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„Zur Krippe her kommet …“ –  Weihnachtskrippen in Kärntner Kirchen, © Foto: Pressestelle / Ellerdorfer (Krippe in der Pfarrkirche Kötschach - Detail)

18.12.2017

„Zur Krippe her kommet …“

Weihnachtskrippen sind besonders beliebte Veranschaulichungen der mit der Geburt Christi verbundenen Ereignisse. Sie führen dem Betrachter die Weihnachtsbotschaft vor Augen und werden während der Weihnachtszeit in vielen Kärntner Kirchen und im Privatbereich aufgestellt.

EINLEITUNG

18.12.2017

Kirchenkrippen in Kärnten

Foto St. Marein: Christian Smolle
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Montag

18.12.2017

„Zur Krippe her kommet …“ –  Weihnachtskrippen in Kärntner Kirchen

 
 
 

Veröffentlicht von:

Pressestelle der Diözese Gurk

Die so genannte "Fromiller-Krippe" in der Stiftskirche von Ossiach zählt zu den ältesten, noch erhaltenen Kirchenkrippen in Kärnten, die jährlich noch aufgestellt werden., © Foto Prof. Heinz Ellersdorfer

Die so genannte "Fromiller-Krippe" in der Stiftskirche von Ossiach zählt zu den ältesten, noch erhaltenen Kirchenkrippen in Kärnten, die jährlich noch aufgestellt werden. (© Foto: Prof. Heinz Ellersdorfer )

Klagenfurt, 18. 12. 17 (pgk). Weihnachtskrippen sind besonders beliebte Veranschaulichungen der mit der Geburt Christi verbundenen Ereignisse. Sie führen dem Betrachter die Weihnachtsbotschaft vor Augen und werden während der Weihnachtszeit in vielen Kärntner Kirchen (siehe Auswahl unten) und im Privatbereich in unterschiedlichen Größen, Materialien und Ausführungen aufgestellt. Die Idee zur ersten Weihnachtskrippe stammt vom Heiligen Franz von Assisi, der 1223 in Greccio (Italien) eine Krippenfeier mit lebenden Tieren abhielt. Europaweite Verbreitung in Katholischen Kirchen fand die Weihnachtskrippe ab dem 16. Jahrhundert durch die Jesuiten, deren erste Krippe um 1562 in einem Kloster in Prag nachweisbar ist. In Kärnten sind erste Kirchenkrippen seit Mitte des 17. Jahrhundert, wenn auch meist ohne weitere Details, belegt.

Kirchenkrippen in Kärnten.

Zu den ältesten, noch erhaltenen Kirchenkrippen, die auch jährlich noch aufgestellt werden, zählt die Bretterkrippe – also auf Tafeln gemalte Figuren mit ausgeschnittenen Konturen – in der Stiftskirche Ossiach aus der Zeit um 1727. Die elf gemalten, fast lebensgroßen Figuren stammen vom bedeutenden österreichischen Barockmaler Josef Ferdinand Fromiller, weshalb die Krippe weithin auch als „Fromiller-Krippe“ bekannt ist. Ursprünglich erinnerte die aus drei verschiedenen Wechselszenen bestehende Krippe in gewisser Hinsicht an Altarbilder, da die zu den einzelnen Darstellungen benötigten Figuren am Heiligen Abend (Geburt Christi), während der der darauf folgenden Tage (Anbetung durch die Hirten) und am Dreikönigstag (Anbetung durch die Könige) auf dem Hochaltar aufgehängt wurden. Heute werden die Figurentafeln im Hauptschiff der Kirche links neben dem Volksaltar am Heiligen Abend aufgestellt und sind bis zum Festtag der Taufe des Herrn zu besichtigen. Erwähnenswert ist auch, dass die Gewänder beim „Ossiacher Königssingen“, bei dem erwachsene Männer als Sternsinger unterwegs sind, nach dem Vorbild der Figuren der Hl. Drei Könige der Ossiacher Fromillerkrippe eigens angefertigt wurden.

Die figuren- und kulissenreiche Bretterkrippe in Kötschach zählt zu den bedeutendsten und größten klassizistischen Krippen Kärntens. Sie wurde 1780 vom Tischlermeister Mathes Micheller aus Kötschach geschaffen. Die ca. 50 cm großen Figuren sind auf Karton aufgemalen. Die Krippe wird jährlich Ende der Adventszeit aufgestellt und bleibt bis Maria Lichtmess stehen. Folgende Szenen werden dargestellt: Geburt Christi, Beschneidung Christi, Anbetung durch die Könige, Aufopferung im Tempel und die Hochzeit zu Kanaa. Bei den beiden letzten Szenen wird der Stall zum Tempel umfunktioniert.

Die Krippe in der Pfarrkirche Theissenegg stellt eine Besonderheit dar, da sie zu den wenigen Krippen zählt, die in Kärnten im 18. Jahrhundert mit geschnitzten Figuren entstanden, fast noch im Originalzustand erhalten sind und auch jährlich noch aufgestellt werden. Auf dem steilen Krippenberg der 53 cm tiefen und 85 cm hohen Anlage führen zwei Wege vom Stall direkt zur  Stadt Bethlehem hinauf. Neben dem Weihnachtsgeschehen sind u. a. auch verschiedene Szenarien aus dem Volksleben dargestellt, wie zum Beispiel eine Bäuerin bei der Arbeit, ein Hirte mit einem Alphorn oder ein Gamsenjäger.

