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14.06.2017

“Welttag der Armen”, Terror, Jugendsynode 2018

 
 
 

Veröffentlicht von:

Internetredaktion/KHK

Presseerklärungen der Sommervollversammlung der Österreichischen Bischofskonferenz

Sommervollversammlung der Österreichischen Bischofskonferenz von 12. bis 14. Juni 2017 in Mariazell, © Foto Bischofskonferenz / Kuss

Sommervollversammlung der Österreichischen Bischofskonferenz von 12. bis 14. Juni 2017 in Mariazell (© Foto: Bischofskonferenz / Kuss)

Mariazell, 14.06.2017 (KAP) – Die Österreichische Bischofskonferenz hat bei ihrer Sommervollversammlung in Mariazell drei Erklärungen zu den Themen "Welttag der Armen", Terror und Sicherheit sowie Jugendsynode 2018 verabschiedet. "Kathpress" dokumentiert im Folgenden den Wortlaut:

1. Welttag der Armen

Der Platz der Kirche ist an der Seite der Armen. - Diese Überzeugung prägt den "Welttag der Armen", den Papst Franziskus jetzt für die Kirche eingeführt hat und der heuer erstmals weltweit am 19. November begangen wird. Die österreichischen Bischöfe haben dazu festgelegt, dass der "Welttag der Armen" in allen Pfarrgemeinden Österreichs durchgeführt wird. Er steht unter dem Motto "Liebt nicht mit Worten, sondern mit Taten". Papst Franziskus hat in diesem Zusammenhang die Gläubigen dazu aufgerufen, dass sie konkret auf Arme in ihrer Nachbarschaft zugehen und in der Woche vor dem Aktionstag in den Pfarren Begegnungen veranstalten sollen. Zusätzlich haben die Bischöfe beschlossen, dass am "Welttag der Armen" in allen österreichischen Diözesen eine Spendensammlung durch die Caritas durchgeführt wird. Diese in Österreich bereits traditionelle Sammlung am Elisabethsonntag, dem Gedenktag der Schutzpatronin der Caritas, soll konkret helfen, die Not in unserem Land zu lindern.

Caritas heißt Hilfe von Angesicht zu Angesicht, Not sehen und handeln. Mehr als 50.000 Freiwillige und tausende hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind allein bei der österreichischen Caritas in diesem Sinn engagiert. Durch den "Welttag der Armen" sollen aber auch die tieferen Ursachen von Armut und Ausgrenzung angegangen werden. Schon das Zweite Vatikanische Konzil hat festgehalten, dass man nicht als Liebesgabe anbieten darf, was schon aus Gerechtigkeit geschuldet ist. Wenn man wie Papst Franziskus den Blick weitet und auf die ganze Welt richtet, wird klar: Der Sozialstaat österreichischer und europäischer Prägung ist eine wertvolle Errungenschaft, ein Stück Sicherheit und institutionelle Solidarität. Es ist wichtig, den Sozialstaat immer wieder weiter zu entwickeln, um ihn armutsfest und zukunftstauglich zu machen. Die Bischöfe danken allen in Arbeit und Wirtschaft, die zur Finanzierung des Sozialstaates beitragen.

Die Bischöfe unterstreichen mit Papst Franziskus die weltweite Verantwortung, die Österreich und Europa haben. Zugleich wollen sie mit der Elisabethkollekte am "Welttag der Armen" auf Armut und Not hinweisen, die es auch in Österreich gibt. Nach wie vor gibt es hier bei uns zu viele Menschen, die nicht wissen, wie sie den Alltag aus eigener Kraft bewältigen sollen. Und auch hier bei uns gibt es Menschen, für die das Leben brüchig wird an den Rändern der Gesellschaft und des Lebens.

Die Gerechtigkeit einer Gesellschaft zeigt sich darin, wie in ihr mit den Schwächsten umgegangen wird. Gerade in fordernden Zeiten gilt es, einander beizustehen und die Schwächsten nicht zu vergessen. Die Kirche will dabei helfen, weil konkrete Nächstenliebe Fundament und Prüfstein des christlichen Glaubens ist.

2. Terror und Angst überwinden

Selbstmordattentate im Nahen und Mittleren Osten, Bombenanschläge auf Kopten in Ägypten, Todesfahrten mit LKWs in europäischen Städten und der brutale Mord an einem französischen Priester - immer absurder und menschenverachtender wird der Terror, der medial vermittelt allgegenwärtig erscheint. Seit das IS-Schreckensregime immer mehr zurückgedrängt wird, ist vermehrt auch Europa zum Ziel von Terror geworden, und es zeigt sich dabei die Verletzlichkeit einer Offenen Gesellschaft. Die Reaktion darauf weist aber zugleich ihre Belastbarkeit und Widerstandskraft aus, denn die von den Terroristen angestrebte Dynamik der Radikalisierung ist bisher ausgeblieben.

