Leben, sobald die „richtigen“ Produkte angeschafft werden. Doch irgendwann, so
Sandriesser, spüren wir, dass Lebensgefühl nicht gekauft werden kann. Stattdessen stellen sich viele die Frage: Was brauche ich wirklich? Was macht mich froh?


Teilen mit den Bedürftigen
Eine kurze Pause im Innenhof des Stifts, die von den jungen Leuten schon eifrig zur Diskussion genützt wird, und dann warten unterschiedliche Workshops mit ebenso spannenden Ergebnissen.
Das Weltspiel im Eggersaal zeigt die Weltkarte mit der Aufgabenstellung, auf welchem Kontinent die meisten Menschen leben und wo das Geld daheim ist. Andrea Enzinger, pädagogische Leiterin der Erwachsenenbildung im Bildungshaus, erklärt die Aufgabenstellung und gibt wertvolle Tipps und Anregungen, die die Jugendlichen dankbar aufnehmen.
Fazit bei dieser Aufgabe: Europa und Nordamerika punkten mit einer hohen Wirtschaftskompetenz und entsprechenden Geldflüssen. In Afrika dagegen haben viele nichts und können, so Enzinger, auch nicht teilen. „Wir haben die Möglichkeit und sollten darüber nachdenken“, gibt sie den Jugendlichen mit auf den Weg.


Wenig zum Glücklichsein
Pfarrer Peter Deibler präsentiert den Film „Besitzlos glücklich sein“. Eine junge Frau hat ihren Besitz in einem Koffer. Für die Jugendlichen nicht nachvollziehbar, da jeder sein eigenes Zimmer hat und das bis obenhin vollgepackt. Deibler: „Irgendwann erliegt fast jeder den Verlockungen des Konsums. Mehr und mehr häufen wir Sachen an, von denen wir die wenigsten wirklich benötigen. Was soll daran falsch sein, wo doch die meisten dieses Spiel mitspielen?“ Die Schüler kommen ins Nachdenken, gehen im Geist ihren Kleiderschrank und ihr Bücherregal durch.
„Ich habe gerade meinen Kasten ausgemistet“, erzählt Lili stolz in der Runde. „Die guten Sachen habe ich verschenkt“, fügt sie hinzu.
„Dieses Loslassen von Ballast aller Art verursacht ein befreiendes Gefühl“, ist sich Deibler sicher und gibt den Jugendlichen mit auf den Weg, bei jedem Einkauf genau darüber nachzudenken, ob dieses Teil wirklich „lebensnotwendig“ ist.
Die Freundinnen von Lili sind gleich mal in ein Für und Wider verwickelt und wollen daheim auch ihren Kasten kritisch unter die Lupe nehmen.
Zum Abschluss wartet noch das „NASA-Spiel“ auf die jugendlichen Teilnehmer. Mit Irina und Daniel von der Jungen Kirche Kärnten wird nach Möglichkeiten gesucht, einen anderen Planeten zu besiedeln und bewohnbar zu machen.
„Ich weiß nicht, ob ich das unbedingt möchte?“, fragt denn auch Anna skeptisch in die Runde. Es gibt Zustimmung und Ablehnung.
Sie und ihre Mitschüler nehmen von diesem Vormittag allerdings viele Anregungen für das eigene Leben mit. Und sei es nur, bei jeder Wurstsemmel einmal kurz nachzudenken, ob die jetzt gerade notwenig sei, oder, wie Sandriesser vorschlug, einen heimischen Apfel für den kleinen Hunger zwischendurch zu verspeisen. „Ein kleiner Schritt, der viel bewirken kann. Fangen wir heute an!“