Hervorragende Beispiele für geschnitzte und gefasste Figuren des 18. Jahrhunderts finden sich in vielen Kirchenkrippen Kärntens. Nennenswert sind in diesem Zusammenhang die künstlerisch wertvollen Figuren der Krippe von Maria Luggau, die auch heute noch vom Heiligen Abend bis zum Dreikönigstag während der Gottesdienstzeiten besichtigt werden können.

In der Klagenfurter Heiligengeist-Kirche, der Kirche des Ursulinenkonvents, befindet sich in der so genannten Kreuzkapelle, direkt gegenüber dem Hauptaltar, eine stimmungsvolle Krippe mit geschnitzten Figuren aus dem 18. Jahrhundert. Die Krippe ist vom Heiligen Abend bis zu Maria Lichtmess aufgestellt.

Ab der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts werden in Kärnten auch Kastenkrippen – also in einen (Holz-)Kasten eingebaute Krippendarstellungen –  genannt. Erwähnenswert ist die Kastenkrippe von Eberndorf, die das ganze Jahr über zu sehen ist. Sie ist hinter Glas ausgestellt und zeigt ohne viel Beiwerk das Geschehen der Heiligen Nacht mit geschnitzten bekleideten Figuren. Zu sehen sind die Heilige Familie, zwei Hirten mit ihren Schafen, die Heiligen Drei Könige sowie Ochs´ und Esel an der Krippe.

Die Weihnachtskrippe in der Pfarrkirche St. Marein ist die in Kärnten älteste nachweislich in Gröden in Südtirol hergestellte Krippe. In Gröoden wurden bereits seit dem Ende des 18. Jahrhunderts Krippenfiguren zunehmend in Massenproduktion gefertigt, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nahm die Verbreitung dieser „Grödner Krippen“ ständig zu. Die Krippe in St. Marein wurde der Pfarre im Jahre 1868 von der Familie Gritsch, vlg. Riedl in Paildorf, geschenkt. 90 Figuren unterschiedlicher Größe – die Mehrheit mehr als 30 cm hoch – gehörten laut dem Memorabilienbuch der Pfarre St. Marein ursprünglich zur Krippe und stellten nicht nur das Weihnachtsgeschehen, sondern auch verschiedene weitere Szenen der Weihnachtszeit dar. Im Laufe der Zeit gingen viele Figuren, der ursprüngliche Stoff sowie das Spielwerk verloren. In den vergangenen Jahren wurde die Krippe renoviert, neu gestaltet und mit neuen Figuren aus Grödner Schnitzerwerkstätten erweitert. Aufgestellt ist die Krippe in der so genannten „Lourdesgrotte“ der Kirche vom ersten Adventsonntag bis zum Mariä Lichtmess-Tag am 2. Februar. Nach alter Überlieferung wird die Krippe bis zum Heiligen Abend immer mit neuen Figuren ergänzt, bis sie am 24. Dezember in voller Pracht erstrahlt. Auch verschiedene Szenen des Weihnachtsgeschehens kommen heute nach ursprünglicher Tradition wieder zur Darstellung, wie etwa die Beschneidung Jesu oder die Flucht nach Ägypten.

Tradition der Krippen. Der griechische Text des Lukasevangeliums sagt, dass Maria ihren Sohn in Windeln wickelte und in „he phatne“ (eine Vertiefung im Höhlen- bzw. Stallboden, aus der die Tiere ihr Futter fraßen) legte. Das deutsche Wort „Krippe“ stammt aus dem indogermanischen und meinte zunächst einen geflochtenen Futtertrog/Korb. Bereits sehr frühe Darstellungen zeigen das Jesuskind in einer geflochtenen Krippe. Man geht davon aus, dass Papst Liberius Mitte des 4. Jahrhunderts eine Basilika mit einer Krippenkapelle errichten ließ. 420 erbaute man an dieser Stelle S. Maria Maggiore, wo man Holzstücke aufbewahrte, die angeblich von der Krippe Jesu stammen sollten. Wahrscheinlich ist an dieser Stelle in den Weihnachtstagen auch die erste dreidimensionale Krippe gestanden. Seit jener Zeit ist es in S. Maria Maggiore üblich, die Geburt Jesu Christi in Form einer Krippe mit einem in Windeln gewickelten Kind zu zeigen. Daraus entwickelte sich der Brauch, als Nachbildung der Geburtsszene Christi neben dem Altar eine Krippe aufzustellen.

Die Figuren in der Krippe. Ein fester Figurenkanon ist bereits seit dem Jahr 1350 nachweisbar. Die Darstellung in Krippen hat sich zu Beginn auf das in der Krippe liegende, meist in Windeln gewickelte und auf Heu oder Stroh gebettete Jesuskind, Maria und Josef, Ochs und Esel beschränkt. Im Laufe des 19. Jahrhunderts kamen immer mehr Figuren wie die Heiligen Drei Könige oder Hirten mit Schafen hinzu, und die Stallungen wurden mit einem Kometen und einem Verkündigungsengel versehen. Außerdem änderte sich im Laufe der Zeit auch die Darstellung der Krippenlandschaften und wurde den regionalen Gegebenheiten angepasst.