Die neue Gurker Schatzkammer
Wertvolle Zeugnisse heimischer Kirchenkunst übersiedeln in die neue Gurker Schatzkammer. Sie ist gleichsam Zentrum einer im Sinne des Wortes reichen Schöpferkultur. von Ingeborg Jakl

Die Umzugskisten sind vorbereitet, Seidenpapier zum Einwickeln bereitgelegt, und das vorläufige Konzept für die große Vorschau im Juni in den neu adaptierten Räumen im Propsteihof in Gurk steht auch. Eduard Mahlknecht, Leiter des Diözesanmuseums in Klagenfurt, Lidmanskygasse, ist die Freude über den neuen Standort deutlich anzumerken. Die Exponate, die hier im dritten (!) Stock unweit des Klagenfurter Domes eher ein beschauliches Dasein fristen, können endlich angemessen präsentiert werden. „Beim einen oder anderen Objekt, das ich jetzt wieder aus der Nähe betrachtete, fiel mir auf, dass es viel besser gezeigt werden kann“, sagt Mahlknecht. Und dass Besonderheiten besser zur Geltung kämen, wenn künftig das neue Platzangebot vorhanden ist. Die bisherigen Räumlichkeiten, erklärt Mahlknecht, waren ungünstig, sowohl in der Raumaufteilung als auch, was die örtliche Lage des Museums betrifft. Besonders für größere Besuchergruppen. Denn wenn ein Bus mit Interessierten vor der Tür stand, dann erwies sich der kleine Lift im Treppenhaus als viel zu klein. Wenn die ersten Besucher schon durch die Ausstellung gingen und dem Ausgang zustrebten, kamen die letzten erst im Eingangsbereich an.
Kein Wunder, dass die Besucherzahlen in den vergangenen Jahren kontinuierlich zurückgingen. In dieser Situation beschloss die Diözese eine Übersiedlung nach Gurk. Für Diözesanbischof Alois Schwarz ist der Umzug eine „wichtige Präsentation des in künstlerischen Werken ausgedrückten Glaubens“. Die Kirche präsentiere sich mit dem Schatzhaus Gurk als „aktive Förderin des Dialoges von Kirche und Kunst“.
Vorschau im Juni
Das Diözesanmuseum zieht mit seinen über 500 Exponaten in den Propsteihof in Gurk. Die Kunstschätze kommen in das stimmig geschlossene Ambiente des Arkadenhofes. Dort findet die zukünftige Schatzkammer neben den mächtigen Türmen des Domes ihr neues Zuhause. „Natürlich hoffen wir auf mehr Besucher“, sagt Mahlknecht. „Wir freuen uns über den Umzug nach Gurk, zurück in die Wiege der Diözese, unsere Exponate haben es verdient. Einige ausgewählte Stücke dieser einzigartigen Sammlung sollen bereits in der großen Vorschau am 27. Juni, dem Hemmatag, in Gurk präsentiert werden“, verspricht er. Der komplette Bestand wird dann im September in der Schatzkammer Gurk zu sehen sein. Die Gestaltung soll, so Mahlknecht, für den Besucher eine Art Rückkoppelung bzw. wiederholter Rückbeziehung zu diesem Brennpunkt, dem Gurker Dom, vermitteln.
Die Sammlung gewährt Einblick in die religiöse Kunst vergangener Epochen in Kärnten. Dazu zählt das österreichweit älteste Dokument einer Glasmalerei, die Magdalenenscheibe aus Weitensfeld (1160/70), aber auch das Hölleiner Kruzifixus (1170/80) sowie die älteste Glocke Kärntens, die Bronzeglocke aus der Filialkirche in Flatschach.
Für die neue Schatzkammer musste der Großteil des Erdgeschoßes des Propsteihofes umgebaut werden. Für die Adaptierung der Räumlichkeiten wurde zuvor ein Architektenwettbewerb durchgeführt, den das Klagenfurter Büro „Winkler + Ruck“ gewann. „Ihnen ist es gelungen, auf die verschiedenen Kunstepochen mit sensibel gestalteten Räumen einzugehen“, lobt Mahlknecht.
Raum für Epochen
Jeder Epoche wird künftig ein Raum gewidmet, um eine „wirksame Inszenierung der Objekte“ zu gewährleisten. Den Beginn macht die Romantik, und der größte Raum wird der Gotik zugeordnet. Sie ist, wie Mahlknecht betont, die beherrschende Kunstepoche, die mit einer großen Anzahl kostbarer Objekte vertreten sein wird. Dazu zählen die Flügelaltäre von Rangersdorf, Flitschel und Wöllan, Einzelplastiken mit Darstellungen der Madonna, der Pietá und von Heiligen, ebenso Tafelbilder, Paramente, liturgisches Gerät und das Fastentuch aus Steuerberg.
Daneben werden Zeugnisse der Volkskunst wie Votivgaben, -bilder, Krippen und Kuriositäten zu bewundern sein. Ein Raum für Wechselausstellungen und ein Medienraum kommen dazu. Bis es soweit ist, ist allerdings noch eine logistische Meisterleistung vonnöten. Das Team aus Spedition und freiwilligen Helfern ist vorbereitet und dabei, einzupacken, zu verladen und an Ort und Stelle wieder aufzubauen. Die Pläne dazu sind fix und fertig.
Schatzkammer
Das Diözesanmuseum übersiedelt in den Propsteihof in Gurk und wird mit einer Vorausschau am 27. Juni, dem Hemmatag, einen kleinen Vorgeschmack auf die zukünftige Schatzkammer bieten. Rund 320 Objekte werden künftig hier ganzjährig ausgestellt. Die restlichen Kostbarkeiten wandern ins Depot.