Organisation

Referat für inklusive Seelsorge

INCLUSIA und Diözesanpartnerschaft: Gäste aus Bosnien in St. Ursula

Schülerinnen und Schüler des ORG St. Ursula empfingen eine Delegation aus unserer Partnerdiözese Sarajewo.

Freundlich einladend leuchtet das Gebäude der Ursulinenschule, das erst im vergangenen Jahr renoviert wurde. Freundlich einladend auch Stimmen und Klavierbegleitung, die aus dem Musikraum dringen. Ein Lied über die Flüsse Bosniens, anschaulich begleitet von Gesten, die die Fische im Wasser und das Leben der Menschen darstellen, bricht schnell das Eis.
Sie sind wegen der „Inclusia“ gekommen, dem von Dieter Klammer zum 10. Mal organisierten „Fest der Begegnung zwischen Menschen mit und ohne Behinderung“. Aber auch aufgrund der Partnerschaft der Diözesen von Gurk und Sarajewo. Als Dank für die Unterstützung überreichen die Gäste den Schülerinnen und Schülern eine Dank-Urkunde.
Viel Mühe haben sie sich gemacht, um die Gäste willkommen zu heißen: Vom Musikzimmer geht es in den Klassenraum. Der Duft von frischen Waffeln erfüllt den Raum. Während Viktoria und  ihre Freundin den Teig anrichten, bedient Denise gleich drei Waffeleisen, um mit Produktion nachzukommen. Franziska richtet die Waffeln mit frischen Erdbeeren liebevoll an, Bettina serviert und schaut darauf, dass niemand zu kurz kommt.

Einan​der verstehen

An den zusammengerückten Tischen der Mitte des Raumes wird gemalt, geschnitten, geklebt. Frohes Stimmengewirr füllt den Raum: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Slowenisch und natürlich Kroatisch sind zu hören: Die Schüler haben eigens einen Crash-Kurs in Kroatisch absolviert, um die Gäste willkommen heißen zu können. Hände und Füße sind in Bewegung: Wer den anderen verstehen will, findet auch Wege dazu.
Im Nu entstehen Gespräche über Herkunft, Hobbys, Familiengeschichten. Kurzum: Man fühlt sich wohl und genießt es, miteinander etwas Lustiges zu tun.
Neben der 7a engagieren sich im Bischöflichen ORG St. Ursula auch die 7b und 4a; kärntenweit nehmen 33 Schulklassen mit 700 Schülerinnen und Schülern an der „Inclusia“ teil, viele schon zum wiederholten Mal.

Freundschaften entstehen

Bei vielen Schulklassen ist von weitem erkennbar, dass sich die Jugendlichen kennen; sie nehmen schon seit Jahren am „Fest der Begegnung“ teil. Aus der ersten Begegnung sind Freundschaften gewachsen, die durch Briefwechsel, gegenseitige Besuche, Weihnachtspackerl weiterleben und vertieft werden.
Ein Traum ist Wirklichkeit geworden: Menschen mit Behinderung werden auch heute noch auf der Straße schief angeschaut, man weicht ihnen aus, denn sie sind anders. Manche haben körperliche, manche haben geistige Beeinträchtigungen, manche beides – und  einige erinnern an die Worte des Propheten Jesaja, die in der Karfreitagsliturgie zu hören waren: „Er hatte keine schöne und edle Gestalt, so dass wir ihn anschauen mochten. Er wurde verachtet und von den Menschen gemieden“ (Jes 53,2-3*).

Von Gott geliebt

Die frohe Atmosphäre jedoch, die bei der Begegnung in St. Ursula und ebenso in den anderen Schulklassen spontan entsteht, lässt an die geheimnisvolle Fortsetzung des Textes denken: „Doch der Herr fand Gefallen an seinem zerschlagenen Knecht, der Plan des Herrn wird durch ihn gelingen“ (Jes 10*).
Das ist kein Zufall. „Eigentlich machen wir nichts anderes, als das Programm Gottes umzusetzen, so wie Jesus“, sagt Dieter Klammer, der Initiator der Veranstaltung, und freut sich über das Gelingen: „Gemeinsam Mahl halten und die hereinnehmen, die am Rand der Gesellschaft sind: die Frau, deren Mann sich hat von ihr scheiden lassen; den Lahmen, wie die Bibel ihn nennt; den Zöllner.“ Und er freut sich, dass aus den Freundschaften eine neue Haltung wächst. Dass aus den Kindern und Jugendlichen Erwachsene und Entscheidungsträger werden, die von sich aus auf Menschen zugehen, die körperlich oder mental beeinträchtigt sind, und ihnen ihren Platz in der Gesellschaft geben.

Dobrote - Güte

Sladana, Musikerzieherin einer Sonderschule in Sarajevo, Mutter eines behinderten Burschen und Schriftstellerin, liest ein paar Zeilen vor aus ihrem Buch „Dobrote“, und sagt mit ihren Worten, was Menschen mit Behinderung für Eltern, Freunde und Pflegepersonal bedeuten:

Ich liebe dich.
Ohne dich wäre es still.
Ich liebe dich.
Ohne dich: Warum?
Ich liebe dich,
denn ich brauche dich.

Sabrina aus Gleisdorf, die in der 4a zu Gast ist: „Die Menschen hier sind sehr nett zu uns. Am schönsten war das Lesezeichen-Basteln. Und als Tanja Klavier gespielt hat. Gester waren wir im Bachmann-Gymnasium: Das war auch sehr schön.“
Am Donnerstagabend endete die „Inclusia 2012“ mit einem großen Abschlussfest in der Schleppe-Arena. Die begleitende Disco organisierte die Katholische Jugend.