Der Schutz vor Gewalt korrespondiert mit dem Recht auf Leben und ist eine zentrale Aufgabe des Staates, der sie auf Basis der Rechtsordnung und der Menschenrechte erfüllt. Vor diesem Hintergrund würdigen die Bischöfe den Dienst von Exekutive und Militär zur Bewahrung von Frieden und Sicherheit im Gemeinwesen und danken allen, die dafür bereit sind, Gesundheit, Leib und Leben einzusetzen. Sowohl die Militärseelsorge, die mit Schaffung des Militärordinariates vor 30 Jahren eine gute Verankerung in Kirche und Bundesheer erhalten hat, als auch die seit rund 20 Jahren bestehende Exekutivseelsorge haben sich bewährt und werden vielfach dankbar in Anspruch genommen.

In Rahmen eines Studientages haben Experten aus Militär und Exekutive mit den Bischöfen die vielfältigen Bedrohungen der Sicherheitslage in Österreich, Europa und weltweit erörtert. Ziel der Verantwortungsträger auf allen Ebenen in Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Religion muss es sein, die tieferen Ursachen von Terror und Gewalt zu erkennen und dagegen entschlossen vorzugehen. Die katholische Kirche kann dabei durch ihren ökumenischen Einsatz für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung wichtige Impulse und spürbare Beiträge leisten.

Der Einsatz für Sicherheit und Frieden hat zudem eine starke innerliche und geistige Dimension. Schon in der Schöpfungsgeschichte, den ersten Textzeilen der Bibel, die Juden und Christen teilen, zeigt sich, wie der Geist Gottes Ordnung und Sinn stiftet und damit das Chaos überwindet. Sinn, Ziel und Halt eröffnet der christliche Glaube an einen Gott, der den Menschen in Liebe nahe ist. Dieser Glaube befreit zu einem angstfreien und wachen Blick auf die Wirklichkeit. Er führt aus dem Bannkreis der Angst in den Umkreis der Liebe. Er kann damit die Spirale der Gewalt durchbrechen, die in Gang kommt, wenn auf Terror und Hass in gleicher Weise reagiert wird. Er weiß sich getragen von der Überzeugung, dass Gott als Herr der Geschichte letztlich alles zum Guten wenden wird. In diesem Gottvertrauen sollen sich Christen als jene bewähren, von denen Jesus Christus in der Bergpredigt sagt: "Selig die Frieden stiften, denn sie werden Kinder Gottes genannt werden."

3. Auf dem Weg zur Jugendsynode 2018

Nach Ehe und Familie werden im nächsten Jahr "Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsentscheidung" Thema der XVI. Ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode im Vatikan sein. Die österreichischen Bischöfe begrüßen und unterstützen das Bemühen, möglichst breit bereits im Vorfeld junge Menschen in die Vorbereitung der Weltbischofssynode einzubeziehen. Dem dient auch eine internetbasierte Umfrage in fünf Sprachen, an denen sich ab sofort weltweit Jugendliche unter http://youth.synod2018.va beteiligen können. Die Ergebnisse werden vom vatikanischen Synodensekretariat gesammelt und ausgewertet. Die Bischöfe ersuchen die jungen Menschen in Österreich diese Möglichkeit zu nutzen. Ob in Pfarren, Bewegungen und kirchlichen Jugendeinrichtungen - alle sind eingeladen, die Online-Umfrage zum Anlass zu nehmen, um Jugendliche und ihre Anliegen zur Sprache zu bringen.

Die kommende Bischofssynode trägt deutlich die Handschrift von Papst Franziskus und der von ihm geforderten pastoralen Umkehr, wie er sie bereits in den Dokumenten "Evangelii Gaudium" und "Amoris Laetitia" dargelegt hat. Gemeint ist damit ein echtes Interesse an den Lebensrealitäten der jungen Menschen in ihren vielfältigen Milieus. Dafür braucht es von kirchlichen Verantwortungsträgern die ernsthafte Bereitschaft, von jungen Menschen zu lernen.

Christlicher Glaube ist ein Entdecken und Einüben in die Freundschaft mit Jesus Christus. Junge Menschen auf diesem Weg zu begleiten, der auch eine bewusste Entscheidung über die je eigene Berufung beinhaltet, wird ein Kernthema der kommenden Bischofsversammlung sein. Es gilt dabei den christlichen Glaubensschatz in seiner Fülle und zugleich fordernden Dimension jungen Menschen so anzubieten und zu erschließen, dass sie dabei in der Freiheit wachsen können.

Innerhalb der Bischofskonferenz haben bereits die mit der Thematik befassten Bischöfe damit begonnen, die Vorbereitung auf die Synode umzusetzen. Involviert sind dabei Erzbischof Franz Lackner (Universitäten), Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl (Schule, Berufungspastoral), Weihbischof Anton Leichtfried (Geistliche Berufe) und Weihbischof Stephan Turnovszky (Jugend). Gemeinsam und in Kontakt mit den zuständigen kirchlichen Fachstellen werden die vier Bischöfe auch jenen Fragebogen bearbeiten, der als Teil des offiziellen Vorbereitungsdokuments auf die Bischofssynode zur Beantwortung an die Bischofskonferenz ergangen ist.